Friedhof in Flacht Bald Baumbestattungen möglich

Die Entwicklung der Friedhöfe (hier Flacht) wurde 2021 beschlossen. Foto: Simon Granville

Lieber in der Urne als im Sarg, und am besten unter Bäumen – Bestattungskultur verändert sich. Auch in Flacht. Hier entstehen 160 Urnengräber unter Linden.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Trends und eine Veränderung der Gepflogenheiten halten auch vor Friedhofsmauern nicht inne: Wo es früher noch gang und gäbe war, Verstorbene nach der öffentlichen Aufbahrung im Sarg zu beerdigen, machen Urnenbestattungen heute einen Großteil der Beisetzungen in Deutschland aus – im Jahr 2022 waren es bereits 78 Prozent. Der Grund für die Trendverschiebung: Urnenbeisetzungen sind oft nicht nur wesentlich günstiger als die klassische Sargbestattung, sondern die Gräber sind kleiner und machen damit den Hinterbliebenen weniger bis kaum Arbeit.

 

Bestattung unter Bäumen besonders beliebt

18 Prozent der Deutschen wünschen sich laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa eine solche pflegefreie Beisetzungsform auf dem Friedhof, jeder vierte würde seine letzte Ruhestätte gerne in einem Bestattungswald finden. Auf Friedhöfen halten entsprechend dieser Entwicklungen also immer mehr solcher alternativen Bestattungsformen Einzug – auch im Strudelbachtal. Rund 60 Bestattungen finden in Weissach jährlich statt.

Umfassend saniert worden ist deshalb gerade erst der Weissacher Friedhof, nicht nur um Barrierefreiheit zu schaffen, sondern auch, weil der Platz für individuelle Urnengräber eng wurde. Auch einen Bereich für Bestattungen unter Bäumen wurde dabei eingerichtet. Ein ähnliches Makeover soll nun auch der Flachter Friedhof bekommen. Wie genau das aussehen wird, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

160 Urnenbestattungen unter zwei Bäumen möglich

Auf einer Grabfläche in der Mitte des Friedhofes sollen künftig zwei Silberlinden wachsen, laut Landschaftsarchitekt Harald Fischer besonders klimaresistente Bäume. Damit die Wurzeln der Linden die Beisetzungsorte nicht beeinträchtigen, werden Urnenhülsen eingesetzt. Bis die Äste der Linde weit über die Urnengräber ragen, wird es aber eine Weile dauern: Die Bäumchen wachsen im Jahr um rund 40 Zentimeter. Um die Linden herum ist Platz für jeweils 40 Urnenbeisetzungsstellen, in die zwei Urnen passen – für die gesamte Grabfläche bedeutet das also 160 zusätzliche Urnenplätze. Dass diese Plätze sehr beliebt sein werden, schätzt Bürgermeister Jens Millow. Vom Parkplatz aus sei man schnell da, die Grabpflege entfällt. Der Landschaftsarchitekt rechnet mit einem Baubeginn im April.

Außerdem verändert werden soll der Platz vor der Aussegnungshalle des Flachter Friedhofs. Hier gibt es bisher noch ein kleines Mäuerchen mit Bänken und ein altes Wasserbecken. Beides soll mit den Arbeiten entfernt werden, auf dem Platz wird Granitpflaster ausgelegt und das Niveau so angepasst, dass der Vorplatz gänzlich barrierefrei und stufenlos ist.

Wenn Sitzplätze gebraucht werden, soll es Sitzplätze geben

Aus einer Besichtigung auf dem Friedhof habe man die Quintessenz mitgenommen, dass der Platz vor der Halle bei Beisetzungen oft sehr beengt sei, so Millow. Auch deshalb präferierte die Verwaltung, ebenso wie Landschaftsarchitekt Fischer, im Vorfeld die Variante, bei der das ehemalige Mäuerchen wegfällt und der Platz geöffnet wird. In der Aussprache im Gremium äußerten die Gemeinderäte aber doch Zweifel wegen der damit wegfallenden Sitzbänke. „Ich habe die Sorge, dass es an Sitzgelegenheiten scheitert“, sagte etwa Steffen Lautenschlager von den Freien Wählern. „Das gestalten wir nachher so, wie unsere Bevölkerung das braucht“, versicherte Millow. „Wenn man merkt, es fehlen Bänke, dann schaffen wir welche an.“ Mit dem neugestalteten Platz bekomme man eine Bühne, die man „maximal flexibel“ bespielen könne.

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