Fußball-Bezirksliga Stuttgart Zwei neue Trainer und ein Ex-Erstligaprofi für den Sturm
Teil eins unserer Rückrunden-Vorschau. Heute: TSV Rohr, TSV Münster, SG Untertürkheim, Türkspor Stuttgart und SGM ABV/TSV 07 Stuttgart.
Teil eins unserer Rückrunden-Vorschau. Heute: TSV Rohr, TSV Münster, SG Untertürkheim, Türkspor Stuttgart und SGM ABV/TSV 07 Stuttgart.
Sechzehn Wochen! Es ist die längste Winterpause, die es in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga je gegeben hat. Nun, vom nächsten Sonntag an, geht es mit dem Rückrunden-Start endlich wieder um Punkte. Anlass für uns, die Situation bei den 14 Mannschaften der Staffel zu beleuchten. Im ersten Teil blicken wir auf die fünf Teams im Tabellenkeller, die alle ein Ziel eint. Es lautet: Nichtabstieg, Qualifikation für die künftige neue Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Zwei der Anwärter versuchen es dabei mit neuen Trainern – und einer mit einem Ex-Erstligaprofi als Verstärkung für den Angriff.
Für dicke Luft ist schon jetzt gesorgt. Die Leistung bei der 1:6-Schlappe vor einer Woche im Nachholspiel in Stammheim hat bei Holger Schroeder die Alarmglocken schrillen lassen. „Wer es hiernach noch nicht begriffen hat, welche Attribute gefordert sind, dem kann ich auch nicht mehr helfen“, sagt der Rohrer Fußballchef. Sein eindringlicher Appell an die gesamte Mannschaft: „Bitte aufwachen!“ Andernfalls, so seine Befürchtung, könnte es im Kampf um die weitere Liga-Teilnahme eine böse Überraschung geben. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison hat Schroeder festgestellt, dass „manch einer bei uns mit der nötigen Grundeinstellung seine Probleme hat“. Da werde halt ein bisschen gekickt statt mit den viel zitierten hochgekrempelten Ärmeln gebissen, gekratzt und gekämpft.
Insofern steht auch der Auftrag ans Trainerteam mit dem Chefcoach Fabio Lapeschi, das vor dem Rückrundenstart-Schlüsselspiel beim Tabellenletzten ABV/TSV 07 Stuttgart einen weitgehend unveränderten Kader zur Verfügung hat. In Sandro Deffner (34, Mittelfeld, Spvgg Möhringen) und Ruslans Purins (25, Abwehr, SV Hoffeld/zuvor Landesliga in Plattenhardt) kamen zwei gestandene Spieler hinzu. Zugleich verlief jedoch die Suche nach einer Verstärkung für die schwächelnde Offensive im Sand. Die Kreisliga-B-Topscorer und Ex-Rohrer Zakaria und Moussa Hussein (bisher 1. SV Fasanenhof) bevorzugten einen Wechsel zum A-Kreisligisten SV HNK Slaven Stuttgart. „Bei uns geht halt nichts mit Geld“, merkt Schroeder achselzuckend an.
Zwei andere, die weiterhelfen würden, sind derweil unverändert raus. Für Jannik Maus droht die Saison mit einer Schambeinentzündung bereits beendet zu sein. Und der Ex-Kapitän Kai Hauner nimmt sich als inzwischen zweifacher Familienvater eine fußballerische Auszeit.
Zugänge: Sandro Deffner (Mittelfeld, Spvgg Möhringen), Ruslans Purins (Abwehr, SV Hoffeld), Christian Onuchukwu (Tor, SG Untertürkheim).
Abgänge: Ömür Karatas (SV Hoffeld).
Mit dem Namen wird es etwas kompliziert: Awoundza Etogo Essama. Aber wichtiger als diesen fehlerfrei zu buchstabieren ist dann ja auch anderes. Und das hat der Trainer Stefan Schon gleich in den ersten fünf Minuten seines Trainingsgasts erkannt: „Der Junge kann kicken.“ Alles andere wäre freilich auch komisch bei dieser Vita. Jene weist Erstliga-Profistationen in Ungarn und Albanien aus, darunter Qualifikationsspiel-Einsätze in der Europa League. Und zuletzt, vor einer gut dreijährigen Pause, war der Neue immerhin in der vierthöchsten italienischen Spielklasse am Ball.
Warum nun Stuttgart? Essama zog es zu seiner dort lebenden Familie. Da er obendrein nach wie vor Spaß am Fußball hat, schaute der mittlerweile 35-Jährige einfach mal beim Verein vor seiner neuen Haustür vorbei. So kommt es, dass der gebürtige Kameruner seit Kurzem für den TSV Münster stürmt – und dass der Aufsteiger im Kampf um den Klassenverbleib unverhofft über einen zusätzlichen Mutmacher verfügt. Eben im Angriff, Essamas Stammbereich, befand sich die größte Baustelle. „In der Hinrunde haben wir oft nicht schlecht gespielt, waren vorne dann aber so harmlos wie eine kleine Maus“, sagt Schuon. Entsprechend war klar, wo es über die Jahreswende nachzubessern galt. Dies hat der Tabellenelfte schließlich nicht nur mit seinem zugelaufenen Zufallscoup aus Italien getan. In Kevin Gullmann (bisher Spvgg Cannstatt) und dem Oldie Carmine Pescione (39, bisher SSV Zuffenhausen, früher Landesliga in Weilimdorf) sind noch zwei weitere Spieler mit bereits bewiesenem Torriecher neu dabei.
