Fulminanter Auftakt bei Festival Nena ist da und Leonberg flippt aus

Völlig losgelöst: Bei Leonpalooza schwebt Nena regelrecht über die Bühne. Foto: Jürgen Bach

Hits, Emotionen, Gänsehaut: Der deutsche Superstar ist zum zweiten Mal bei Leonpalooza und gibt mehr als zwei Stunden Vollgas

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Da sind sie wieder, die vielen roten Luftballons auf der Bühne und der große weiße, der übers Publikum schwebt. Ihren wohl größten Hit, der heute eine fast schon bedrückende Aktualität hat, setzt Nena gewohnt optisch in Szene. Doch der Unterschied zum Konzertfinale vor einem Jahr: Diesmal bettet die hervorragende Band die „99 Luftballons“ musikalisch in den Beatles-Klassiker „Hey Jude“ ein. Ein Gefühl zwischen Gänsehaut und Euphorie macht sich spätestens jetzt bei den allermeisten der gut 1500 Menschen auf dem Bürgerplatz vor der Leonberger Stadthalle breit.

 

Schon zum zweiten Mal ist Gabriele Susanne Kerner, wie sie bei ihrer Geburt vor 63 Jahren im westfälischen Hagen geheißen hatte, beim Festival Leonpalooza. Vor einem Jahr hatte Nena regelrechte Begeisterungsstürme erzeugt. Dass es wieder „richtige“ Konzerte gibt, war seinerzeit nach den bleiernen Corona-Jahren eine regelrechte Befreiung. Zum Entsetzen ihrer Sicherheitsleute sprang sie damals sogar ins Publikum.

Konzert war sofort ausverkauft

Diesmal eröffnet sie das komplette Festival. Nach dem Hammer-Konzert im Sommer 2022 hatte sie der damalige Leonberger Veranstaltungsmanager Nils Strassburg gleich wieder angeheuert und lag damit richtig: Kaum war bekannt, dass Nena erneut nach Leonberg kommt, war das Konzert restlos ausverkauft.

Nils Strassburg, der vor drei drei Jahren inmitten der Pandemie das Leonpalooza-Festival im abstandsgerechten Kleinformat aus dem Boden gestampft hatte, ist mittlerweile nicht mehr in Leonberger Diensten. Die Stadt und er sind im Unfrieden auseinander gegangen, dem Vernehmen nach hatte sich Strassburg allzu sehr auf sein zweites berufliches Standbein als originalgetreuer Elvis-Interpret konzentriert.

Leonpalooza hat sich in den vergangenen Jahren von einem eher intimen Kleinkunstmeeting zu einem Treffpunkt der Großen entwickelt. Und auch nach Strassburgs Abgang lebt es weiter. Ein Organisationsteam aus der Stadtverwaltung, künstlerisch beraten vom professionellen Musikmanager Michael Menges und unterstützt von vielen freiwilligen Helfern aus dem Rathaus und sogar aus dem Gemeinderat, hat ein mehr als bemerkenswertes Programm zusammengestellt. Dass das anderthalb Wochen währende Spektakel von Nena eröffnet wird, unterstreicht dessen Qualität.

Mittlerweile kann es auch das Drumherum bei Leonpalooza mit vielen großen Musiktreffen aufnehmen. Regelmäßig entwickelt sich die Wiese des benachbarten Stadtparks zu einem zweiten Festivalgelände. Dort lagern Fans, die keine Karten mehr bekommen haben oder kein Geld dafür haben, auf Decken mit Bier und Wasser.

Beeindruckende Bühnenpräsenz

Gut haben es die Gäste auf der Terrasse des direkt angrenzenden Amber-Hotels. Hier ist der Sound genauso gut wie auf dem Festivalgelände selbst. Und vielleicht ist auch der Blick auf den einen oder anderen Star noch drin. Denn die meisten Künstler logieren im Amber. Nur Nena zieht ihr eigenes Tourmobil vor. Ein Stück Privatsphäre muss sein.

Begriffe wie Ikone werden oft inflationär verwandt, bei Nena trifft er zu. Ihre Bühnenpräsenz ist unvermindert beeindruckend, ihre Stimme hat in vier Jahrzehnten keineswegs gelitten, genauso wenig wie die Spielfreude der Chefin und ihrer Musiker. Nena beginnt zwar, ganz in Starmanier, mit einer halben Stunde Verspätung, aber dann gilt gleich das Motto des ersten Songs: „Wir sind da“. Und das volle Pulle.

Die Gruppe kommt rockiger als früher daher, manchmal klingt es sogar nach echtem Hardrock. Die meisten der Fans stört das nicht: Sie tanzen, klatschen und halten ihre Handys hoch. Genau wie Marie und Cornelia aus Stuttgart. Sie waren schon im vergangenen Jahr bei Leonpalooza und finden es super, dass ihr Liebling erneut quasi vor der Haustür auftritt. Auch diesmal haben sie sich wieder einen etwas ruhigeren Platz am Rand ausgesucht: „Da lässt es sich besser tanzen.“

Die beiden Damen in den Fünfzigern, die seit ihrer Jugend Nena verehren, zeigen stolz eine Handtasche und ein Schweißband mit dem Schriftzug ihres Stars. Schon im vergangenen Jahr hatten sie sich mit Devotionalien am Fanshop eingedeckt. Geht es nach ihnen, kann Nena im kommenden Jahr wieder nach Leonberg kommen. Das dürften auch die allermeisten der Fans so sehen, nicht zuletzt weil Nena 100 Prozent gibt: Mehr als zwei Stunden steht, nein, tanzt sie auf der Bühne. „Ich fühl mich sauwohl bei euch“, ruft sie der brodelnden Menge zu und stellt zurecht fest: „Leonberg flippt aus!“

„Lass euch keinen Quatsch erzählen“

Zum Schluss gibt sie den Leuten noch einen guten Rat: „Bleibt stark und lasst euch keinen Quatsch erzählen“. Offen bleibt, ob dies eine Anspielung auf ihre Rolle als Kritikerin der einstigen Corona-Auflagen ist. Damals hatte sie von „Panikmache“ gesprochen. Aufsehen hatte auch ihr Lob für eine Demo gegen die Corona-Einschränkungen erregt. Im Vorfeld ihres ersten Leonberger Auftritts hatte es eine kontroverse Debatte gegeben, ob man Nena überhaupt einladen dürfe. Jetzt ist es dem Publikum erkennbar egal.

Am Samstag, 15. Juli, spielen Kim Wilde und der deutsche Bluessänger Andreas Kümmert. Das Konzert mit Chris de Burgh am Sonntag ist ausverkauft. Weiter geht’s am Dienstag, 18. Juli, mit Götz Alsmann und am Mittwoch, 19. Juli, mit Fools Garden-Sänger Peter Freudenthaler und Julia Neigel. Karten: www.leonpalooza.de

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