Furcht vor dem Chaos auf den Fildern Zwischen Fatalismus und Pragmatismus

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Die angekündigte Sperrung der S 2 auf den Fildern schreckt auch den Esslinger Kreistag auf. Ein an die Bahn übermittelter Forderungskatalog soll das Schlimmste abwenden.

Am Busbahnhof in Filderstadt-Bernhausen steigen täglich 13 000 Fahrgäste auf Busse und Bahnen um. Foto: Horst Rudel
Am Busbahnhof in Filderstadt-Bernhausen steigen täglich 13 000 Fahrgäste auf Busse und Bahnen um. Foto: Horst Rudel

Esslingen/Filderstadt - Mit einem neun Punkte umfassenden Forderungskatalog will der Landkreis Esslingen die Auswirkungen der geplanten S-Bahn-Schließung auf den Fildern in Grenzen halten. Im Kern fordert das vom Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags ohne Gegenstimmen verabschiedete Papier von der zuständigen Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm, dass die während des S-Bahn-Stillstands auf der Linie 2 ersatzweise eingesetzten Busse „fahrgastfreundlich, in ausreichender Kapazität und mit verlässlichen Fahrzeiten“ unterwegs sein müssten.

Die wegen der Bauarbeiten im Flughafentunnel nach Einschätzung der Bahn alternativlose Schließung der Strecke zwischen Stuttgart, dem Flughafen und Filderstadt-Bernhausen rückt näher – und damit das von vielen befürchtete Verkehrschaos auf den Fildern. Mit seinem Vorstoß ist der Landkreis Esslingen angetreten, eine Schieflage in der öffentlichen Diskussion zurechtzurücken.

Wichtige Verkehrsdrehscheibe

Der Einschätzung des Esslinger Landrats Heinz Eininger (CDU) zufolge geht es bei diesem Thema um mehr als nur die Frage, wie die Stuttgarter Reisenden bequem zum Flughafen kommen. „Am S-Bahnhof in Filderstadt-Bernhausen laufen 14 Buslinien und die S 2 mit insgesamt rund 13 000 Fahrgästen täglich auf. Das ist eine Verkehrsdrehscheibe, die den gesamten südlichen Bereich des Filderraums bis hinunter nach Nürtingen, Aichtal und das obere Neckartal bedient“, erklärte der Kreischef.

Eingedenk dessen haben die Mitglieder der Ratsrunde, den angekündigten mindestens einjährigen Stillstand der Bahn vor Augen, in ihrer jüngsten Sitzung verbal noch einmal auf die Tube gedrückt. „Sie jagen den Dolch in das Herz der wirtschaftlichen Prosperität des Landkreises Esslingen“, holte der SPD-Ausschusssprecher Ulrich Bartels (SPD) zum ganz großen Wurf aus. Die Entgegnung von Heinz Eininger (CDU) fiel trotz des zuvor formulierten Ärgers bodenständiger aus. „Wasser, das vorbeigeflossen ist, treibt die Mühle nicht“, sagte der Kreischef und mahnte zur Versachlichung. Zwischen den beiden Polen – fatalistische Schwarzmalerei auf der einen und administrativer Pragmatik auf der anderen Seite – hat sich die Ratsrunde auf den von der Verwaltung vorgelegten Forderungskatalog verständigt.

Ersatzverkehr darf nichts kosten

Neun Punkte hält der Kreis Esslingen für unabdingbar, um ein Chaos zu vermeiden. So soll der Schienenersatzverkehr so dimensioniert sein, dass es zu keiner Verlagerung auf die regulären Busverkehre kommt. Schon jetzt schließt der Kreis in seiner Funktion als Verkehrsträger aus, dass er selbst die Busfahrpläne auf den Fildern an die neue Situation anpasst. Auch legt man Wert auf die Feststellung, dass der Zusatzaufwand „ein integraler Bestandteil des Projekts“ sei und deshalb auch vom Projektträger zu finanzieren sei.

Zuvor hatte Matthias Breidenstein, der technische Leiter des Bauabschnitts am Flughafen, erklärt, dass die Schließung unter den gegebenen Umständen die beste Lösung sei. Andernfalls hätte die S-Bahn im laufenden Betrieb rund 500 Sperrpausen einlegen müssen, mit allen damit einher gehenden Unwägbarkeiten. Mit Verweis auf ein Gutachten des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart sagte Breidenstein: „Der Schienenersatzverkehr ist machbar, auch zu Spitzenzeiten wie der Messe und den Hauptreisetagen am Flughafen.“




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