Freibad in Holzgerlingen Badeunfall mit Sechsjährigem löst Bestürzung aus

Bestürzung nach Unfall Foto: Imago//C. Hardt

Am Mittwoch zog ein Schwimmer einen leblosen sechsjährigen Jungen aus dem Becken des Holzgerlinger Freibads. Am Tag danach ist die Bestürzung über den Unfall groß, die Aufarbeitung des Falls hat begonnen.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Der Vorfall, der sich am Mittwochnachmittag im Holzgerlinger Waldfreibad ereignet hat, löst in der Stadt Bestürzung aus. Um 14.30 Uhr zog ein Schwimmer einen leblosen Jungen aus dem Becken. Nach einer ersten Behandlung durch die Rettungskräfte kam der Sechsjährige in einem kritischen Gesundheitszustand mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik. Zum Zustand des Kindes gebe es keinen neuen Stand, teilt eine Polizeisprecherin am Donnerstag auf Anfrage mit.

 

Betreiberin des Bades ist die Stadt Holzgerlingen. Deren Erster Beigeordneter Jean-Remy Planche sagt am Donnerstag: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Informationen, wie es zu dem Unfall kommen konnte, geben. Der Vorfall wird polizeilich untersucht.“ Schon am Mittwoch hatte das Polizeipräsidium mitgeteilt, dass die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen habe. Dringend wird nach Zeugen gesucht, die nützliche Hinweise geben können.

„Wir nehmen weiteren Kontakt mit der betroffenen Familie auf, auch unser Freibadpersonal wird betreut, um den Vorfall aufzuarbeiten. Es bestehen Angebote zur Notfall-Nachsorge und diese wurden auch in Anspruch genommen“, sagt Jean-Remy Planche und ergänzt: „Wir sind sehr bestürzt über diesen Vorfall und mit unseren Gedanken bei der Familie.“ Am Mittwoch seien zwei hauptamtliche Bademeister regulär im Dienst gewesen. Zusätzlich Unterstützung durch freiwillige Helfer von der DLRG gebe es nur am Wochenende, wenn das Aufkommen besonders hoch ist.

Mehr Ertrinkungsfälle in Deutschland

Just am Donnerstag hielt der DLRG-Bundesverband in Damp an der Ostsee eine Pressekonferenz ab, in der er die aktuellen Zahlen von Ertrinkungsunfällen präsentierte. Demnach seien in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 199 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken, 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Baden-Württemberg habe sich der Bundestrend allerdings nicht bestätigt, sagt der Präsident des DLRG-Landesverbands Armin Flohr. „Bei uns ist die Zahl im Jahresvergleich gesunken. Im Südwesten kamen 14 Menschen durch Ertrinken ums Leben“, sagt er. Davon je fünf in Flüssen und Seen, zwei in Bädern und je ein Mensch in einem Kanal und in einem Teich. Die niedrigeren Landeszahlen für die ersten sieben Monate führt Flohr auf den späten Sommerferienbeginn im Südwesten zurück. Der Höhepunkt der Badesaison stehe noch bevor: „Wir rechnen damit, dass wir vermehrt in Situation kommen, in denen ein Eingreifen notwendig wird.“ Er betont, zu dem aktuellen Fall in Holzgerlingen keinerlei Aussagen machen zu können, da er den Sachstand zu wenig kenne.

Ein Lob hat er für die hauptamtlichen Bademeister übrig, die häufig Leben retteten, was aber nachher in keiner Statistik auftauche. Allgemein sieht Flohr allerdings eine besorgniserregende Entwicklung bei den Schwimmfähigkeiten von Kindern und auch deren Eltern.

Massiver Stau bei Schwimmkursen

Jedes Jahr gebe es in Baden-Württemberg rund 100 000 neue Erstklässler, bei denen ein Schwimmkurs angeraten sei. Durch die Corona-Pandemie und geschlossene Bäder hätten aber 2020 und 2021 viel weniger Schwimmkurse stattfinden können – was einen massiven Stau ausgelöst habe, der nur nach und nach durch Sonderprogramme abgebaut werden könne. „Doch schon vor Corona waren knapp 60 Prozent der Grundschulabgänger keine sicheren Schwimmer“, sagt der DLRG-Präsident.

Es sei darüber hinaus ein Trugschluss, dass das Absolvieren des Seepferdchens (25 Meter schwimmen und einen Ring aus schultertiefem Wasser heraufholen) aus Kindern sichere Schwimmer mache. „Erst wenn ein Kind 200 Meter bewältigt, kann es sicher alleine schwimmen“, sagt Flohr. Ein Kind, dass erst das Seepferdchen geschafft habe, sei immer noch durch die Eltern zu beaufsichtigen, sagt der DLRG-Präsident.

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