Funde in Steinheim Siedlungsreste aus Mittelalter entdeckt
Archäologen haben auf dem Schnaidt-Areal in Steinheim unter anderem einen Brunnen nachgewiesen. Bremst das nun das hier geplante Dienstleistungszentrum aus?
Archäologen haben auf dem Schnaidt-Areal in Steinheim unter anderem einen Brunnen nachgewiesen. Bremst das nun das hier geplante Dienstleistungszentrum aus?
Das Schnaidt-Areal in Steinheim ist geradezu umzingelt von archäologischen Denkmälern und Flächen, unter denen Wissenschaftler Artefakte aus längst vergangenen Zeiten vermuten. So halten es Forscher beispielsweise für plausibel, dass im Südwesten römische Gebäudereste in der Erde schlummern, während im Südosten nachgewiesenermaßen einst das Gelände des Dominikanerinnenkloster Mariental angrenzte. Beim Landesdenkmalamt hatte man deshalb den Verdacht, dass auch unter dem Schnaidt-Areal selbst stumme Zeugen der Vergangenheit die Jahrhunderte überdauert haben. Eine Annahme, die sich nun bestätigt hat.
Im Zusammenhang mit dem geplanten Dienstleistungszentrum mit Wohnungen, das die Bietigheimer Wohnbau auf dem Gelände realisieren möchte, wurden von der Behörde archäologische Voruntersuchungen in die Wege geleitet. Das Grabungsteam sei am 8. August angerückt und habe bis zum 18. August auf dem Platz gearbeitet, berichtet Lisa Schmidt, Pressereferentin im Regierungspräsidium Stuttgart. Während dieses Zeitraums hätten die Experten „Nachweise einer früh- bis hochmittelalterlichen Siedelstelle zu Tage“ gefördert. Die Archäologen seien auf einen Brunnen, Pfostengruben sowie einen Erdkeller gestoßen. Dazu seien „Keramik, Knochen, Eisen und Schlacke“ entdeckt worden.
Das dürfte aber nicht das letzte Wort sein. Denn laut Nils von Albert sind nun noch vertiefende Grabungen vorgesehen. Das habe die zuständige Vertreterin des Denkmalamts mitgeteilt, sagt von Albert, der das geplante Neubauprojekt auf dem Schnaidt-Areal für die Bietigheimer Wohnbau leitet. „Und daraus könnten sich dann weitere Erkenntnisse ergeben“, fügt er hinzu.
Gleichwohl treiben den Architekten keine Bedenken um, dass zusätzliche Funde das Vorhaben seines Unternehmens torpedieren oder zeitlich verzögern könnten. Aktuell laufe das Bebauungsplanverfahren, das mit dem Satzungsbeschluss wahrscheinlich im Februar abgeschlossen werden könne. Die Genehmigung für das Baugesuch dürfte frühestens im Mai oder Juni vorliegen, der Spatenstich wäre dann im Hochsommer 2023 denkbar. „Es ist also genügend Zeit für die Grabungen. Das wird die Bebauung nicht tangieren. Dazu müssten schon bahnbrechende Funde freigelegt werden“, resümiert Nils von Albert.
Stoßen die Archäologen folglich nicht gerade auf Relikte von Karl dem Großen oder ähnlich atemberaubende Artefakte, müsste die Bietigheimer Wohnbau ihr Dienstleistungszentrum samt Wohnungen wie geplant errichten können. In den beiden anvisierten Baukörpern sollen Stand jetzt 31 Eigentumswohnungen entstehen. 21 davon werden in die Rubrik „Betreutes Wohnen“ fallen. Vorgesehen ist, dass sich um die damit verbundenen Serviceleistungen das Kleeblatt kümmert. Eine Bäckerei mit einem kleinen Café soll sich ebenfalls ansiedeln. Überdies soll in dem Neubau der örtliche Polizeiposten untergebracht werden, dessen Räumlichkeiten im Rathaus nicht mehr den modernen Standards entsprechen.
Ferner, und das ist den Steinheimer Gemeinderäten sehr wichtig, können und sollen sich in dem Komplex auch Mediziner niederlassen. Angedacht sei, dass ein Zahnarzt dort Patienten behandelt, sagt Nils von Albert. „Außerdem gibt es in dem Baukörper entlang der Ludwigsburger Straße im ersten Obergeschoss Flächen für eine ärztliche Nutzung. Daran haben Ärzte auch schon Interesse bekundet“, erklärt der Projektleiter.
Weiter soll vom Kleeblatt auf dem Schnaidt-Areal eine Tagespflege etabliert werden. „Sofern die Gesellschafter den Baubeschluss fassen“, könnten vermutlich 15 bis 20 Plätze geschaffen werden, erklärt Stefan Ebert, der Geschäftsführer des Altenheim-Betreibers. „In Anbetracht der allgemein steigenden Pflegebedürftigkeit der zusehends alternden Bevölkerung betrachten wir den Bau einer weiteren Tagespflege für das Bottwartal als sinnvoll“, erläutert Ebert. „Wir wollen die pflegenden Angehörigen damit entlasten. Auch die Bewohner der betreuten Wohnungen können bei Bedarf das Angebot der Tagespflege nutzen und dadurch möglichst lange in ihrer eigenen Häuslichkeit verbleiben“, fügt er hinzu.
Noch ist das aber Zukunftsmusik. Ebenso wie die Tiefgarage mit fast 40 Stellplätzen, die die Bietigheimer Wohnbau auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Plangebiet errichten lassen will. Die Gegenwart sieht so aus, dass das Terrain wegen der Grabungsarbeiten umzäunt ist. Aus dem Grund können derzeit auch die rund 35 geschotterten Stellplätze nicht angesteuert werden, die provisorisch auf dem Areal angelegt worden waren. „Sie werden auch nicht mehr reaktiviert“, stellt Nils von Albert klar. Von den vertiefenden archäologischen Grabungen gehe es praktisch nahtlos in die Vorarbeiten für das Projekt der Bietigheimer Wohnbau über.