Fußball-Kreisliga A Stuttgart, Staffel 1 Blitz-Transfer, doppelt Gelb-Rot und 29 Tore in zwei Spielen

Zuffenhausens Anil Ilkhan (rechts) wurde wie ein weiterer Mitspieler des Platzes verwiesen – und das quasi zeitgleich. Foto: Günter Bergmann

Während drei Torschützen in der Nachspielzeit treffen, reicht dem PSV Stuttgart ein Elfmeter aus. Der Zazenhausener Torhüter springt derweil direkt nach seiner Polizei-Nachtschicht ein, und die Bewusstlosen der Vorwoche freuen sich am Spielfeldrand.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Wer will dieses Croatia Stuttgart noch stoppen? Auch am 17. Spieltag feiert der Bezirksliga-Absteiger einen zweistelligen Sieg. Doch der ärgste Verfolger in der Stuttgarter Kreisliga A, Staffel 1, bleibt ohne Niederlage, dabei wurden die Botnanger allerdings mächtig gefordert. Bei den Sportfreunden Stuttgart sowie dem TB Untertürkheim herrscht am Wochenende der Last-Minute-Treffer Freude, dass es ihren Krankenhaus-Patienten der Vorwoche wieder besser geht. Wie die beiden zuletzt Bewusstlosen ihre Mannschaft erlebt haben sowie alle Spielberichte samt Stimmen und Hintergründen lesen Sie hier: die Kreisliga-A-Berichterstattung, immer am Montag.

 

Croatia Stuttgart – SSV Zuffenhausen 14:0 (5:0)

Dem starken 15:0 in Mühlhausen in der Vorwoche, ließ der Spitzenreiter Croatia Stuttgart nun ein 14:0 gegen den SSV Zuffenhausen folgen. 29 Tore in zwei Spielen also, ohne auch nur ein einziges zu kassieren. Die Aufstiegsambitionen des Bezirksliga-Absteigers sind nicht nur unterstrichen, sondern dick und fett sowie in Leuchtfarben markiert. „Wir sind in einer guten Form, hören auch nach einem 5:0 nicht auf“, sagt der Spielertrainer Damir Bosnjak, der wegen anhaltender Mittelfußprobleme weiter ausfällt. „Ich kann die Mannschaft nur loben, dass wir immer weiterarbeiten und nicht satt werden.“ Zuffenhausen sei zu Beginn zwar gut im Spiel gewesen, „die Tore haben sie aber geknackt“, sagt Bosnjak.

Aus seinem Ensemble markierten David Vukovic und Duje Tokic jeweils einen Dreierpack. Als besonders stuft der Coach keines der Tore ein. Die Stärke beschreibt er aber wie folgt: „Wir schalten oft schnell um, nehmen unsere Außenverteidiger mit und schaffen so Tiefe.“ Zuletzt verlautete es aus Botnang (der ASV ist der ärgste Verfolger), solche hohe Ergebnisse seien „Wettbewerbsverzerrung“. Bosnjak hält nichts von verbalen Sticheleien. „Wir reden auf dem Platz. Die anderen sehen die Ergebnisse und kennen den Stand der Dinge.“

Business as usual bei den Kroaten, beim SSV Zuffenhausen herrscht derweil große Unzufriedenheit. „Das war einer der bittersten Tage meiner sportlichen Karriere“, sagt der Trainer Armend Mehmeti. „Das war einfach nicht zu glauben.“ Inklusive abgepfiffenem Tor startete sein Team gut in die Partie, ergab sich irgendwann aber dem scheinbar übermächtigen Gegner. „Wir haben den Mut verloren und nicht mehr ins Spiel gefunden“, sagt Mehmeti. „Ab dem 6:0 hat man meiner Mannschaft angemerkt, dass sie im Schockzustand war, da ging gar nichts mehr. Es ist schwer, Croatia zu stoppen, wenn sie in einen Flow kommen.“

Tore: 1:0 Bresic (16.), 2:0 Mataija (26.), 3:0 Mamusa (30.), 4:0 Vukovic (33.), 5:0 Vukovic (37.), 6:0 Tokic (50.), 7:0 Matovina (53.), 8:0 Tokic (56.), 9:0 Tokic (63.), 10:0 Mamusa (70.), 11:0 Daniel Bosnjak (73.), 12:0 Hodak (77.), 13:0 Vukovic (81.), 14:0 Daniel Bosnjak (82.).

