Für Wärmepumpen und E-Autos Netze BW: Stromnetz-Ausbau kostet 14,5 Milliarden Euro

Montagearbeiten an der 110-kV-Trasse bei Weil im Schönbuch Foto: Netze BW/Andre Hammer

Die Stromnetze im Südwesten müssen gewaltig aufgerüstet werden. Baden-Württembergs größter Verteilnetzbetreiber hat nun die Kosten beziffert.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Ein gutes Stromnetz gilt als Rückgrat der Energiewende: Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen die Betreiber der Stromnetze in den kommenden Jahren gewaltig aufrüsten. Was das kosten könnte, lässt Baden-Württembergs größter Verteilnetzbetreiber in seinem am Mittwoch veröffentlichten Netzausbauplan 2024 erkennen. Darin wird dargelegt, welche Baumaßnahmen bis 2045 – also dem Jahr der gesetzlich verankerten Klimaneutralität Deutschlands – geplant und notwendig sind. Der Ausbaubedarf ist enorm: Allein im Hochspannungsnetz der Netze BW sind demnach Investitionen in Höhe von 14,5 Milliarden Euro nötig.

 

„Die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und erfordert einen umfassenden Ausbau unseres Stromnetzes“, betont Martin Konermann, Geschäftsführer Technik der Netze BW. Die Milliardeninvestitionen müssten sowohl in Stromleitungen als auch in technische Anlage wie Umspannwerke fließen. Den Angaben zufolge müssen insgesamt 3000 Kilometer Hochspannungsleitungen erneuert, verstärkt oder neu gebaut werden, um die Klimaneutralität zu erreichen.

Massive Investitionen in Stromnetze notwendig

Die Verteilnetze sind vom Übertragungsnetz zu unterscheiden. Während das Übertragungsnetz aus Höchstspannungs-Überlandleitungen besteht, die auch gerne Stromautobahnen genannt werden, werden alle Spannungsebenen darunter als Verteilnetz bezeichnet. In Deutschland gibt es gut 36 000 Kilometer Übertragungsnetz. Die Länge der Leitungen in den Verteilnetzen beläuft sich auf rund zwei Millionen Kilometer. Für den Ausbau der Strom-Verteilnetze in Deutschland rechnen die großen Verteilnetzbetreiber in den nächsten zehn Jahren mit Investitionen in Höhe von insgesamt rund 110 Milliarden Euro.

Von 2034 bis einschließlich 2045 veranschlagen die Netzbetreiber weitere Ausbauinvestitionen im Umfang von rund 90 Milliarden Euro. Hinzu kommen Investitionen für den Ersatz bestehender Leitungen. Sie belaufen sich auf etwa 10 Milliarden Euro bis 2033 und weitere rund 20 Milliarden Euro bis 2045, so die zuständige Bundesnetzagentur.

Wie Wärmepumpen und E-Autos das Stromnetz belasten

Mehr strombetriebene Wärmepumpen und die wachsende Anzahl an E-Autos stellen das Stromnetz vor neue Herausforderungen. Experten warnen bereits vor Überlastungen und Engpässen. 15 Millionen Elektrofahrzeuge und sechs Millionen Wärmepumpen sollen gemäß den Klimazielen der Bundesregierung bis 2030 dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dafür wird in der Zukunft deutlich mehr Strom gebaucht. Deutschlandweit wird sich der Stromverbrauch laut Prognosen der Übertragungsnetzbetreiber bis 2045 verdoppeln.

Auch im Südwesten stellt die Energiewende die Stromnetze vor große Herausforderungen. „Wir rechnen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2045 mit einem Zuwachs der installierten Leistung von Erneuerbaren Energien von 10 auf 66 Gigawatt“, betont Netze-BW-Manager Konermann. „Die Zahl der Elektrofahrzeuge in Baden-Württemberg könnte sich auf 5,3 Millionen erhöhen“, fügt er hinzu. Zum Vergleich: Aktuell sind es 300 000 E-Autos.

Belastung der Netze wächst

Schon jetzt zeigen sich erste Probleme beim Umrüsten auf größere Wärmepumpen, weil das Stromnetz vor Ort nicht dafür ausgelegt ist. Mancherorts müssen neue Umspannwerke und Trafohäuschen gebaut, dickere Ladekabel verlegt und neue Hausanschlüsse installiert werden.

Statt weniger großer Kraftwerke erzeugen heute viele kleine Anlagen Strom, zum Beispiel Windräder und Photovoltaikanlagen. Der Großteil des im Südwesten erzeugten Stroms aus Erneuerbaren Energien wird in die lokalen Verteilnetze eingespeist. Dadurch wächst die Belastung der Netze, zudem schwankt die eingespeiste Strommenge mit dem Wetter.

„Oberstes Ziel bleibt die Versorgungssicherheit von Baden-Württemberg“, sagt Netze-BW-Technik-Chef Konermann. Dafür benötige es den Ausbau sowie die Digitalisierung des Verteilnetzes. „Ein digitales Netz können wir perspektivisch flexibel steuern, um den starken Zubau der Erneuerbaren Energien effizient zu managen.“ Die Pläne würden laufend geprüft und angepasst.

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