Fußball Bezirksliga TSV Münchingen Thomas Tuchel und Ahmet Yenisen – zwei Trainer auf Abruf

Nur noch bis Sommer beim TSV Münchingen: Ahmet Yenisen ärgert sich über die schroffe Umgangsweise. Foto: Andreas Gorr

Eines verbindet Trainer Thomas Tuchel vom FC Bayern und Ahmet Yenisen vom TSV Münchingen: Beide Fußball-Trainer müssen nach der Saison gehen. Der Coach des Bezirksligisten ist deswegen mächtig enttäuscht.

Von langer Hand geplante Trainerwechsel sind eine knifflige Sache. Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, den passenden Zeitpunkt zu finden. Die sportliche Leitung eines Vereins ist dabei häufig in der Zwickmühle: Teilt sie es dem Trainer zu spät mit, hat dieser oft keine Möglichkeit mehr, sich nach einem neuen Posten umzusehen. Macht sie dies frühzeitig, besteht die Gefahr, dass der Trainer in seiner Autorität und Handlungsfähigkeit eingeschränkt wird, weil sich Spieler ihm gegenüber nicht mehr beweisen müssen.

 

In Sport, Politik und Wirtschaft werden solche Personen häufig mit dem Etikett „lame duck“ (lahme Ente) versehen. Für diese Möglichkeit hat sich Martin Scholz, der neue Sportliche Leiter und Abteilungsleiter des TSV Münchingen, entschieden – ähnlich wie der Fußball-Branchenführer FC Bayern München, der an diesem Mittwoch die Trennung von Thomas Tuchel zum Saisonende bekannt gab. Die Bundesliga und die Bezirksliga spielen manchmal mit den gleichen Instrumenten und dasselbe Musikstück.

Zu Beginn der Vorbereitung im Januar teilte er Coach Ahmet Yenisen und Co-Trainer Heiko Wieland mit, dass der Verein nach der Saison nicht mehr mit ihnen plane. Einen neuen Trainer hat er bereits in der Hinterhand, er soll das Team nächste Saison übernehmen. Wo die stattfindet, ist unklar – der TSV kämpft in der Bezirksliga gegen den Abstieg. Es verwundert nicht, dass Yenisen über diese Entscheidung „extrem enttäuscht“ ist. Der Coach betreut die Münchinger in seiner achten Saison, es ist genau die Hälfte seiner 16 Jahre andauernden Trainerkarriere. Dafür zollt Martin Scholz dem Coach hohen Respekt. „Auch im Amateurbereich sind acht Jahre bei ein und demselben Verein eine lange Zeit, die nicht viele Trainer erreichen“, erklärt er und weist darauf hin, dass man Yenisen in guten wie in schlechten Zeiten stets den Rücken gestärkt und ihm alle Freiheiten eingeräumt habe.

Abteilungsleiter weist Schuld für Krise von sich

Derzeit befinde sich die Mannschaft allerdings in einem Umstrukturierungsprozess, was sich am Abgang von zehn Spielern vor dieser Saison zeige. Es sei allen Beteiligten klar gewesen, dass die Vorrunde nicht einfach werden würde. Dass nach 13 Spielen aber lediglich sieben Punkte zu Buche gestanden hätten, sei eine Enttäuschung gewesen. „An uns ist viel Kritik von außen herangetragen worden, und wir haben das Trainer-Duo stets dagegen verteidigt“, betont Scholz. Dass die Mannschaft nach den Abgängen nicht adäquat verstärkt worden sei, habe nicht er, sondern noch sein Amtsvorgänger Marco Santelli so entschieden.

Der Abteilungsleiter sieht in der frühzeitigen Ankündigung des Trainerwechsels das richtige Signal und die faire Chance für Yenisen und Wieland, sich mit dem Klassenerhalt als großem Erfolg für neue Trainerposten zu bewerben. Solch einen Gedanken kann Yenisen aber nicht nachvollziehen: „Ich brauche keine weiteren Referenzen, dass ich als Trainer Abstiegskampf kann. Schon als das Gerücht über meinen Abgang die Runde machte, habe ich mehrere Anrufe von anderen Vereinen erhalten“, erklärt er.

Yenisen hätte sich mehr Fairness gewünscht

Er moniert vor allem den Umgang bei seinem Abgang. „Ich hätte mir nach so langer Zeit im Verein gewünscht, dass man zunächst die Vorrunde gemeinsam analysiert und mich nicht gleich am ersten Trainingstag vor vollendete Tatsachen stellt“, sagt der Coach. Er vermutet, dass die Entscheidung gegen ihn vor längerer Zeit getroffen wurde. Und das enttäusche ihn, da er in den acht Jahren viel Herzblut in den Verein investiert habe und vor der Saison zumindest auf der Position des Trainers für Konstanz gesorgt habe, nachdem viele Spieler und der Sportliche Leiter Marco Santelli gegangen seien.

Trotz aller unterschiedlichen Meinungen kann Ahmet Yenisen der sportlichen Leitung aber eines versprechen: „Ich habe noch nie vorzeitig das Handtuch geworfen und werde zusammen mit Heiko Wieland auch für den TSV Münchingen bis zum letzten Tag für den Klassenverbleib arbeiten“, stellt er klar.

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