Mit der Unterzeichnung des historischen Friedensvertrags geht an diesem Montag nach mehr als 50 Jahren der Krieg zwischen kolumbianischer Regierung und Farc-Rebellen zu Ende. Ein Besuch bei den Kämpfern im kolumbianischen Dschungel.

Bogota/El Diamante - Der Weg zu den ehemaligen Staatsfeinden führt sechs Autostunden über Schotterpisten vorbei an Autowracks und staunenden Einsiedlern. Hier irgendwo im Grenzgebiet zwischen der Provinz Caqueta und Meta, wo der Dschungel mit der Savanne um die Vorherrschaft kämpft, startet die linksgerichtete Guerilla-Organisation Farc ihre Metamorphose. Die Rebellen haben die Weltpresse in das Camp El Diamante eingeladen, bevor an diesem Montag in Cartagena der Friedensvertrag mit der Regierung ratifiziert werden soll. Die mehr als 300 Delegierten der Revolutionäre haben am Freitag einstimmig dafürgestimmt.

 

In El Diamante geht es höflich, aber bestimmt zu – zuweilen sogar militärisch. Farc-Pressesprecherin Milena Reyes, eine junge, sehr selbstbewusste Guerillera mit rot gefärbten Haaren und in den obligatorischen Gummistiefeln, dirigiert die internationalen Korrespondenten ans Mikrofon. „Name, Medium“, ruft sie unmissverständlich mit finsterem Blick in den überfüllten Presseraum, wenn ein Journalist eine Frage an die Kommandanten stellen will. Beide Seiten tun sich noch ein bisschen schwer mit der neuen Nähe. Trotzdem ist die Farc überraschend professionell. Als sich die Kommandanten noch im Dschungel verstecken mussten, waren Interviews undenkbar.

Auch die Guerilla-Basis hat Angst

Doch die Zeiten ändern sich. Rasend schnell. Das merkt auch die Guerilla-Basis, die sich auffallend freundlich und zugänglich zeigt. Viele wirken intensiv gebrieft, denn die Antworten ähneln sich fast aufs Wort. Der ideologische Unterricht zeigt seine Wirkung. Guerillero Ademar, der mit richtigem Namen Francisco heißt, spult sein Antwortprogramm runter, als es um die Frage geht, ob die Kolumbianer Angst vor den Kämpfern haben müssten, die jetzt zurück in die Gesellschaft drängen. „Das Regime“, wie er die demokratisch gewählte Regierung des Landes nennt, „hat die Menschen über die Sender RCN und Caracal manipuliert. Wir sind ganz normale Menschen, vor uns muss niemand Angst haben.“

Ein buntes Kulturprogramm schafft die passenden Bilder: tanzende Rebellen und schmusende Guerilleros samt Baskenmützen mit Che-Guevara-Konterfei. Damit bewegt sich die Organisation auf einem schmalen Grat, denn nicht alle Kolumbianer finden diese Unbeschwertheit angebracht, solange Opfer der Farc auf eine Erklärung über den Aufenthaltsort seit Jahren verschwundener Angehöriger warten. Zugleich versucht sich die Farc-Spitze in einem Entschuldigungswettlauf, um bei Opfern oder deren Angehörigen für Massaker in der Vergangenheit um Vergebung zu bitten.

Auch die Guerilleros haben Angst – vor Racheakten der rechten Paramilitärs, die weiterhin mordend durchs Land ziehen. In Zukunft sind die Farc-Rebellen diesen Banden schutzlos ausgeliefert und müssen den staatlichen Institutionen vertrauen. Ausgerechnet den Militärs, die sie jahrelang bekämpften. Und auch sonst müssen sich die Rebellen auf einen neuen Lebensabschnitt einstellen. Manche träumen von einem bürgerlichen Leben, wie Ademar, der studieren und sich weiterentwickeln will. Er strahlt Zuversicht aus. „Ich glaube, dass wir den richtigen Weg gehen. Ich bin optimistisch.“