Er ist amtierender Bezirksliga-Vizemeister und Bezirkspokal-Sieger, er war zu Beginn der Fußballsaison einer der am höchsten gehandelten Aufstiegsanwärter in dieser Spielklasse – und nun ist offen, was der SC Stammheim in Zukunft sein wird. Genau gesagt: wer für den Sportclub auflaufen wird. Denn die erste Mannschaft der Nord-Stuttgarter steht vor einem gewaltigen Umbruch. Wie berichtet werden allein acht Stammspieler in den Nachbarbezirk zum TSV Münchingen wechseln. Rainer Schwalb, zurzeit noch Sportlicher Leiter im Emerholz, spricht über die Gründe, weshalb sich die Situation so zugespitzt hat.
Herr Schwalb, woran liegt es, dass sich praktisch der komplette Stamm der ersten Mannschaft des SC Stammheim verabschieden wird?
Die persönlichen Gründe eines jeden einzelnen Spielers kenne ich nicht. Aber die Wechsel einiger wichtiger Spieler hängen sicherlich damit zusammen, dass die Spieler mit der angedachten Ausrichtung der Fußballabteilung beziehungsweise des Aktivenbereichs für die neue Saison nicht zufrieden waren. Die Spieler, deren Wechsel jetzt publik wurde, verstehen sich auch privat sehr gut und haben das Ziel, auch weiterhin zusammen kicken zu können.
Sie selbst hören ja nach der Saison auch als Sportlicher Leiter auf.
Ja, das hatte ich dem Vorstand bereits zu Saisonbeginn angekündigt, nachdem ich in den vergangenen Jahren vergeblich versucht hatte, die Führung im Aktivenbereich auf eine breitere Basis zu stellen. Man findet im Verein kaum noch jemanden, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Und wenn man sich um einen Großteil der Themen dann selbst kümmern muss, frisst das immens viel Zeit, mach nur eingeschränkt Spaß und wirkt sich auf die Dauer negativ auf Privatleben und Gesundheit aus. Nach mehr als zehn Jahren Tätigkeit im Aktivenbereich habe ich dann die Reißleine gezogen und kundgetan, dass ich die Planungen für die neue Saison nicht mehr verantwortlich übernehmen werde. Unabhängig davon hat mich die Ankündigung der Spieler bezüglich des Wechsels natürlich schwer getroffen, weil man in den letzten Jahren vieles gemeinsam aufgebaut hat. Ein letzter Rettungsversuch der Situation ist dann aber leider nicht mehr geglückt, mache Entwicklungen verselbstständigen sich leider und lassen sich dann nur schwer aufhalten.
Erst recht, wenn dann solche Komponenten wie eine wiederholte Trainersuche, etliche Ausfälle wegen Verletzungen und ein deshalb völlig missratener Saisonstart dazu kommen. . .
Sicher verlief die aktuelle Saison nicht wunschgemäß, nach einem tollen Start im WFV-Pokal hat uns eine Serie schwerer Verletzungen wichtiger Spieler massiv getroffen. Aber das gehört zum Fußball, damit kann man leben. Auf die vielen Trainerwechsel hätte ich gerne verzichtet, wir stehen seit vielen Jahren für Kontinuität und ein gutes Miteinander. Das war auch weiter so vorgesehen, bekanntermaßen hat sich aber in der Vorsaison der damalige Trainer (Anmerkung der Redaktion: Andreas Eschenbach, nach internen Streitigkeiten) kurzfristig verabschiedet, nachdem man bereits eine Vereinbarung fürs neue Jahr getroffen hatte und der Trainerfindungsprozess für uns eigentlich abgeschlossen war. Am Ende stehen die aktuellen Entwicklungen vermutlich auch irgendwo im Zusammenhang mit diesem Thema.
Zuletzt hat sich der SC Stammheim ja wieder stabilisiert.
Wir haben nach wie vor unsere Saisonziele im Blick: erstens die Qualifikation für die Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Zweitens stehen wir im Bezirkspokal-Finale und ich bin davon überzeugt, dass wir da einen heißen Fight liefern werden, um unseren Titel zu verteidigen.
Werden Sie in der kommenden Saison auch ohne Funktion im Verein weiter beim SC Stammheim bleiben?
Auch ohne Funktion werde ich dem SC Stammheim natürlich weiter verbunden sein und die weitere Entwicklung mit Interesse verfolgen. Wie es mit dem SC in der neuen Saison personell weitergehen wird, weiß ich jedoch nicht. Ich bin da nicht mehr in die Planungen eingebunden. Auf jeden Fall wünsche ich den Verantwortlichen ein glückliches Händchen und dem Verein alles Gute für die Zukunft.