Croatia Stuttgart
Der direkte Wiederaufstieg in die Stuttgarter Bezirksliga war von Beginn an das auserkorene Ziel. Und mit bislang nur einem sieglosen Spiel ist Croatia voll auf Kurs, ganz so einfach stellt sich die Sache allerdings nicht dar. Jenes sieglose Spiel war das 2:2 gegen den ASV Botnang am zweiten Spieltag. Der Gegner aus dieser Partie erscheint den Deutsch-Kroaten seither als lästiger Begleiter – auch er hat ansonsten keinen einzigen Punkt abgegeben. Croatia hat aber ein Spiel mehr absolviert und überwintert demnach an der Tabellenspitze. „Es ist schöner anzusehen, wenn man ganz oben steht“, sagt der Spielertrainer Damir Bosnjak, der vor dieser Saison von Türkspor Stuttgart kam. Aus dem Zweikampf mit den Botnangern zieht er auch Positives: „Das ist wie das Duell zwischen Messi und Ronaldo, bei dem sich beide Seiten gegenseitig pushen. Es wird nicht langweilig.“
Am zwölften Spieltag fegte der Halbzeitmeister das Schlusslicht Sommerrain gar mit 13:0 von seiner Heimspielstätte, dem Sportplatz des FC Feuerbach – das höchste Hinrunden-Ergebnis der Staffel.
ASV Botnang
Zuletzt sind die Botnanger zweimal in Folge erst in der Relegation am Aufstieg in die Bezirksliga gescheitert. Ein drittes Mal wird es definitiv nicht geben – aufgrund der Strukturreform des Verbands fällt die Zusatzchance für die Vizemeister in dieser Saison weg. Demnach heißt es schon in der Punkterunde: alles oder nichts. Und so treten die West-Stuttgarter auch auf. Bislang liefern sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Favoriten Croatia. Gewinnen sie ihr Nachholspiel im Februar, wären beide Teams wie schon über weite Strecken der Hinrunde punktgleich. „Das ist brutal“, sagt der Trainer Alexander Schweizer. Aber: „Wenn du ohne Niederlage und mit nur einem Unentschieden durch die Hinrunde kommst, ist es sensationell.“ Dieses Remis war ein 2:2 im Gipfelduell. Ansonsten lauteten die Ergebnisse schon mal 9:1 oder 8:0.
Klappt es dieses Mal mit dem Aufstieg? Aus Schweizers Sicht ein klares „Ja“. In Madi Ceesay stellen die Seinen den treffsichersten Spieler der Liga (17 Tore). Von einem anderen Angreifer, Mehmet Karakus (zwölf Tore), hat sich der Verein getrennt. Interne Probleme. „Es hat nicht mehr gepasst“, sagt der Coach.
Zwischen Spieltag zwei und vier stand die Mannschaft des neuen Trainers Yavuz Tepegöz an der Tabellenspitze, mit fünf Siegen in Folge begann seine Amtszeit fulminant. Im weiteren Hinrundenverlauf gab es dann drei Niederlagen: gegen die Spitzenteams Botnang, Croatia und PSV Stuttgart. Aufstiegsambitionen weist der Coach ohnehin von sich. „Wir wollen einfach Spaß haben“, so das Credo von Tepegöz, der bislang zufrieden ist, weil er vor Saisonbeginn durchaus mit einer schlechteren Platzierung gerechnet hatte.
