Fußball-EM 2024 Stuttgart freut sich auf fröhliche Schotten
Die EM 2024 rückt näher. Nun steht fest, wer nächsten Sommer in Stuttgart spielen muss. Und man darf sagen, die Stadt hatte Losglück.
Die EM 2024 rückt näher. Nun steht fest, wer nächsten Sommer in Stuttgart spielen muss. Und man darf sagen, die Stadt hatte Losglück.
Welcome. Dobrodošli. Velkommen. Üdvözöljük. Bienvenue, welkom. Willkommen. Die Loskugeln sind gefallen. Und in Schottland, Slowenien, Dänemark, Ungarn und Belgien werden die Atlanten gewälzt, wird die Suchanfrage Stuttgart trenden. Diese fünf Mannschaften werden während der Fußball-EM in Stuttgart spielen. Dazu kommt noch ein Team aus dem Quartett Israel, Bosnien-Herzegowina, Ukraine und Island, das im Frühjahr noch einen EM-Teilnehmer ausspielt.
Im Kopf hatte so mancher eine Wunschliste zusammengestellt. Nicht nur die Nationaltrainer, auch die Oberbürgermeister der zehn Spielorte waren am Samstagabend nach Hamburg in die Elbphilharmonie gekommen mit der Hoffnung, dass das Glück ihnen hold sei. Glück, das hieß in diesem Falle nicht machbare Gegner, sondern Mannschaften, die im Sommer viele fröhliche, gerne zahlungskräftige Fans mitbringen. So war unter den 700 Gästen und 200 Journalisten in der Elbphilharmonie in Hamburg neben hochdekorierten Fußballern wie Luis Figo, Brian Laudrup, Gianluigi Buffon, Angelo Charisteas oder Wesley Sneijder auch eine Abordnung aus Stuttgart.
OB Frank Nopper, Botschafter Cacau, Andreas Kroll und Thomas Pollak von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart saßen im Saal als gelost wurde. Daneben spielten einige andere Schwaben eine Hauptrolle. Domenico Tedesco kam als Nationaltrainer Belgiens nach Hamburg, Ralf Rangnick trainiert Österreich. Und Weltmeister Sami Khedira durfte mit einigen anderen ehemaligen Profifußballern aus ganz Europa Loskugeln ziehen. Er und seine Kollegen bescherten Stuttgart die Spiele Slowenien gegen Dänemark (16. Juni), Deutschland gegen Ungarn (19. Juni), Schottland gegen Ungarn (23. Juni). Der Gegner von Belgien am 26. Juni steht nicht fest, der wird im Frühjahr zwischen vier Teams ermittelt: Irland, Bosnien-Herzegowina, Island oder Ukraine. Am 5. Juli ist ein Viertelfinale in Stuttgart. Gewinnt Deutschland seine Gruppe A und das Achtelfinale, spielt die Mannschaft wieder in Stuttgart.
OB Nopper war sehr zufrieden mit den Mannschaften, die das Los Stuttgart bescherte. „Wir haben mit diesen Teams eine gute Kombination aus fußballerischer Qualität und Fußballbegeisterung. Schottland, Dänemark, Belgien und Ungarn – das sind Nationen, die viele Fans mitbringen und großartigen Fußball spielen.“ Nicht zu vergessen die Slowenen, die viele familiäre Wurzeln in der Region haben.
Andrea Gehrlach von Stuttgart Marketing saß während der Auslosung gespannt vor dem Fernseher. Bei den Touristikern hat man sich seit zwei Jahren vorbereitet, erzählt sie. Viele Pläne liegen in den Schubladen. Belgien sei ohnehin ein wichtiger Markt, die Dänen könne man nun überzeugen, dass Stuttgart mehr wert ist als ein Stopp auf dem Weg nach Italien. Eine Schublade mit der Aufschrift Ungarn gebe es allerdings nicht. „Von dort kommen bisher nicht sehr viele Übernachtungsgäste“, sagt sie, „aber wir haben ja die Verbindung mit dem Thema Mineralwasser.“ Slowenen seien ohnehin sportbegeistert und haben viele Bezüge nach Stuttgart. „Und vergessen wir nicht, dass Deutschland hier spielt“, sagt sie, „da wollen wir schon auch im Land selbst punkten.“
Man darf nun fleißig spekulieren. Da Ungarn zweimal in Stuttgart spiele, werde die Mannschaft vielleicht während des gesamten Turniers hier ihr Quartier nehmen. Da Belgien von den beiden Schwaben Tedesco und Andreas Hinkel trainiert wird, bleibe das Team um Superstar Kevin de Bruyne vielleicht ebenso im Waldhotel in Stuttgart oder im Schlosshotel in Ludwigsburg.
Cacau und der deutsche Sportdirektor Rudi Völler fachsimpelten gleich einmal über die Chancen der Deutschen. Und tauschten ihre Erfahrungen über die schottischen Fans aus. „Immer wenn ich gegen schottische Mannschaften gespielt habe, war das eine wunderbare, tolle Atmosphäre“, sagte Völler, „das hat immer Spaß gemacht, ihr dürft Euch freuen.“
Cacau hat mit dem VfB in der Champions League 2009 gegen die Glasgow Rangers gespielt. Und hat die begeisterungsfähigen Fans damals erlebt, die den Schlossplatz bevölkert hatten. Damals waren die Supermärkte in der Innenstadt ausverkauft, in keinem einzigen gab es noch eine Flasche Bier zu kaufen. Und Randale gab es keine. Mögen Schotten auch wegen übertriebenen Geizes ausgewiesene Schwaben sein, beim Feiern sparen sie nicht.
„Stuttgart kann sich freuen“, sagte Cacau „Wir haben viele gute Spiele mit Mannschaften, die viele Emotionen mitbringen. Die Schotten waren mit die besten Fans, vor denen ich je gespielt habe. Sie sind begeisterungsfähig, laut und friedlich.“ Das findet auch Andreas Kroll, Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. „Um ein guter Gastgeber sein zu können, braucht man die entsprechenden Gäste“, sagt er, „mit Schottland und Dänemark haben wir zwei der Mannschaften mit den zahlreichsten und besten Fans bekommen.“ Das bestätigen auch die vielen schottischen Journalisten, die bei der Auslosung waren. Sie reden von 100 000 Fans, die die Mannschaft bei ihrer Tour durch den Süden Deutschlands begleiten wollen. Da wird sich der Schlossplatz im schottischen Blau einfärben – und dieses Blau können auch die VfB-Fans gut ertragen.