Besonderes:

TV 89 ZuffenhausenASV Botnang 2:4 (2:2)

Im Duell zwischen Platz drei und zwei blieb Letzterer, der ASV Botnang, einmal mehr ohne Niederlage. Umso frustrierender ist die Situation für Alexander Schweizers Team, dass sich auch der Tabellenführer Croatia keine Blöße gibt, und stattdessen fulminante Kantersiege am Stück produziert (siehe oben). Das 4:2 der Botnanger war da doch ein hartes Stück Arbeit. „Es war mal wieder kein schönes Spiel mit wenigen Torchancen“, hadert Schweizer. Einem ausgeglichenen Abschnitt eins folgte jedoch der schnelle Treffer von Yassine Arich. „Wenn du so aus der Halbzeit kommst, ist es überragend“, sagt der Coach. „Leider gehst du dann zwangsläufig aber in eine Verteidigungsposition, was wir nicht wollten.“

Den Zuffenhausenern Gastgebern zog dann jedoch ein Doppel-Platzverweis den Zahn. Nach einem Foul von Mesud Sekin und anschließendem Meckern von Anil Ilkhan flogen beiden mit der Ampelkarte vom Feld. Aufgrund einer Rudelbildung schritten auch Ordner ein, von einem Abbrechen des Spiels war der Schiedsrichter gedanklich jedoch noch weit entfernt. Dennoch hatte der Tabellendritte noch eine gute Torchance, die er vergab. „Das war noch einmal spannend“, sagt Schweizer.

So trennen beide Clubs nun acht Punkte, weshalb der TV-Trainer Yavuz Tepegöz endgültig den Gedanken an einen Aufstieg ad acta legt. „Wenn du solche Ziele hast, musst du gegen Topteams gewinnen“, sagt er. „Der Genickbruch für uns war das Tor direkt nach der Halbzeit.“ Derweil sei es eine gute Partie gewesen, seinen Mannen fehlte oft aber die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse. „Wir hätten gewinnen müssen, ich habe Botnang noch nie so schwach gesehen“, hadert Tepegöz.

Tore: 0:1 Alavac (19.), 1:1 Spiegelhalter (20.), 1:2 Schweizer (34.), 2:2 Saager (40., Eigentor), 2:3 Arich (47.), 2:4 Arich (90.+5).

Besonderes: Gelb-Rot für Sekin und Ilhan (beide Zuffenhausen, 86.).

PSV Stuttgart – SV Grün-Weiß Sommerrain 1:0 (0:0)

Ein Elfmeter reichte dem PSV Stuttgart für drei Punkte gegen Sommerrain. „Sieg ist Sieg“, analysiert der Trainer Nikolai Pozorski völlig korrekt. „Das tut gut, wobei es auch glücklich war, weil Sommerrain es gut gemacht hat und wir kein starkes Spiel gezeigt haben.“ Die Gäste hätten den Abnutzungskampf mit vielen Zweikämpfen im Mittelfeld besser angenommen, weshalb Pozorski vollen Lobes für das Schlusslicht der Tabelle ist, der in der Vorwoche den ersten Saisonsieg einfuhr.

Auch Enrico Mosca, eigentlich Co-Spielertrainer, mittlerweile aber hauptverantwortlich beim SV, ist zufrieden mit dem Auftritt seiner Truppe. „Wir befinden uns im Aufwärtstrend. So müssen wir weitermachen, es ist noch alles drin. Wir glauben noch fest an den Klassenverbleib“, sagt er. „Die Mannschaft kämpft zusammen, da entwickelt sich gerade ein Spirit, darauf bauen wir auf.“ Vom Spielverlauf her sei die Niederlage dennoch bitter gewesen, hatte der PSV mit Sommerrains Spielweise doch seine Probleme. „Im Endeffekt hätten wir meiner Meinung nach einen Punkt verdient gehabt“, sagt Mosca.

Vor allem Dennis Klose hatte aber etwas dagegen, der einen Foulelfmeter souverän flach im rechten Eck unterbrachte, während Grün-Weiß-Keeper Tim Fichter nach links unterwegs war. Beim Einschlag im Netz herrschte bei Pozorski „Erleichterung“, wie der Coach sagt. „Das war kein einfaches Spiel, aber wir haben gute Mentalität und Willen gezeigt.“

Tore: 1:0 Klose (55., Foulelfmeter).