Der Dritte erfüllte alle Pflichtaufgaben und gewann gegen vermeintlich schlechtere Gegner, zudem gab es ein 6:4 im prestigeträchtigen Zuffenhausen-Derby gegen den Nachbarn SSV. In diesem Spiel trug sich auch Marko Sorgic in die Schützenliste ein, der mit 16 Treffern der zweitbeste Torjäger der Staffel ist. Viel wichtiger ist Tepegöz jedoch, dass weniger Verletzungen passieren – und: „Wir haben gemeinsam viele Partys gefeiert und so den Amateurfußball zelebriert.“
PSV Stuttgart
Der Polizeisportverein hinkt seinen Erwartungen hinterher. Im Sommer zählten die Cannstatter noch zu den Titelfavoriten, nachdem sie für einen eh schon guten Kader einige Transfers getätigt hatten, wie zum Beispiel die Verpflichtung des Stürmers Benjamin Nimigean (zuvor TB Untertürkheim). Doch es gab ein Problem, das sich schon in den vergangenen Jahren immer wieder eingeschlichen hat: Gegen Vereine aus dem Tabellenmittelfeld lässt die Mannschaft immer wieder wichtige Zähler liegen. So etwa beim 2:3 in Mühlhausen am vierten Spieltag. „Die Erwartungshaltung war bei uns höher“, sagt der Trainer Damian Nagler. Er selbst verlässt den Verein nun nach viereinhalb Jahren in Richtung Landesligist TV Pflugfelden. Beerben wird ihn Nikolai Pozorski, der bis zuletzt die zweite Frauen-Mannschaft des VfB Stuttgart trainierte. Zudem stehen drei Spielerabgänge fest: Dennis und Kevin Schmidt folgen Nagler nach Ludwigsburg, Und Maximilian Eisentraut zieht es zum Bezirksligisten SV Vaihingen.
Die Transferoffensive der Zuffenhausener hat vor dieser Spielzeit für Staunen bei der Konkurrenz gesorgt und diese veranlasst, die Nord-Stuttgarter als Geheimfavorit auf den Zettel zu bringen. Elf Spieler fanden den Weg zum Vorjahressechsten, zudem ein neuer Trainer. Der wird allerdings nicht müde, die aktuelle Saison als Übergangsjahr zu bezeichnen, in dem sich die Mannschaft erst einmal finden solle, ehe es irgendwann danach um größere Ziele gehen werde. „Das ist ein Lernprozess“, sagt Armend Mehmeti. „Wir sind im Soll. Ich bin zufrieden mit dem fünften Tabellenplatz sowie der Art und Weise, wie wir gespielt haben.“ Konkret: „Wir spielen schönen, attraktiven Fußball mit gutem Kurzpassspiel.“ Und vorne machen zwei Oldies die Tore. Carmine Pescione (39) und Admir Osmanovic (44) sind das älteste Sturmduo der Liga. Zusammen haben sie bereits 24-mal eingenetzt.
TV Zazenhausen
Kantersiege und unerwartete Pleiten wechselten sich ab. Aus einer Serie von zwischendurch fünf Pflichtspielniederlagen befreiten sich die Zazenhausener am achten Spieltag mit einem 6:0 bei der SG Stuttgart-West. „Wir wollten im oberen Mittelfeld mitspielen, und da stehen wir auch, also ist das in Ordnung“, resümiert der sportliche Leiter Markus Wältl. Nun muss er jedoch einen neuen Trainer finden. Vom bisherigen, Emrah Uyar, hat sich der Verein im November getrennt. Der Grund? Wältl spricht von „internen Inhalten, die nicht vertretbar sind, in den Themen Zuverlässigkeit und Organisation“. Zum Verhängnis wurde Uyar auch der dünne Kader. Häufig musste er sich mit Spielern der zweiten Mannschaft behelfen. Zuletzt übernahm Armando Traini, Trainer der „Zweiten“. Ob er weiter im Amt bleibt oder ob die Zazenhausener auf eine externe Lösung setzen, ist noch offen.
TB Untertürkheim
Der schlechte Saisonstart mit lediglich fünf Punkten aus sieben Spielen hat für keine Panik gesorgt, auch wenn die Untertürkheimer teilweise auf einem Abstiegsplatz standen. Um das schwere Auftaktprogramm mit allen Topgegnern gleich zu Beginn hatten die Verantwortlichen gewusst. Zuletzt kämpfte sich die Mannschaft von Matthias Summer wieder zurück und überwintert auf Platz sieben im gesicherten Tabellenmittelfeld – was dem Saisonziel freilich nur bedingt entspricht. Jenes hatte gelautet: oben mitspielen. Deshalb zieht der Trainer ein „durchwachsenes“ Zwischenfazit. „Wir haben uns vor einem Negativloch bewahrt und gesehen, was für Möglichkeiten wir haben“, sagt Summer. Er selbst hört nach fünf Untertürkheimer Amtsjahren als Coach nun aus privaten Gründen auf. Fortan fungiert sein bisheriger Partner Ivo Ilijasevic als alleiniger Chef an der Seitenlinie.
