Funkstille im Osten des Kreises Die Suche nach sicheren Verbindungen im Sandland

Von Harald Beck 

Nicht mal der Notruf ist gesichert. Am Runden Tisch sind Lösungen für die Telekommunikations-Misere im äußersten Osten des Rems-Murr-Kreises gefragt

Beim Breitbandausbau im äußersten Osten des Kreises hapert es noch. Foto: dpa/Peter Kneffel
Beim Breitbandausbau im äußersten Osten des Kreises hapert es noch. Foto: dpa/Peter Kneffel

Telefonie - Im Sandland, jenem östlichsten Teil des Kreises, an dem bei Cronhütte und Hellershof nordöstlich von Welzheim die Ortsgrenzen von Kaisersbach und Alfdorf aufeinander treffen, herrscht telekommunikativer Notstand. Mangels Netz, Handy- oder Datenverbindung sehen sich unter anderem eine größere Metzgerei und ein Busunternehmen weitgehend von Kunde oder Lieferanten abgeschnitten. Bis zu 40 Prozent der Sandland-Anwohner geben an, angesichts der seit Jahreswechsel merklichen Veränderungen in der Verbindungsversorgung, könnten sie bisweilen nicht einmal Notrufe absetzen.

Grund für die Malaise in der Telekommunikation, ist offenbar die Umstellung der Telefonie auf die sogenannte IP-Technologie. Bei der IP-Telefonie („Voice over IP“) werden Telefongespräche über Datenpakete über das Internet transportiert. Diese benötigen weniger Bandbreite als klassische Telefongespräche. Nach Umstellung, so die Krux in offenbar recht zahlreichen Fällen, stehen bis zum späteren Ausbau des Breitbandnetzes dort angesichts zu langer Leitungswege im bestehenden Kupferkabelnetz nur analoge Anschlüsse zur Verfügung. Ein Grund dafür, so die Telekom, dass sich einige Betroffene auch andere Anbieter gesucht hätten – „bedauerlicherweise sind deren Lösungen auch nicht dauerhaft stabil“.

Runder Tisch in Kaisersbach

Eben diese und deren unerwünschte Folgen im weitestgehend noch ohne moderne Breitbandverbindung kommunizierenden Sandland sind jetzt Gegenstand eines Runden Tisches gewesen, zu dem die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller ihre Bürger, Vertreter des Landkreises, die Deutsche Telekom sowie Vertreter aus dem Nachbarort Alfdorf eingeladen hatte.

Ausgangspunkt dieser „konstruktiven Suche nach Lösungen im Sandland“, so heißt es dazu nun in einer gemeinsamen Mitteilung der an der Erörterung der Versorgungssituation Beteiligten sei die unstrittige Tatsache, dass sich nach der Umstellung auf die IP-Technologie die Beschwerden über eine Verschlechterung der Telefon- und Datenverbindungen häuften. Nun gelte es, die Situation Fall für Fall zu klären,. Der zugehörige Vier-Punkte-Plan umfasst Langzeit-Prüfungen der betroffenen Festnetzanschlüsse der Telekom, individuelle Beratung von Geschäftskunden, Unterstützung für die Telekom beim Aufbau eines Mobilfunkstandortes sowie gemeinsame Anstrengungen für eine baldige Verbesserung im Rahmen des laufenden regionalen Glasfaserausbaus.

Die Telekom hat dabei zugesichert, jeden ihr benannten Anschluss zu überprüfen, bei dem der Notruf nicht funktioniere. Allerdings könne dies nur bei den eigenen Kunden geschehen, sagte Frank Bothe, der Leiter der Telekom-Technik Südwest: „Sollten wir Störungen der Leitungen feststellen, werden wir das umgehend beheben. Jedem Haushalt stellen wir mindestens einen funktionierenden Festnetzanschluss zur Verfügung.“ Die analogen Festnetzleitungen müssten funktionieren, betonte auch Landrat Richard Sigel, der von Betroffenen im Sandland um Hilfe gebeten worden war „Das ist als erster Schritt ein absolutes Muss. In Notsituationen muss auch im Sandland die telefonische Erreichbarkeit gesichert sein.“

Markterkundung in Sachen Breitband startet

Die Telekom bekräftigte ihren Willen zum Ausbau ihrer Netze in dem Gebiet. Und Landrat Sigel kündigte für die kommende Woche den Start eines Markterkundungsverfahrens an, mit dem Bereiche mit ungenügender Bandbreite – sogenannte weiße Flecke – erfasst werden. Er mahnte aber auch etwas Geduld an: „Wir sind ehrlich, das braucht Zeit. Aber das Sandland und der ländliche Raum haben auf unserer Ausbauliste hohe Priorität.“

Beim Mobilfunk will die Telekom eigene Mittel investieren, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Um mehrere Teilorte mit LTE versorgen zu können, sei aber ein 40 Meter hoher Mobilfunkmast nötig. Dafür habe man inzwischen auf Alfdorfer Gebiet einen vermietbereiten Grundstückseigentümer gefunden, so der Telekom-Konzernbevollmächtigte Jürgen Lück. Der Schulverband der Grundschule Hellershof hatte zuvor einen ebenfalls geeigneten Standort auf dem dortigen Schulgelände abgelehnt.

Die Größe eines solchen Masten dürfe kein Ausschlusskriterium sein, hieß es nun am Runden Tisch, denn man wolle und brauche den Mobilfunk. Klaus Hinderer, der stellvertretende Alfdorfer Bürgermeister, setzt da auf Aufklärung: „Wir werden alsbald eine Informationsveranstaltung für die Bürger anbieten.“




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