Fußball-EM 2024 Ganz Stuttgart soll zum Stadion werden

Die Werbekampagne für die EM in Stuttgart ist in vollem Gange. Foto: IMAGO//Arnulf Hettrich

Die Marketingmaschinerie läuft bereits: Die Fußball-EM soll genutzt werden, um Menschen auf der ganzen Welt für Stuttgart zu begeistern. Dafür wird die komplette Innenstadt 31 Tage lang zur Fan-Zone.

In knapp 100 Tagen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Fünf Milliarden Zuschauer werden an den Fernsehgeräten erwartet – alleine 300 Millionen Menschen beim Finale. In den Fanzonen der zehn Austragungsorte rechnet man mit sieben Millionen Besuchern. Fünf der insgesamt 51 EM-Spiele finden in Stuttgart statt. Thomas Pollak von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart geht davon aus, dass sich an jedem der fünf Spieltage zwischen 100 000 und 200 000 Menschen in der Stadt tummeln werden.

 

Und denen wird allerhand geboten, wie in.Stuttgart und Stuttgart-Marketing jetzt bekannt gegeben haben. So sollen die Fan-Zonen nicht nur an den 22 Spieltagen, sondern an allen 31 EM-Tagen mit Programm bespielt werden.

1 Der Schlossplatz wird zur Public-Viewing-Arena

Auf dem Schlossplatz werden die Partien kostenlos auf zwei riesigen Leinwänden (1 x 144 Quadratmeter, 1x 63 Quadratmeter) übertragen. Die Fan-Zone ist täglich ab 12 Uhr geöffnet. 30 000 Menschen finden darin Platz. Angebote wie ein Fußballcourt, Beach Soccer, Tischkicker, Teqball, E-Sports und zahlreiche Sponsoren-Aktivitäten bieten weitere zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu werden. Der Eintritt ist frei.

2 Der Marktplatz wird zur Fan-Zone

Die Fan-Zone auf dem Marktplatz bietet Raum für Aktivitäten für die gesamte Familie. Es wird einen Soccer Court geben ebenso wie weitere sportliche Angebote wie zum Beispiel Yoga, Torwandschießen und Parcours. Zudem findet man auch hier Spielkonsolen für E-Sports, Tischkicker, eine Bolzbox und ein Minimuseum.

3 Der Karlsplatz wird zur Kulturbühne

Auf dem Karlsplatz wird eine Kulturbühne aufgebaut – für Musik, Tanz und Theater. Eine sogenannte Chill Out Area mit gemütlichen Sitzmöglichkeiten lädt zum Verweilen ein. Und wer Lust auf Fußball hat, kann sich auf dem Beach Soccer Feld mit anderen messen.

4 Der Schillerplatz wird zur großen Gaststätte

Zu guter Letzt wird auch der Schillerplatz bespielt. Hier gibt es Vegetarisches, Veganes und typische schwäbische Spezialitäten. Letztere wurden von Stuttgart-Marketing auch ins Englische übersetzt, um den Gästen auf den Speisekarten einen besseren Eindruck von Stuttgart und der Region verschaffen zu können. Beispielsweise ist da von Allgäu Nun´s Puffs (Nonnenfürzle) und Apple fritters (Apfelküchle) zu lesen.

Ein Influencer für die Schotten

Um das alles zu bewerben – auch im Ausland – mussten sich die Veranstaltungsgesellschaft und Stuttgart-Marketing einiges einfallen lassen. Bei Stuttgart-Marketing geht man davon aus, dass alleine 80 000 bis 100 000 Schotten in die Landeshauptstadt kommen, wenn ihre Mannschaft am 23. Juni gegen Ungarn in der MHP-Arena spielt. Und damit die Fans von der Insel noch mehr Lust auf Stuttgart bekommen, läuft die Werbe-Maschinerie schon auf Hochtouren.

Influencer Andrew Henderson soll die Schotten für Stuttgart begeistern. Foto: Stuttgart-Marketing Gmb/H

Der Fußball-Freestyler und Influencer Andrew Henderson ist in Schottland ein Star. Er hat 1,5 Millionen Follower auf Instagram. Und 3,8 Millionen Anhänger auf TikTok. „Wir haben ihn eingekauft“, sagt Andrea Gehrlach von Stuttgart-Marketing. Er werde während der EM seine Eindrücke aus Stuttgart schildern. „Wir werden mit ihm zu verschiedenen Plätzen gehen wie zum Beispiel der Grabkapelle in Untertürkheim und hoffen auf Millionen Klicks.“

Die Stadt will kräftig Eindruck schinden

Die Europameisterschaft sei eine riesige Chance für Stuttgart, sich zu präsentieren. Und zwar nachhaltig. „Unser Ziel ist es nicht, das Stadion vollzumachen oder noch mehr Menschen zum Public Viewing auf den Schlossplatz zu bringen“, sagt der Geschäftsführer von Stuttgart-Marketing, Armin Dellnitz. Das passiere auch so. Vielmehr wolle man es schaffen, dass die Gäste sagen, dass es „super stark“ in Stuttgart war. Und sie während der EM auch ohne Ticket in die Landeshauptstadt kommen beziehungsweise Stuttgart so lieb gewinnen, dass sie immer wieder gerne vorbeischauen. „In den Köpfen der Leute darf die EM am Ende nur in Stuttgart stattgefunden haben“, erklärt Andrea Gehrlach die Ziele. „Alle können sich sicher sein: Wir werden Champions League sein.“

Zahlreiche weitere Aktionen sollen dabei helfen. „Wir haben uns einige Dinge für den Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotellerie überlegt“, sagt Gehrlach. Unter dem Motto „Die ganze Stadt ein Stadion“ gibt es unter anderem einen Digital Concierge, der tagesaktuelle Empfehlungen für Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und das gastronomische Angebot in der Umgebung bereit hält. Zudem kann man einen EM-Newsletter abonnieren, der nach dem Großereignis zum Stuttgart-Newsletter umfunktioniert wird. Es gibt auch einen Flyer „Stuttgart entdecken“ mit Sehenswürdigkeiten, erhältlich in acht Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch als Printform sowie auf Dänisch, Ungarisch und Slowenisch als pdf-Datei.

Vom Bierdeckel bis zum Fußabtreter

Außerdem können jede Menge Merchandise-Artikel bestellt werden. Es gibt Werbebanner mit Sprüchen wie „Schön, dass Du in Stuttgart einläufst“ oder „Hol Dir das Triple: Linsen, Spätzle, Saiten“ oder „Erst anfeuern. Dann abfeiern.“ Auch Thekenaufsteller, Postkarten, Fußabtreter, Bierdeckel oder Snack-Tüten können mit diesen und einigen weiteren Sprüchen bedruckt werden.

Mit Plakaten will die Stadt um die Gunst der Fans werben. Foto: Stuttgart/-Marketing

„Die EM ist eine tolle Chance für Stuttgart – auch wirtschaftlich“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre. „Ich freue mich aber auch auf große Emotionen, wie wir sie schon bei der WM 2006 erleben durften.“

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