Sportfreunde Stuttgart
Auf der Waldau mussten sie sich nach dem Umbruch vom Sommer erst einmal finden. Neun Akteure stießen neu zum Kader, einige Leistungsträger gingen, darunter der Spielertrainer Hamdi Dagdelen. Für ihn übernahm Fabio Criscuolo (zuvor A-Junioren des FSV Waiblingen). Die Sportfreunde hatten durchaus Anlaufschwierigkeiten. Fünf Spiele dauerte es, bis Criscuolo seinen Premierensieg feiern durfte, daraufhin stabilisierte sich die Mannschaft. „Ich bin begeistert, wie die Jungs mitziehen und bin positiv gestimmt für die Rückrunde“, sagt der 34-Jährige, der einmal sogar selbst als Spieler aushalf, obwohl er die Schuhe an den Nagel gehängt hatte. Sein Fazit: „Wir stehen mittlerweile da, wo wir uns am Anfang gesehen haben.“ Primäres Ziel des Tabellenachten bleibt es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben – um perspektivisch dann aber weiter oben anzuklopfen.
OFK Beograd Stuttgart
Eine unbefriedigende Hinrunde für den abgeschlagenen Letzten der vorigen Bezirksliga-Spielzeit. Statt sich wieder zu berappeln, laufen die Serben erneut ihren Ansprüchen hinterher. Überraschend kommt dies nach einer ob zahlreicher Urlauber abermals praktisch ausgefallenen Saisonvorbereitung allerdings nicht. Zu schlecht sei die Fitness bei den meisten, konstatiert der Spielleiter Aleksandar Rogic – und mahnt in Richtung seiner Kicker: „Manch einer sollte sich überlegen, ob Mannschaftssport das Richtige für ihn ist.“
Nun kommt noch ein Problem hinzu: Der Trainer Milos Pojic zieht aus den Umständen die Konsequenzen. Seit Freitag steht sein Ausstieg fest. Er wechselt zum Bezirksligisten ABV/TSV 07 Stuttgart. Steine legt man ihm bei Beograd nicht in den Weg. „Man muss seine Unzufriedenheit verstehen“, sagt Rogic, der somit auf Nachfolgersuche ist.
Bis zum sechsten Spieltag sah alles rosig aus für den TSV Mühlhausen: Rang fünf mit Anschluss nach ganz oben, und endlich griff die Spielidee mit ruhigem Spielaufbau aus der Abwehr heraus. Der Spielertrainer Patrick Kessler war begeistert – und ist derzeit gleichermaßen entsetzt, wie rasant es auch wieder bergab ging. Nun ist es Platz zehn mit nur ein wenig Puffer zur Abstiegszone. Seit dem besagten Spieltag sechs ergatterte das Team nur noch einen Punkt. Zu viele individuelle Fehler schlichen sich ein, wonach Kessler seine Akteure zwischenzeitlich rüffelte, sich wieder auf die Grundtugenden des Fußballs zu konzentrieren. Statt Schönspielen ist also wieder harte Arbeit angesagt, damit es am Ende nicht noch ein böses Erwachen gibt. Wobei: Neu ist das Auf und Ab nicht. Schon in der Vergangenheit gaben die Mühlhausener durch fehlende Konstanz Rätsel auf.
TSV Uhlbach
Hat der Bezirksliga-Absteiger die Herausforderung eine Etage tiefer zu sehr auf die leichte Schulter genommen? „Wir haben uns eine leichtere Saison vorgestellt“, sagt Tim Wagner, der seit Juli im Trainerduo mit Yasin Bozkurt am Werk ist. In Summe standen deren Kicker zehn Spieltage lang auf einem der letzten drei Plätze, erst mit dem 4:1-Sieg bei den Sportfreunden zum Jahresabschluss befreiten sie sich aus der Abstiegszone. „Wir werden am Ende über dem Strich stehen“, ist sich Wagner sicher. „Wir haben uns stetig verbessert und müssen uns in der Rückrunde nicht verstecken.“ Schwer zu kompensieren waren indes die Sommer-Abgänge von Marco Kreidl (TSV Münster), Mert Sönmez (TV Oeffingen), Mike Groothoff (beruflich in Japan), Tim Fröschle und Felix Beeg. Die beiden Letztgenannten hörten auf, wurden inzwischen aber reaktiviert und halfen beim Umschwung mit.
