Welche Auswirkungen könnten auf Privatkunden zukommen?
Verbraucher spielen in den Überlegungen „keine Rolle“, sagt der Stuttgarter Wirtschaftsprofessor Hans-Peter Burghof. Im Ergebnis könnte ein Zusammengehen für die Kunden Nachteile haben. Heute gebe es in Deutschland gute Bankdienstleistungen zu im internationalen Vergleich günstigen Preisen. Wenn ein Wettbewerber wegfalle, könnten Bankgeschäfte teurer werden. Allerdings sei der Konkurrenzkampf in Deutschland weiterhin sehr hart. Filialen dürften weiter abgebaut werden.
Welche Veränderungen kämen auf Firmenkunden zu?
Große mittelständische Unternehmen arbeiten mit einer Vielzahl von Banken zusammen. Wenn Deutsche Bank und Commerzbank zusammengehen, werden Unternehmen, die mit beiden arbeiten, nicht ebenso viel Geschäft mit dem neuen Institut machen, sondern weniger, „um nicht in Abhängigkeit zu geraten“, darauf weist Wirtschaftsprofessor Burghof hin. Eine Fusion wäre vielmehr „eine Einladung für neue Wettbewerber wie zum Beispiel ausländische Banken“, mehr Geschäft mit deutschen Unternehmen zu tätigen. Burghof warnt: „Gerät ein Unternehmen in eine kritische Phase, sind ausländische Banken oft die ersten, die ihr Kapital nach Hause holen.“
Entsteht eine globale Großbank durch den Zusammenschluss?
Durch die Fusion entstünde die größte deutsche Privatbank. Trotz neuer europäischer Regeln im Zuge der Finanzkrise wäre diese Bank „systemrelevant und müsste im Krisenfall vom Steuerzahler gerettet werden“, ist Klaus Nieding, Vizepräsident des Anlegerschutzvereins DSW, überzeugt. Die Frage sei, sagt Danyal Bayaz, Finanzpolitiker und Bundestagsabgeordneter der Grünen, ob der Bund als Anteilseigner der Commerzbank auch am neuen Institut beteiligt bliebe und falls ja, in welcher Höhe. Bei einer Beteiligung an einer größeren Bank könnte das Risiko der Haftung steigen. International gesehen, so Nieding, wäre die neue Großbank immer noch kein Champion, „sie käme nicht unter die zehn größten Banken weltweit“. Für den Anlegerschützer ist das ein Argument gegen die Fusionspläne. Die größte Herausforderung für Banken bemisst sich nicht in der Frage des nationalen Champions, sagt Bayaz. Die größte Bedrohung seien Unternehmen wie Apple, die mit neuen Bezahlangeboten wie Apple Pay die hiesigen Banken angreifen. Das Management der neuen Großbank sei bei einer Fusion über Jahre hinaus mit internen Dingen wie Sozialplänen und der Integration beider Häuser lahmgelegt.
Wie würde eine Fusion den deutschen Bankenmarkt verändern?
Entscheidend sei, so Ökonom Burghof, dass sich mit der Fusion nichts an den Rahmenbedingungen in Deutschland ändern werde. „Wir haben in Deutschland mit Sparkassen und Volksbanken einen System, das den Wettbewerb bis ins letzte Dorf trägt.“ Das sei für die Kunden gut, habe allerdings zur Folge, dass die Bankengewinne im internationalen Vergleich relativ niedrig seien. Dadurch würden die Deutsche Bank etwa Strafzahlungen wie sie auch amerikanische Institute erhalten, viel härter treffen. Nach Einschätzung von Burghof hoffen amerikanische Finanzinvestoren wie Cerberus, dass es jetzt bei der Konsolidierung am deutschen Bankenmarkt zu einem entscheidenden Schritt kommt. „Dann könnten sie endlich anfangen, Geld zu verdienen“ mit ihren vielen Beteiligungen an deutschen Finanzinstituten, so der Ökonom. Cerberus ist unter anderem mit gut fünf Prozent an der Commerzbank und mit drei Prozent an der Deutschen Bank beteiligt.
Welche Konsequenzen hätte eine Fusion für die Beschäftigten?
Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine „intensive und möglicherweise hochkontroverse Diskussion in beiden Banken“, sagte er unserer Zeitung. „Dass wir da gefordert sind, ist sonnenklar.“ Bsirske, der auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank angehört, lehnt die Fusionspläne strikt ab: „Deutsche Bank und Commerzbank ergänzen sich nicht sinnvoll“, sagte er. „Viel sinnvoller wäre ein Cross-over in internationaler Richtung.“ Verdi zufolge würde es vor allem im Bereich des Privat- und Firmenkundengeschäfts zu erheblichen Überschneidungen von Stärken statt zu gegenseitigen Ergänzungen kommen. Zudem würde aus Sicht von Bsirske mit dieser Fusion ein drastischer Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen. „Da würden 20 000 Arbeitsplätze und mehr im Feuer stehen“, betonte der Gewerkschaftsvorsitzende. Anlegerschützer Nieding spricht gar von bis zu 50 000 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.
Wie groß sind die Chancen, dass es tatsächlich zu einer Fusion kommt?
Der politische Druck ist gewaltig, sagt Burghof. Im Moment überzeuge dieses Fusionsprojekt jedoch nicht. „Ob es dazu kommt, steht auf der Kippe“, sagt der Ökonom. Anlegerschützer Nieding geht sogar davon aus, dass diese Fusion „zu 90 Prozent nicht kommt“.
Wie reagieren Anleger auf die Pläne?
Die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank beflügelten am Montag die Fantasie von Börsianern. Auch wenn ein Zusammenschluss in den Sternen steht, legten die Aktienkurse der Großbanken kräftig zu. Die Deutsche-Bank-Aktien verteuerten sich um rund vier Prozent, die der Commerzbank gar um rund sechs Prozent.