Ex-VfB-Spieler im DFB-Team Wie Horst Heldt die Karriere von Thilo Kehrer gerettet hat

Von Marco Seliger 

Von 2009 bis 2012 hat Thilo Kehrer in der Jugend des VfB Stuttgart gespielt. Mit seinem Wechsel vom FC Schalke 04 zu Paris St-Germain wurde der 21-jährige Tübinger zum teuersten deutschen Abwehrspieler.

Thilo Kehrer spielte früher beim VfB Stuttgart und ist jetzt Nationalspieler. Foto: dpa
Thilo Kehrer spielte früher beim VfB Stuttgart und ist jetzt Nationalspieler. Foto: dpa

München - Der Ammerbucher Ortsteil Pfäffingen (Kreis Tübingen) hat einiges zu bieten. Es gibt ein Einkaufsareal mit einigen Discountern und Supermärkten, dazu einen Bahnhof und im Süden den idyllisch gelegenen Ortskern an der Ammer. Nicht schlecht ist das für einen Ortsteil mit rund 1800 Einwohnern – die Hauptattraktion aber ist kein Bauwerk, es ist ein Profifußballer aus Fleisch und Blut, der in den vergangenen Wochen in den Schlagzeilen war – und der nun von Bundestrainer Joachim Löw erstmals für die A-Nationalmannschaft berufen wurde.

Thilo Kehrer (21), aufgewachsen in Pfäffingen, lernte das Kicken bei der TSG Tübingen, und wenn der Neuzugang des französischen Spitzenclubs Paris St. Germain in der Heimat ist, dann schaut er gerne auf dem Gelände der TSG vorbei oder schippert in seiner Geburtsstadt auf dem Stocherkahn über den Neckar.

Er ist teurer als Mats Hummels

Zeit für ausgiebige Heimaturlaube hat Kehrer in diesen Tagen aber nicht. Er weilt bei der Nationalelf – es ist der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die zuletzt in den Blickpunkt rückte. Kehrer, Sohn einer burundischen Mutter und eines deutschen Vaters, wechselte kürzlich für 37 Millionen Euro vom FC Schalke 04 nach Paris. 37 Millionen. Für einen Verteidiger, der gerade mal 44 Bundesligaspiele auf dem Buckel hat. Kehrer, der U-21-Europameister von 2017, ist der teuerste deutsche Bundesliga-Verteidiger, bisher hatte Bayerns Abwehrspieler Mats Hummels mit 35 Millionen Euro (2016/2017) die höchste Ablöse gekostet. „Für mich ist das eine Gelegenheit, mit großartigen Spielern zu trainieren und mit einem Coach zusammenzuarbeiten, der mir helfen will, mich zu entwickeln“, sagt Kehrer zu seinem Wechsel.

Die Vorzüge Kehrers, der 2012 von der Jugend des VfB Stuttgart zu Schalkes U 17 wechselte, liegen auf der Hand: Er verkörpert den Typus des modernen Abwehrspielers und zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus. Kehrer wird zwar häufig in der Innenverteidigung eingesetzt, kann aber auch im defensiven Mittelfeld oder als Außenverteidiger ran. Der Neue wurde von Trainer Thomas Tuchel bislang in zwei Ligapartien eingesetzt und spielte 68 Minuten. Beim Debüt gegen Angers (3:1) verschuldete er einen Elfmeter und wurde zur Pause ausgewechselt.

Der Trick von Horst Heldt

Doch Kehrer dürfte im Fußballgeschäft so schnell nichts mehr schocken – nach der Geschichte, die sich im Jahr 2015 zutrug. Im Frühjahr wurden damals Kontakte des damaligen Schalker A-Jugendspielers zu Inter Mailand publik, im Sommer bestätigte Inter den Vertragsschluss. Da Schalke Kehrer per Option aber auch an sich gebunden hatte, existierten auf einmal zwei gültige Arbeitsverträge.

Horst Heldt war damals der Schalker Manager, er sagt: „Thilo drohten riesige Probleme, er hätte für den Fußball gesperrt werden können.“ Heldt trickste daraufhin. Er trat in Verhandlungen mit Inter ein. Es ging dabei nicht um Kehrer, zumindest nicht offiziell, sondern um Xherdan Shaqiri, den die Italiener damals zum Verkauf angeboten hatten. Heldt knüpfte die Gespräche mit Inter aber an die Bedingung, zuerst den Vertrag mit Kehrer aufzulösen – und erreichte, was er wollte. Das Interesse an Shaqiri diente nur als Mittel zum Zweck, Heldt wollte ihn nie verpflichten. Kehrer blieb Schalker – und startete durch in seiner Karriere.