SG Stuttgart-West
Bezüglich der Tabelle könnte man beim Kreisliga-B-Meister der Vorsaison eigentlich zufrieden sein: Der Aufsteiger hätte Stand jetzt den Klassenverbleib geschafft. Trotzdem sagt Benedikt Goos, der gemeinsam mit Senai Tasfaldet als Spielertrainer agiert: „Wir haben es uns anders vorgestellt.“ Gemeint sind damit vor allem die unbeständigen Leistungen auf dem Feld. Viermal kassierten die West-Stuttgarter fünf oder mehr Gegentreffer innerhalb einer Partie. „Es muss allen in den Kopf kommen, dass wir nur etwas reißen können, wenn wir in jedem Spiel 100 Prozent geben. In der Kreisliga B hat weniger teilweise gereicht, jetzt aber nicht mehr“, sagt Goos, der von Blauäugigkeit spricht und an die Trainingsbereitschaft seiner Mannen appelliert. Sein Fazit: „Wir haben uns bisher unter Wert verkauft. Gegen Ende der Hinrunde lief es aber wieder besser.“
FSV Waldebene Stuttgart-Ost II
Zum Jahresabschluss sorgte die Zweitvertretung, die sich in der Vorsaison erst in der Relegation rettete, mit einem 4:0 gegen Beograd für eine Überraschung. Aus den neun Spielen zuvor hatte die Mannschaft des neuen Trainers Rene Seidel nur einen Punkt geholt. „Das war ein sehr gelungener Abschluss einer schwierigen Hinrunde“, resümiert der stellvertretende Abteilungsleiter Sven Willing, der die U 23 bis zum Sommer selbst gecoacht hat. „Die Entwicklung beginnt jedes Jahr aufs Neue und braucht Zeit“, bewertet er. „Man sieht immer wieder Fortschritte, was Hoffnung macht. Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass die Mannschaft die Klasse hält.“ Hierfür wird die Kadersituation neu diskutiert: Das erste Waldebene-Team spielt in der anderen Kreisliga-A-Staffel. Der ein oder andere junge Akteur von dort soll gegebenenfalls häufiger bei der „Zweiten“ auflaufen.
TSV Weilimdorf II
Nach acht Spieltagen stand der Aufsteiger auf Platz sieben, hatte zehn Punkte auf der Habenseite. Das Problem: Die Weilimdorfer Landesliga-Reserve blieb bei diesem Zählerstand – die folgenden fünf Partien bis zur Winterpause endeten mit Niederlagen, teils sehr hoch, unter anderem mit 2:10 gegen Croatia und 1:8 gegen Zazenhausen. Somit ist das Team von Trainer Ali Yilmaz nun Vorletzter. Ein Tiefgang, für den der Coach zwei Komponenten mit verantwortlich macht: Zum einen hatte er gleichzeitig bis zu zwölf verletzte Spieler, zum anderen stand ihm nach vier Begegnungen kein gelernten Torhüter mehr zur Verfügung. Der Stammkeeper Andreas Moderau verletzte sich schwer am Knie. Am meisten ärgern Yilmaz aber die 58 Gegentore – der zweitschlechteste Wert der Liga. „Wir haben verstärkt die Abläufe in der Defensive trainiert, gebracht hat es kaum etwas“, sagt Yilmaz.
SV Grün-Weiß Sommerrain
Ist nach vier Spielzeiten in der Kreisliga A wieder Schluss für die Sommerrainer? Momentan spricht vieles dafür. In den bislang absolvierten 13 Hinrunden-Partien gelang dem SV Grün-Weiß kein einziger Sieg. Zum voraussichtlich rettenden zwölften Tabellenplatz sind es bereits acht Punkte Abstand. Längst läuten im Verein die Alarmglocken. So musste der Trainer Marijan Rumenovic nach nur fünf Spieltagen seinen Platz räumen, doch auch unter dem Nachfolger Sven Grunwald wurden die Ergebnisse nicht besser. Der Tiefpunkt: das 0:13 bei Croatia Stuttgart. Grunwald gibt sich indes weiterhin optimistisch und rechnet sich Siege aus: „Bis Platz neun ist alles schlagbar“, sagt er. Dazu „müssen wir mal ein paar Buden machen und die Gegentore in den Griff bekommen“. Für Letzteres stellte er zuletzt auf eine Fünfer-Abwehrkette um.