Friolzheim Und plötzlich sind sie groß

Von Florian Mader 

Vor drei Jahren sind besonders viele Babys zur Welt gekommen. Sie brauchen nun einen Kindergartenplatz.

Hier, in der Friolzheimer Schwalbenstraße, soll der Kindergarten entstehen. Foto: Andreas Gorr
Hier, in der Friolzheimer Schwalbenstraße, soll der Kindergarten entstehen. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Die kleine Gemeinde im Heckengäu ist gar nicht mehr so klein, denn die Zahl der kleinen Friolzheimer, die derzeit geboren werden, steigt stark an. 53 Neugeborene hat das Rathaus zum Beispiel im Jahr 2013 verzeichnet. „Und in den früheren Jahren waren das immer etwa 30 Babys“, sagt Eberhard Enz, der Friolzheimer Hauptamtsleiter.

Jetzt ist dieser starke Jahrgang drei Jahre alt und die Eltern daher auf der Suche nach Kindergartenplätzen – Plätze, die die Heckengäu-Gemeinde nicht hat.

„Im nächsten Kindergartenjahr fehlen nach derzeitigem Stand etwa 30 Plätze“, muss Bürgermeister Michael Seiß im Gemeinderat einräumen. Schon jetzt ist in der Friolzheimer Krippe eine zusätzliche Kindergarten-Notgruppe mit zehn Plätzen eingerichtet. „Aber für so eine Notgruppe werden wir im nächsten Jahr keine Ge­neh­mi­gung mehr bekommen“, erklärt Michael Seiß. Sein Fazit im Gemeinderat ist daher eindeutig: „Wir brauchen weitere Räume.“

400 000 Euro kostet das Kindergarten-Provisorium

140 Kindergartenplätze gibt es in der Gemeinde schon, Platz für weitere Gruppen ist nicht mehr vorhanden. Das Resümee der Verwaltung: Es muss ein neuer Kindergarten her. „Wir schlagen dafür ein Gebäude in Modulbauweise vor“, sagt Bürgermeister Seiß. Er habe auch schon mit einem Grundstücksbesitzer geredet, dessen Bauplatz die Gemeinde für die nächsten zehn Jahre pachten kann.

Insgesamt 400 000 Euro soll das Provisorium kosten, zwei Kindergartengruppen samt allen nötigen Nebenräumen und einer Außenspielfläche könne so realisiert werden.

Allerdings haben da die Friolzheimer Räte noch ein paar Fragen. „Warum können wir auf den bestehenden Kindergarten nicht einfach ein Stockwerk aufsetzen?“, will etwa Jürgen Böhmler von der Liste „Wir für Friolzheim“ wissen.

Und der fraktionslose Andreas Schur findet das ganze Provisorium fragwürdig: „Das ist doch alles Flickschusterei“, wirft er dem Bürgermeister vor. „Auch in zehn Jahren haben wir noch junge Leute mit Kindern hier.“

Michael Seiß kann die Vorwürfe verstehen. „Aber eine Aufstockung ist viel zu teuer“, sagt er. Außerdem gebe es dann nicht genügend Außenspielfläche für die vielen Kinder. Er beharrt daher auf der provisorischen Container-Lösung. „Wir brauchen die Plätze nämlich jetzt sofort“, sagt er.

Und in den nächsten zehn Jahren können Verwaltung und Gemeinderat dann überlegen, ob Friolzheim langfristig einen zweiten Kindergarten braucht. Der Freie Wähler Michael Welsch unterstützt den Bürgermeister bei dieser Überlegung. „Wir müssen schauen, wie sich die Zahl der Kinder entwickelt“, sagt der Gemeinderat.

Lüsse II brachte den Kindersegen

Denn mit dem Neubaugebiet Lüsse II, in dem in den vergangenen beiden Jahren etwa 50 Häuser entstanden sind, sind besonders viele junge Familien in die Gemeinde gekommen. Jetzt machen in Gemeinderat und Verwaltung Überlegungen sind Runde, ob man in den kommenden Jahren das Lüsse-Gebiet um nochmals etwa 50 neue Häuser erweitern könnte.

„Denn wenn wir dieses Neubaugebiet erschließen, dann können wir dort auch einen neuen Kindergarten mit einplanen“, sagt der Gemeinderat Michael Welsch.

Am Ende beschließen er und seine Ratskollegen – bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung – den neuen Modul-Kindergarten in der Friolzheimer Schwalbenstraße. Im nächsten Frühjahr 2017 soll er fertig sein.