Hinzugerechnet den von einer langwierigen Knieverletzung genesenen Abwehrrecken Marco Kreidl, sieht Schuon sein Team für die Rückrunde gut aufgestellt. „Dass es für uns eine schwere Saison wird, wussten wir von vornherein“, sagt er. Was dagegen keiner wissen konnte: dass nun ein ehemaliger Profi womöglich entscheidende Münsterer Tore beisteuern wird.
Zugänge: Awoundza Etogo Essama (Angriff, pausierte/zuletzt SSD Spoleto Calcio, Italien), Carmine Pescione (Angriff, SSV Zuffenhausen), Kevin Gullmann (Angriff, pausierte/zuletzt Spvgg Cannstatt), Felix Schadenberger (Abwehr, SV Rot), Samuel Kassaye (Tor, VfB Neckarrems).
Abgänge: Rene Weinhardt (halbjährige Weltreise), Marvin Pohl (Fußballpause).
Zwölf Jahre lang war er bei der SG Untertürkheim bereits in Amt und Würden. Jugendtrainer, Jugendleiter, Spielleiter, Co-Trainer der Aktiven. Nun, nach einer zweijährigen Pause, kommt für Alexander Erne am Bruckwiesenweg noch eine weiterer Job hinzu – dies wohl der bislang schwerste. Als neuer Chefcoach soll er die Untertürkheimer Männer vor dem Abstieg retten. „Ich bin froh, in meiner fußballerischen Heimat zurück zu sein“, sagt der 51-Jährige, steht aber vor der Mammutaufgabe, ein Team auf Kurs zu bringen, an dem mitsamt der gegebenen Umstände schon mehrere seiner Vorgänger verzweifelten.
Immerhin, ein Problem scheint fürs Erste ausgeräumt zu sein. Seinen Kader, in dem während der Hinrunde personeller Dauernotstand herrschte, hat der Verein quantitativ aufgestockt. Fünf Spieler kamen in der Winterpause neu hinzu, darunter ein zurückgekehrtes Youngster-Quartett, das vormals schon in der Untertürkheimer Jugend kickte (Gabriel Osei, Deniz Bas, Youssef Khamassi, Ali Delgir). Außerdem sind in Robin Wittmann, Omar Hafez Mohamed Aboulazm und Salaheldeen Altobgy drei Langzeitverletzte wieder fit.
Was abzuwarten bleibt, ist, ob es auch qualitativ reicht. Ansetzen will Erne den Hebel vor allem in der Defensive. Im Starterfeld haben die Seinen bislang die mit Abstand meisten Gegentore kassiert. Gar noch mehr wären es in der Statistik, hätte es nicht ein unerwartetes Geschenk gegeben. Die Punkte aus der Stammheim-Partie (eigentlich 0:4) erhielten die Neckarstädter wie berichtet nachträglich am grünen Tisch, nachdem dem Gegner ein Aufstellungsfehler unterlaufen war. So gehen sie nun als Zwölfter und nicht Letzter in die Rückserie.
Trainer: Alexander Erne (pausierte/zuvor Co-Trainer SG Untertürkheim) für das Interimsgespann Uwe Wittmann/Marc Rottmeir.
Zugänge: Andreas Kourou (Abwehr, SV Fellbach II), Gabriel Osei (Mittelfeld, Junioren SV Fellbach), Deniz Bas (Mittelfeld, TSV Grünbühl), Youssef Khamassi (Angriff, SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart), Ali Delgir (Mittelfeld, Junioren SGV Freiberg).
Abgänge: Christian Onuchukwu (TSV Rohr).
Manch einer mag ja bereits Wetten abgeschlossen haben. Fallen sie um? Nun, mit dem drohenden Abstieg vor Augen, Kommando zurück? Blasen die Türkspor-Verantwortlichen, ganz getreu alter Muster, doch wieder zur Offensive auf dem Spielermarkt? Die Antwort lautet kurz und knapp: nein. Der vormalige Klassenkrösus hält an seiner zum Saisonbeginn vollzogenen 180-Grad-Kehrtwende fest. Neues Konzept, neuer Weg. Statt zahlreicher teurer „Altstars“ darf sich auf dem Rasen ein Greenhorn-Team versuchen. „40- oder 50 000 Euro ausgeben, und am Ende hat man nix davon – das wollen wir nicht mehr“, betont der Abteilungsleiter Tarkan Bucak. Selbst auf die Gefahr hin, dass es somit zum sportlichen Absturz kommt. Wäre jetzt Schluss, müsste der Dritte des vergangenen Spieljahrs hinab in die Kreisliga A. In der Hinrunde hat das eigene Aufgebot reichlich Lehrgeld bezahlt. Und dass es weiterhin viel Arbeit gibt, hat sich auch in der jetzigen Vorbereitungsphase wieder gezeigt. Deren Tiefpunkt: eine 1:11-Pleite im Testspiel gegen die A-Junioren des SV Vaihingen Allianz.
