Fundbüro in Stuttgart Vom Ringen um den besten Preis

Von Florian Hörlein 

Täglich nimmt das Fundbüro in Stuttgart Fundstücke entgegen. Wenn sich kein Besitzer meldet, wird versteigert. Ein Besuch.

Auch Schirme sind gefragt. Foto: Lg/Kovalenko
Auch Schirme sind gefragt. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Dienstagmorgen, 9 Uhr, im Amtsgebäude an der Hauptstätter Straße. Rund 30 Leute bevölkern den Raum. Einige gehen umher, begutachten die Wertgegenstände in den Vitrinen an der linken Wand des Raumes, andere sitzen angespannt auf den Holzstühlen, warten, unterhalten sich im ruhigen Ton. Als Guido Wolf den Raum betritt, wird es still. Nichts ist es mehr mit der lockeren Atmosphäre, die vorher zu spüren war. Jeder ist darauf aus, heute ein gutes Geschäft zu machen. Denn das Fundbüro Stuttgart versteigert an diesem Tag all die Fundsachen, die in den vergangenen sechs Wochen keinen rechtmäßigen Besitzer gefunden haben. Guido Wolf, der Leiter des Fundbüros, ist heute Auktionator. Das Publikum ist gemischt, jung wie alt, Familien, aber auch Einzelpersonen finden sich darunter. „Die, die da sitzen, sind zum Großteil jedes Mal dieselben“, sagt Wolf. „Oft sind das Händler oder Goldschmiede, die die Ware wieder weiterverkaufen. Heute haben wir aber auch einige Familien und Privatleute da.“ Die einen bieten unbedarft mit. Für sie ist die Versteigerung sichtlich ein persönliches Vergnügen. Die anderen wirken professioneller. Als der Schmuck unter den Hammer kommt, werden sie unruhig, packen kleine Lupen aus, untersuchen zielsicher ausgewählte Schmuckstücke. 2800 Euro zahlt einer bar für eine Tüte Goldschmuck, mehr wird heute keiner mehr für einen Auktionsposten bieten. Allerdings ist er auch der Einzige, der die Tüte haben will. „Normalerweise sind das immer noch zwei, drei andere, die beim Gold mitgehen, aber die sind heute wahrscheinlich im Urlaub“, sagt Wolf.

Einnahmen gehen an die Stadtkasse

Das Angebot ist vielfältig bei dieser Auktion. Die Palette reichte vom mit Kosmetika gefüllten Koffer bis zum Samsung Galaxy Note 4, vom mit Werkzeug gefüllten Trolley bis zur Kaffeemaschine. All das kommt unter den Hammer. „Die Einnahmen gehen an die Stadtkasse“, sagt Wolf. Wie viel das ist, will er nicht sagen. Und auch bei den Auktionsterminen bleibt er vage. „Das kommt immer darauf an, wie viele Fundsachen ich habe. Im Jahr kommen da aber schon drei bis vier Auktionen zusammen“, sagt Wolf.

Für heute war es das aber. Mit einem iPad Air schließt die Auktion, vollbepackt geht es für die meisten Bieter nach Hause. Einige machen sich aber auch gleich zur nächsten Versteigerung auf, erzählen sie. Denn das Ringen um das beste Geschäft geht unermüdlich weiter.