Friedrich-Schiller-Schule in Renningen Ruhige Momente im Raum der Stille

Von Kathrin Klette 

In der Friedrich-Schiller-Schule gibt es von nun an einen Raum für besondere Unterrichtsmethoden.

Frontaler Unterricht? Im Raum der Stille Fehlanzeige. Stattdessen geht es dort um offene Unterrichtsformen, auch Meditationen können dort stattfinden. Foto: factum/Bach
Frontaler Unterricht? Im Raum der Stille Fehlanzeige. Stattdessen geht es dort um offene Unterrichtsformen, auch Meditationen können dort stattfinden. Foto: factum/Bach

Renningen - Ein etwas anderes Klassenzimmer mit „besonderem Flair“, wie es der katholische Gemeindereferent Felix Lipp formuliert, haben Schüler und Lehrer am Mittwoch in der Friedrich-Schiller-Schule in Renningen gemeinsam eröffnet. In der „Oase“, dem „Raum der Stille“, steht nicht die Funktionalität eines Klassenzimmers im Vordergrund, stattdessen soll er eine angenehme Atmosphäre verbreiten, die für außergewöhnliche Unterrichtsformen geeignet ist – vom Religionsunterricht über Lese- und Singstunden bis hin zu Rollenspielen, Meditationen oder Traumreisen.

„Ich war mal zu einer Lehrprobe in einer anderen Schule, in der es einen solchen Raum der Stille gab“, erklärt der Initiator Felix Lipp. „Das war ein so erfrischender Kontrast, dass mich der Gedanke daran nicht mehr losgelassen hat.“ Er nahm daher Kontakt zu den Religionslehrern an der Renninger Grund- und Werkrealschule auf, an der er auch selbst unterrichtet, und ebenso zum Rektor Gerhard Kicherer. „Die Rückmeldungen waren positiv, und die Lehrer waren total aufgeschlossen.“ Nachdem ihn bei der Gesamtlehrerkonferenz zum Schuljahresbeginn ebenfalls ein positives Echo erreichte, nahm der Plan immer mehr Gestalt an.

Der Raum ist für alle da

„Zusammen mit den Religionslehrern haben wir überlegt, wie der Raum eingerichtet werden könnte“, berichtet Lipp. Beteiligt waren die Lehrer beider Konfessionen. „Das ist ein durch und durch ökumenisches Projekt.“ Jedoch, das ist Felix Lipp ganz wichtig, ist die „Oase“ nicht nur für den Religionsunterricht gedacht. „Wir möchten alle mitnehmen. In dem Raum soll einfach eine besondere, warme Atmosphäre herrschen, in der eine andere Art von Unterricht möglich ist.“

Großer Teppich und Sitzwürfel

Entsprechend ist das vormalige Klassenzimmer auch eingerichtet, die Kosten für die Einrichtung haben fast komplett die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die evangelische Landeskirche übernommen: Vorhänge vor den Fenstern, im Zentrum ein großer runder Teppich auf dem Boden, Sitzwürfel und mehrere Paravents erwarten die Besucher der „Oase“. Betreten wird der Raum nur in Strümpfen, ohne Schuhe. „Abseits vom Lärm, ohne Gerenne und ohne Geschubse“, so Lipp, sollen die Schüler hier zur Ruhe kommen können.

Frei zugänglich ist das Zimmer allerdings nicht, schon zum Schutz der Einrichtung. Ein Lehrer muss also immer dabei sein. „Aber es soll eben auch kein Unterrichtsraum wie jeder andere sein“, betont Lipp. Eine feste Belegungsabfolge gebe es daher nicht, die „Oase“ wird bei Bedarf reserviert. Und der wird garantiert da sein – nicht allein wegen des neuen Konzepts. „Es ist ja nicht so, dass wir einfach leere Räume übrig haben“, sagt Gerhard Kicherer. Das Zimmer werde im Schulalltag auf jeden Fall benötigt wie die anderen auch. „Aber es ist jetzt multifunktional nutzbar, vor allem für ruhigere Unterrichtsarten.“ Ob das Konzept aufgehe, das werde sich in den nächsten Monaten sicher zeigen. „Wir haben damit noch gar keine Erfahrung. Aber ich denke, das wird eine gute Sache.“