Ein Hoffnungsträger ist nun Bucaks Sohn. Jener, der Abwehrchef und Ex-Oberliga-Kicker Denis Skarlatidis, steht nach einer Knieoperation vor der Rückkehr ins Aufgebot. Von außerhalb kamen lediglich fünf Spieler aus unteren Klassen hinzu – und ein neuer sportlicher Leiter. Dessen Name: Adnan Tasseven (zuvor FV Sönmezspor Bietigheim).
Zugänge: Abduljabbar Ibrahim Qasim (Angriff, TB Untertürkheim), Fabio Walz (Angriff, Calcio Leinfelden-Echterdingen II), Mansoor Stanikzal (Mittelfeld, KTSV Hößlinswart), Nico Altrieth (Mittelfeld, SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See), Noah Ghebrezghi (Abwehr, SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See).
Abgänge: Taner Yildirim (FC Hohenacker), Fatih Tastan, Fatih Baltaci (beide ASV Botnang), Ercan Sarikaya (Anagennisis Schorndorf).
So kann man sich täuschen. Die Sommer-Saisonvorschau zu den Degerlochern hatte unsere Zeitung noch so überschrieben: „Vier Hochkaräter-Zugänge: der Außenseiter startet mit mutigen Plänen.“ Nun, ein gutes halbes Jahr später, hat den Vorjahressiebten die harte Realität eingeholt. Jene besagt: Abstiegskampf. Nach nur einem Sieg aus 13 Hinrunden-Spielen geht die Mannschaft als Tabellenletzter in die Rückserie. Das bisherige Hauptproblem: zu viele Verletzte, zu viele sonstige Verhinderte, zu wenig personelle Konstanz.
Jene soll nun unter einem neuen Trainer wieder einkehren: Milos Pojic (bisher OFK Beograd Stuttgart) hat den beruflich bedingt kürzer tretenden Maximilian Uhlenberg beerbt – und bringt reichlich Expertise mit. Der 51-Jährige ist Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz. Selbst spielte er einst in der ersten Liga seiner Heimat Bosnien-Herzegowina. Im Kader ging zwar der Angreifer Valentin Loparco verloren (zum MTV Stuttgart). Dafür sind drei andere eigentliche Leistungsträger als Wiedereinsteiger dabei, allen voran der Torjäger Blessing Omoregie nach seiner Meniskusoperation, außerdem der Abwehrroutinier Achim Rosch (nach Auslandsaufenthalt) und Robin Köberle (nach Elternpause).
Trainer: Milos Pojic (OFK Beograd Stuttgart) für Maximilian Uhlenberg (nur noch Abteilungsleiter).
Zugänge: Robin Köberle (Angriff, zurück nach Auslandsaufenthalt), Achim Rosch (Abwehr, Wiedereinstieg nach Fußballpause), Marvin Egunjobi (Abwehr, TSV Westhausen), Luca Roth (Mittelfeld, pausierte/zuletzt SG Aalbachtal), Christoph Marzell (Abwehr, FV 09 Nürtingen).
Abgänge: Valentin Loparco (MTV Stuttgart).
Abstiegsregelung
Drei bis maximal fünf Mannschaften müssen in die Kreisliga A absteigen – abhängig vom Abschneiden des TSV Weilimdorf und MTV Stuttgart in der Landesliga. Nur drei, wenn beide Stuttgarter Vertreter dort den Klassenverbleib schaffen. Vier, wenn einer der beiden absteigt – was nach jetzigem Stand durch den MTV Stuttgart der Fall wäre. Fünf, wenn beide erwähnten Teams eine Etage höher am Ende Abstiegsplätze belegen würden. Letzteres ist in Anbetracht des jüngsten Weilimdorfer Erfolgslaufs aber höchst unwahrscheinlich.
Neue Bezirksliga
Mit dieser Saison ist für die Bezirksliga Stuttgart nach 46 Jahren Schluss – aus ihr wird fortan die Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Dies ist ein Ergebnis der Gebiets- und Strukturreform des Verbands, mit welcher sich die Zahl der württembergischen Fußballbezirke von bisher 16 auf zwölf reduziert. Nach jetzigem Stand würde die neue Staffel aus 19 Mannschaften bestehen. Fix ist, dass sich zwölf Stuttgarter Teams qualifizieren. Aktuell wären dies: jene auf den Tabellenplätzen zwei bis zehn (siehe links), dazu der MTV Stuttgart als Landesliga-Absteiger sowie Croatia Stuttgart und der FSV Waldebene Ost als Kreisliga-A-Aufsteiger. Aus dem Kreis Böblingen wären dabei: Spvgg Holzgerlingen, SV Deckenpfronn, Türkischer SV Herrenberg, VfL Herrenberg, VfL Oberjettingen, FC Gärtringen und SV Oberjesingen.