Besonderes:

TSV Weilimdorf II – TV Zazenhausen 1:5 (1:2)

Für den TV Zazenhausen, der als einziger Verein der Staffel noch kein Pflichtspiel in diesem Kalenderjahr bestritt, startete 2024 mit einem klaren 5:1-Sieg beim TSV Weilimdorf II. An der Seitenlinie: Armando Traini. Ursprünglich Coach der zweiten Mannschaft, leitet er mindestens bis zum Saisonende die Geschicke des A-Liga-Teams, nachdem sich der Club Ende November überraschend von Trainer Emrah Uyar trennte. Traini kickt nicht nur selbst, sondern übernahm bereits interimsweise im Dezember.

Angefangen hatte es jedoch mit einem Schock. Beim Aufwärmen verletzte sich Zazenhausens Torhüter Johann Renner, wegen Rückenproblemen musste er passen. So eilte Marcel Münzinger direkt nach seiner Polizei-Nachtschicht herbei und diente als Ersatz. Rechtzeitig zum anberaumten Spielbeginn um 13 Uhr schaffte er es nicht, weshalb die Partie 20 Minuten später angepfiffen wurde. Münzinger zeigte daraufhin eine gute Leistung und sah neben einem Lupfer-Tor seines Mitspielers Lukas Berger, zudem einen Heber vom linken Sechzehnereck durch David Brentel zum 4:1. Dass Berger einen Foulelfmeter vergab, „war nicht ausschlaggebend“, sagt Traini, erkennt aber: „Hintenraus haben wir es schleifen lassen.“

Für die Weilimdorfer um Trainer Ali Yilmaz war es indes die zweite Niederlage in Folge. „Uns hat das Quäntchen Glück gefehlt, wir haben falsche Entscheidungen getroffen und die Gegentore teils selbst verschuldet“, hadert der Coach. „Ich muss mit den Jungs noch einmal von vorne anfangen, die Basics lernen.“

Tore: 0:1 Berger (15.), 0:2 Frank (18.), 1:2 Kraft (40.), 1:3 Brentel (54.), 1:4 Brentel (59.), 1:5 Brentel (88.).

Besonderes: Zazenhausens Berger schießt Foulelfmeter über das Tor (52.).

OFK Beograd Stuttgart – FSV Waldebene Ost II 3:3 (3:0)

Wie hoch muss der Puls des gerade einmal 22 Jahre alten Jonathan Schulze gewesen sein, als er in der Nachspielzeit zum Strafstoß antrat? Gemessen wurde der Blutdruck nicht, doch er war sicherlich hoch, denn sein FSV Waldebene Ost II lag mit 2:3 beim OFK Beograd zurück, ehe er zum Ausgleich und Endstand verwandelte. „Dann gab es eine Mini-Explosion in Zuffenhausen, es hat sich für die Jungs wie ein Sieg angefühlt“, freut sich der stellvertretende Abteilungsleiter Sven Willing. „Es war schön zu sehen, dass die Jungs sich belohnt haben.“ Zur Halbzeit lagen die Gäste nämlich noch mit 0:3 zurück. „Die Jungs sind nicht ins Spiel gekommen, waren körperlich nicht auf der Höhe“, hadert Willing. Dann aber der Wandel in Abschnitt zwei. „Es war ein Auf und Ab, ein Stimmungskarussell.“

So auch für OFK-Spielertrainer Bojan Nikolic, der mehr frustriert über zwei verlorene Punkte ist als über den einen gewonnenen. „Für mich ist das sehr traurig“, sagt er. „In der Pause habe ich noch gesagt, wir müssen weiterkämpfen, aber meine Spieler hatten im Kopf, dass das Spiel schon vorbei ist.“ So war es nicht der dritte Sieg im dritten Spiel unter Nikolic, der selbst einen Fauxpas einräumt. Nach knapp einer Stunde wechselte er nämlich seinen bis dato unbezwungenen Torhüter Dusan Martic aus und gab dessen Ersatz Miroslav Smiljanic Einsatzzeit. Jener fing schlussendlich drei Gegentreffer, auch weil Nikolic nach der Auswechslung von Ilija Prodanovic (Schlag auf die Achillesferse) auf vielen Positionen umbauen musste. „Mit meinen Wechseln habe ich einen Fehler gemacht“, sagt der spielende Coach.

Tore: 1:0 Stojkovic (4.), 2:0 Samardzic (30.), 3:0 Rade Lazic (40.), 3:1 Stahl (73.), 3:2 Sauer (75.), 3:3 Jonathan Schulze (90.+2, Handelfmeter).

