Freilichtmuseum Beuren Ein unscheinbares Dasein mit großer Wirkung

Für das Projekt der Künstlerin Daniela Wolf können Besucher  in historische  oder märchenhafte Kostüme und damit in andere Rollen schlüpfen. Foto: Daniela Wolf
Für das Projekt der Künstlerin Daniela Wolf können Besucher in historische oder märchenhafte Kostüme und damit in andere Rollen schlüpfen. Foto: Daniela Wolf

Das Kulturfestival Lebens-Bühnen im Freilichtmuseum Beuren bringt moderne Kunst an historische Schauplätze. Dabei soll es nicht nur ums Schauen gehen. Die Besucher können bei einigen Projekten mitwirken.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Beuren - Etwas deplatziert wirkt die hellgrüne Kabine in der alten Lehrerwohnung im 200 Jahre alten Häslacher Rathaus. Ein Hocker, ein Mikrofon und ein Aufnahmeknopf: Wer sich traut, darf sich setzen, den Startknopf drücken und eine Geschichte aus dem Jahr 2016 aufnehmen. Eine persönliche, völlig anonym.

„Wir wollten Stellungnahmen aus dem heutigen Alltag und nicht Geschichte, die ein ganzes Leben betreffen“, sagt der Ostfilderner Künstler Tobias Ruppert. Denn alte Geschichten gibt es im Freilichtmuseum Beuren genug. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Sudabeh Mohafez wird Ruppert die Erzählungen der Besucher zu einem Theaterstück formen, das sie am 5. November im Freilichtmuseum aufführen.

Seit Anfang April steht Rupperts Installation im Freilichtmuseum – sie ist eine von vielen, die in den nächsten Wochen noch dazukommen werden. Sie ist Teil des Kunstprojekts Lebens-Bühnen, das zeitgenössische Kunst an einen historischen Ort bringt. Eine Jury hatte sieben Künstler ausgewählt, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft befassen.

Alt und Neu im Dialog

So unterschiedlich die Ansätze und Installationen der Künstler sind: der Dialog mit den Gebäuden im Museumsdorf und das Leben vergangener Zeiten ist das verbindende Element.

Die Künstler thematisieren gesellschaftlichen Wandel. So auch Bettina Bürkle, deren Dauerausstellung „Colour Boxes/Bienenkästen“ schon am Donnerstag, 20. April, auf die Wiese unterhalb des Hauses aus Öschelbronn zieht. Sie hat sich mit dem Leben einer gefährdeten Spezies beschäftigt. Mit ihren grell-bunten Kästen geht sie auf das scheinbar unscheinbare Leben wilder Bienen ein. Denn die kleinen Insekten sind für Mensch und Tier unverzichtbar, sichern sie doch vielen Lebewesen die Nahrungsgrundlage. Denn reiche Ernten und üppiges Wachstum hängen von der Bestäubung durch die kleinen Insekten ab. Für Bürkle stehen Bienen daher für den gemeinsamen Lebensraum und die Erhaltung der Natur.

Bei dem Künstler Klaus Illi können Besucher von Samstag, 1. Mai, an mitverfolgen, wie er in seiner „Tüftlerwerkstatt“ im Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus Tamm „was schafft“. Sein temporäres Atelier ist Schauplatz von Arbeit und Zeit – Dinge, die jeden Menschen betreffen und beschäftigen. Bis zum Saisonende entstehen Hamsterräder, eine Sisyphoskugelbahn und eine Uhr, die nicht funktioniert. Zeitlich begrenzt ist dagegen der Auftritt des Bildhauers Uli Gsell. Der Bildhauer erschafft zwischen Dienstag, 9. Mai, und Donnerstag, 12. Mai, eine Skulptur aus einem zwei Meter hohen Jurakalkfelsen. Schauplatz ist die Streuobstwiese neben der Geschirrhütte aus Oppenweiler.

Nicht nur schauen, auch teilnehmen

Bei drei Künstlerinnen ist die Partizipation der Besucher ausdrücklich erwünscht. So etwa bei Stefanie Seiz-Kupferers Außeninstallation „Zehn Leerstellen“ auf der Streuobstwiese neben dem Hühnerstall aus Birkach. Die zehn zeltförmigen, mit Juteschnur ummantelten Gerüste sind von Sonntag, 13. Mai, an zu sehen.

Bei diversen Workshops im Juni und Juli werden sie von Teilnehmern an drei jeweils zweitägigen Workshops weitergestaltet. Die Termine sind immer am Wochenende und zwar am 10./11. Juni, am 24./25. Juni und am 15./16. Juli, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Zur Bühne wird das Freilichtmuseum an den Wochenenden 6. und 7. Mai sowie 9. und 10. September. Die Künstlerin Daniela Wolf und die Theaterpädagogin Jule Koch laden Erwachsene und Kinder dazu ein, eine Zeitreise zu unternehmen. Diese können in Kostüme und damit in andere Rollen schlüpfen und sich vor geschichtsträchtigen Kulissen szenisch fotografieren lassen. „Ich arbeite häufig kontextbezogen mit Leuten, die mit zeitgenössischer Kunst nichts zu tun haben“, sagt Daniela Wolf.

Das Freilichtmuseum biete dabei die ideale Bühne, sich in andere Zeitkontexte hineinzuversetzen, sagt die in Berlin geborene und in Stuttgart lebende Künstlerin. Für sie und die Theaterpädagogin Jule Koch seien vor allem die Reaktionen der Menschen spannend.




Unsere Empfehlung für Sie