Fünf Kandidaten für Wahl in Freiburg Alles läuft gut für Dieter Salomon

Von  

Am 22. April wird der Oberbürgermeister gewählt: Die SPD hat einen Kandidaten gefunden, die CDU nicht.

Dieter Salomon will im April sein Amt verteidigen. Foto: dpa
Dieter Salomon will im April sein Amt verteidigen. Foto: dpa

Freiburg - Der grüne Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (57) dürfte gute Chancen auf eine weitere Amtsperiode in der südbadischen Großstadt haben – trotz bisher vier Gegenkandidaten für die Wahl am 22. April. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Christdemokraten, neben den Grünen die stärkste Fraktion im Gemeinderat, ihm niemanden entgegensetzen können. Zum Jahresbeginn haben sie eingeräumt, keinen eigenen Kandidaten zu haben – wie schon vor acht Jahren. Die SPD immerhin hat am Dienstag einen Bewerber vorgestellt: Martin Horn, der im Rathaus von Sindelfingen (Kreis Böblingen) für den CDU-Oberbürgermeister die Europapolitik koordiniert.

Die beiden großen Parteien haben damit fast ein Jahr gebraucht, öffentlich auf Salomons Ankündigung zu reagieren, erneut anzutreten. Im Gegensatz zur Ratsfraktion hatte die CDU-Basis dieses Mal auf einen eigenen Kandidaten gedrungen, doch der Kreisvorsitzende Peter Kleefass fing sich bundesweit Absagen ein. Potenzielle Kandidaten scheuten eine Niederlage und die Kosten eines Wahlkampfs.

Die Sozieldemokraten setzen auf Martin Horn aus Sindelfingen

Anders als die CDU hat die SPD einen Fonds zur Unterstützung eines Bewerbers eingerichtet, auf den sich der parteilose Horn nun stützen kann. Der 32-jährige Politikwissenschaftler, ein Pfarrerssohn aus der Pfalz, hat internationale soziale Arbeit studiert und einen Master für europäische und Weltpolitik erworben. Er ist verheiratet und hat einen dreieinhalbjährigen Sohn. In Freiburg hat er nie gewohnt.

Die Kandidatur sei im Zuge eines kommunalpolitischen Lehrgangs bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung angebahnt worden, erklärt der junge Kandidat am Dienstag in Freiburg. Er wolle „mehr zuhören“ als Salomon, trete „für bezahlbaren Wohnraum, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung und einen aktiven Bürgerdialog“ ein. Er wolle Freiburg „zu einer modernen, digital gut vernetzten, innovativen und nachhaltigen Stadt“ machen.

Das könnte fast wortgleich von Salomon stammen. „Es ist sehr schwer, gegen einen Amtsinhaber mit einer solchen hohen Wertschätzung anzutreten, wie Salomon sie genießt“, betont der Freiburger Wahlforscher und Politikwissenschaftler Ulrich Eith. Und: „Es gibt keine Wechselstimmung.“ Man könne „fast schon glauben, das Rennen sei gelaufen“, vermutet Michael Wehner, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Freiburg. Eine erkennbare Alternative sieht er bei keinem der bisherigen Herausforderer. „Salomon bietet kaum Angriffspunkte, er ist ein amtserfahrener homo politicus, er passt zu dieser Stadt und kann sich auf eine breite bürgerliche Allianz stützen.“

Vor acht Jahren schien er zu wanken

Das war nicht von Anfang an so. Seinen ersten Sieg im Jahr 2002 konnte Dieter Salomon erst im zweiten Wahlgang und mit Hilfe einiger Ungeschicklichkeiten der CDU-Kandidatin Gudrun Heute-Bluhm erringen. Und die Wiederwahl im Jahr 2010 war nicht von vorneherein sicher. Salomon hatte versucht, die städtischen Wohnungen zu verkaufen, doch ein Bürgerentscheid durchkreuzte diesen Plan. Am Ende stand ein hohes Maß an Unzufriedenheit mit der Stadtpolitik, was den linken Kandidaten Günter Rausch auf 20,1 Prozent katapultierte und dem SPD-Mann Ulrich von Kirchbach noch 29,2 Prozent verschaffte. Salomon gewann dennoch knapp im ersten Anlauf mit 50,5 Prozent.

„Die Gefahr ist jetzt, dass die Wahlbeteiligung sinkt, weil viele glauben, die Wahl sei ein Selbstläufer“, sagt der Wissenschaftler Eith. „Aber Salomon muss mobilisieren und kann sich nicht ausruhen, denn jeder Wahlkampf hat seine Unwägbarkeiten“. Das linke Lager schart sich um die Lehrerin Monika Stein. Sie sitzt für die Grüne Alternative Freiburg (GAF) im Gemeinderat. Als AfD-nah hat sich der Unternehmer Stephan Wermter geoutet und mit einem Facebook-Eintrag bereits das bekannte Spiel der Provokation mit anschließender Distanzierung geübt. Als fünfter möglicher Kandidat hat sich das Grünen-Mitglied Manfred Kröber ins Spiel gebracht, der von seiner Partei nicht unterstützt wird. Die Bewerbungsfrist endet am 26. März.