Besonderes:

TB Untertürkheim – SG West 3:2 (2:2)

Einen Last-Minute-Jubel gab es derweil auch in Untertürkheim. Die Gastgeber feierten dabei sogar einen Sieg, nachdem Michael Höschele nach einem Freistoß aus dem Halbfeld mit dem Oberschenkel und mit dem Abpfiff zum 3:2 traf. „Alle sind voller Euphorie zu ihm gestürmt“, berichtet der Coach Ivo Ilijasevic. Darunter auch Sandro Vukic, der nach einem Kopf-Zusammenprall mit Sportfreunde-Keeper Christopher Schady vergangene Woche erst bewusstlos liegenblieb und dann eine Nacht im Krankenhaus verbrachte. Nach der Gehirnerschütterung musste er gegen West passen, fungierte aber als Co-Trainer.

Der Siegtreffer hatte sich laut Ilijasevic angebahnt. „Wir waren die ganze Zeit am Drücker, es hat aber immer der letzte Pass gefehlt“, sagt er. Schon zu Beginn der Partie sah es für den TBU gut aus, führte er nach 28 Minuten schon mit 2:0. „In der ersten halben Stunde haben wir super Fußball gespielt, super kombiniert und hätten uns mit dem dritten oder vierten Tor belohnen können“, sagt Ilijasevic. Haben seine Mannen aber nicht, sodass die SG West dank eines Doppelpacks von Niclas Klausmann ausglich. „Das ist, was wir mitnehmen: die Mentalität, dass wir da zurückkamen“, sagt der Spielertrainer Benedikt Goos. „Die zweite Halbzeit war ziemlich zerfahren, kein schöner Fußball mehr. Das wäre ein verdientes Unentschieden gewesen.“ So rangiert der Aufsteiger jedoch nur einen Punkt vor den Abstiegsrängen.

Tore: 1:0 Camara (4.), 2:0 Bitsch (28.), 2:1 Klausmann (36.), 2:2 Klausmann (38.), 3:2 Höschele (90.+6).

Besonderes:

TSV Uhlbach – Sportfreunde Stuttgart 1:3 (0:1)

Wie Untertürkheims Vukic blieb auch Sportfreunde-Keeper Christopher Schady, der vom Zusammenprall eine mittelschwere Gehirnerschütterung sowie eine Platzwunde am Ohr davontrug, nur die Zuschauerrolle. So sah er beim 3:1-Auswärtserfolg seiner Mannschaft in Uhlbach auch einen würdigen Vertreter zwischen den Pfosten: Tim Hoffmann. Dieser spielte einst in Feuerbach und Bonlanden, zuletzt beim FC Esslingen in der Landesliga, ehe er dort in der aktuellen Runde nicht mehr von der Partie war. Kurios ist seine Verpflichtung doch, denn erst am Donnerstag – also drei Tage vor dem Spiel – kam der Transfer-Stein ins Rollen. Der ehemalige Sportfreunde-Abteilungsleiter Suni Musa traf Tim sowie seinen Vater Ralph Hoffmann beim Handballspiel des Bundesligisten TVB Stuttgart. Die Verbindung: Ralph Hoffmann sprang 2013 für eine Partie bei den Sportfreunden ein, und zwar im Bezirksliga-Aufstiegsspiel gegen den TSV Bernhausen. Damals wie heute gelang ein Sieg mit einem Hoffmann im Tor.

Der in Heimerdingen wohnende Tim Hoffmann wird derweil mehr als nur ein Spiel absolvieren. „Wir haben eine super Lösung bis unser Stammkeeper wieder fit ist“, sagt der aktuelle Abteilungsleiter und Spieler Reinhard Bohne. „Man hat ihm seine Routine und Klasse schon beim Aufwärmen angemerkt, da habe ich mich als Abwehrspieler sicher gefühlt.“ Bei der einen oder anderen Aktion war Hoffmann dann auch zur Stelle, lediglich Noah Pilchowski musste er sich geschlagen gegeben. Dem Uhlbacher Youngster gelang der Ehrentreffer.

Pilchowksi ist einer von mehreren A-Jugendlichen, die samstags in der Regionenstaffel für den TSV auflaufen und sonntags in der Herren-Kreisliga A. Die Doppelbelastung sei nicht optimal, so der Spielertrainer Tim Wagner, doch die jungen Kicker bringen frischen Wind, weshalb er nicht von diesem Weg abweichen möchte.

Tore: 0:1 Darboe (24.), 0:2 Younis (53.), 0:3 Velikov (70.), 1:3 Pilchowski (87.).

Besonderes:

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