Freiburger Mordfall Suizid in Untersuchungshaft?

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Ein Rechtsanwalt, der in einen Freiburger Mordfall verwickelt war, liegt tot in seiner Gefängniszelle. Er hatte bis zuletzt zu den Vorwürfen geschwiegen.

Der Anwalt saß im  Offenburger Gefängnis in Untersuchungshaft. Foto: dpa/Patrick Seeger
Der Anwalt saß im Offenburger Gefängnis in Untersuchungshaft. Foto: dpa/Patrick Seeger

Freiburg - Ein 39 Jahre Rechtsanwalt aus Freiburg wurde in den Morgenstunden des Montag in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Offenburg tot aufgefunden. Der Mann hatte seit dem 6. August in Untersuchungshaft gesessen, weil er unter Verdacht steht, einen Mordauftrag erteilt zu haben.

Am 18. Juli habe ein 33-jähriger Koch aus Freiburg den Auftrag am Rande des Freiburger Industriegebiets Haid erledigt, so der Vorwurf. Das Opfer sei in eine Falle gelockt und durch zwei Schüsse aus nächster Nähe auf einem Feldweg geradezu hingerichtet worden. Der mutmaßliche Schütze wurde am 16. August gefasst und soll nach unbestätigten Presseberichten ein umfangreiches Geständnis abgelegt haben. Der Anwalt hatte geschwiegen.

Staatsanwaltschaft geht von Suizid aus

Nach Angaben der Offenburger Staatsanwaltschaft könne man davon ausgehen, dass sich der Rechtsanwalt in seiner Einzelzelle das Leben genommen habe. „Eine Obduktion ist angeordnet“, erklärte Stefan Ganninger, der Sprecher der Offenburger Staatsanwaltschaft. „Wir prüfen in solchen Fällen routinemäßig aber auch, ob ein Fremdverschulden vorliegt.“ Weitere Angaben macht die Staatsanwaltschaft „auf Grund der laufenden Ermittlungen“ nicht – weder über die genaue Todesursache noch dazu, ob der Untersuchungshäftling depressiv oder suizidgefährdet war und besonders überwacht wurde.

Auch über den Mordfall selbst ist nicht viel zu erfahren. „Es sind derzeit noch wichtige Ermittlungen im Gange“, betont Jerry Clark, der Pressesprecher der Freiburger Polizei und bittet um Verständnis dafür, „dass wir nicht öffentlich Täterwissen preisgeben können und wollen“. Eine Vielzahl von Spuren müssten noch abgeglichen und Befragungen durchgeführt werden. Erst am kommenden Freitag wolle man vor die Presse treten und informieren. „Das ist der frühest mögliche Termin, ohne dass die Ermittlungen beeinträchtigt werden“, erklärte Clark unserer Zeitung. Die Sonderkommission Haid mit 42 Fahnderinnen und Fahndern habe seit der Tatnacht mehr als 150 Spuren überprüft.

Mysteriöser Fall

In dem Fall, in dem es nach Angaben der Polizei wohl um Waffen, Geldwäsche und Rauschgiftgeschäfte geht, schießen die Spekulationen ins Kraut. Ein Rechtsanwalt als Verdächtiger ist spektakulär. Der Advokat war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung in etlichen laufenden Gerichtsverfahren tätig, für seine Mandanten mussten Vertreter einspringen. Das Mordopfer wird in Medien als polizeibekannte Figur der Freiburger Drogenhändlerszene dargestellt, der mutmaßliche Schütze als ein Mann aus dem Rotlichtmilieu. Der nicht vorbestrafte Rechtsanwalt mit Kanzlei in der Freiburger Innenstadt soll eine insgesamt sechsstellige Geldsumme für den Getöteten in einem Geheimfach im Schreibtisch und bei seinem Vater in der Nachbarstadt aufbewahrt haben. Über das Geld sei es zwischen den Beiden zum Streit gekommen.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/