Am Grabschmuck sparen? Was auf den ersten Blick unpassend knickerig wirkt, kann durchaus verschiedene Vorteile haben. Auch, aber eben nicht nur für den eigenen Geldbeutel, sondern ebenso für die Natur in der Stadt. Experten aus Stuttgart erklären, worauf es vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels in Zukunft auf den Friedhöfen ankommt.
Probleme beim Wasser
Bisher zapfen Friedhofsgärtner und Privatleute auf den 41 Stuttgarter Friedhöfen Trinkwasser, um zu gießen. Das Wasser und die Infrastruktur sei zwar in den Gebühren enthalten, sagt Birgit Blumenthaler vom Friedhofsamt der Stadt Stuttgart. Aber die Wassermenge ist nicht gedeckelt. Das gehe wegen der zunehmenden Trockenheit als Folge des Klimawandels so nicht ewig weiter, sagt Blumenthaler. Daher plane man bereits für einige Friedhöfe Zisternen, um dort künftig mit Brauchwasser zu gießen.
Die Trockenheit hat übrigens noch eine andere teure Konsequenz für die Stadt: Immer häufiger platzen die Wasserrohre nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer, sagt sie. Man verzeichne stadtweit zehn bis 15 Rohrbrüche im Jahr.
Nahrung und Unterschlupf für Getier
In Stuttgart machen die Friedhöfe 30 Prozent der öffentlichen Grünflächen aus. Das zeigt, welchen Stellenwert sie auch für Insekten und anderes Getier haben. Allerdings bringen beispielsweise Stiefmütterchen der Artenvielfalt so gut wie nichts. Um die Friedhöfe in Oasen zu verwandeln, hat der BUND Baden-Württemberg 2021 das Projekt „Insektenfreundlicher Friedhof“ gestartet. Im besonderen Fokus stehen Wildbienen und Schmetterlinge. Über die Hälfte der 460 Wildbienen- und 80 Prozent der Tagfalterarten sind laut BUND im Südwesten gefährdet.
Aufwand bei der Pflege
Bisher sei der sogenannte Florwechsel der Standard auf den meisten Gräbern, sagt Blumenthaler. Gemeint ist damit, dass die letzten Ruhestätten teils mehrmals im Jahr neu bepflanzt werden. Engagiert man dafür eine Friedhofsgärtnerei, kann dies im Jahr bis zu 1000 Euro kosten. Mit dauerhaften, insektenfreundlichen und trockenheitsresistenten Staudenpflanzen lässt sich hier einiges sparen, weil man die Ausgabe mit etwas Glück nur einmal hat.
Die Stadt Stuttgart befinde sich an dieser Stelle in einem Dilemma, erklärt Birgit Blumenthaler. Man arbeite seit Jahren eng mit den Friedhofsgärtnern zusammen. Gleichzeitig sei festzustellen, dass die Wechselbepflanzung „nicht mehr up to date“ ist.
Der BUND testet auf vier Friedhöfen in Baden-Württemberg, welche Grabbepflanzung sich besonders eignet in immer heißer werdenden Sommern, aber auch für die Artenvielfalt. Neben Biberach an der Riß, Heidelberg und Singen ist auch der Hauptfriedhof in Stuttgart dabei. Pflanzen, die der Projektleiter Thorsten Götz empfehlen kann, sind Kuhschelle, Frühlingsfingerkraut, Arzneischlüsselblume, Gewöhnliches Sonnenröschen, Gewöhnliches Katzenpfötchen, Feld-Thymian, Blutstorchschnabel, Gewöhnlicher Dost, Astlose Graslilie, Rundblättrige Glockenblume, Berg-Aster und Gold-Aster.