Eigentlich hat Trainer Daniel Riffert in der Winterpause nicht aktiv nach einem Neuzugang gesucht. Der 28 Akteure umfassende Kader des Landesliga-Tabellenführers TSV Heimerdingen, mit dem alle Positionen doppelt besetzt werden können, erscheint stark genug, um auch in der Rückrunde im Kampf um den Aufstieg ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können. Doch als sich 48 Stunden vor dem Ende der Wechselfrist Max Buschermöhle meldete und in zwei Trainingseinheiten einen guten Eindruck machte, warfen Abteilungsleiter Uwe Sippel und sein Team den Turbo an, um ihn doch noch für die Rückrunde zu verpflichten. „Es war recht hektisch“, räumt Max Buschermöhle ein.
Der 24-Jährige stammt aus Bremen und hat dort im vergangenen Jahre sein Studium als Maschinenbau-Ingenieur abgeschlossen. Seit November hat er einen Job bei Porsche in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Weissach und wohnt in Höfingen. Und er wollte wieder Fußball spielen, was er in seiner Heimat seit seinem fünften Lebensjahr schon sehr erfolgreich getan hat. „Ich habe mich über die Mannschaft schlau gemacht, weil es für mich nur zehn Minuten zum Training nach Heimerdingen sind“, erzählt Max Buschermöhle. Nach einem Telefonat mit Uwe Sippel folgten zwei Trainingseinheiten – dann stand der ungeplante Last-Minute-Neuzugang beim TSV fest.
Der Heimatverein des 24-Jährigen ist der BSC Hastedt, bei dem er bis zur C-Jugend spielte. Er wechselte dann zum ATSV Sebaldsbrück, wo er bis zur U 16 höherklassig in der Verbandsliga spielte und anschließend zum TuS Komet Arsten, wo er in der U 17 und U 19 in der Regionalliga auflief. Seine erste Aktivenstation war wiederum sein Heimatverein BSC Hastedt, bei dem er gleich ein Highlight erlebte: Als amtierender Bremer Landespokalsieger traf das Team in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Borussia Mönchengladbach. Max Buschermöhle stand als Neuling nicht im Kader, erlebte jedoch von der Ersatzbank aus, wie der Bundesligist ein 11:1-Torfestival veranstaltete.
Der Beruf bringt ihn in den Süden
Bereits in der zweiten Saison war der 24-Jährige Kapitän beim BSC Hastedt, wechselte nach drei Jahren jedoch zum Ligakonkurrenten TuS Schwachhausen. „Da haben viele meiner Freunde gespielt, und sie hatten einen tollen Trainer“, erklärt er. Nach zwei Jahren dort war er zuletzt beim Rotenburger SV in der Oberliga Niedersachsen am Ball, den er im Herbst vergangenen Jahres wegen des neuen Jobs in Weissach verließ. Einen Oberligisten im Großraum Stuttgart hat er bewusst nicht gesucht. „Ich spiele nun zum ersten Mal Fußball als Arbeitnehmer, da soll sich der zeitliche Aufwand in überschaubaren Grenzen halten“, erläutert Max Buschermöhle.
Der 24-Jährige hat bisher zumeist im zentralen Mittelfeld gespielt, auf der Sechser, Achter- oder Zehner-Position. TSV-Trainer Daniel Riffert setzte ihn in den ersten beiden Testspielen beim SV Allmersbach (1:4) und FSV 08 Bietigheim-Bissingen II (5:2) auf der linken Außenbahn ein – beide Male gehörte er zu den Torschützen. „Er bringt ein gutes Tempo und eine gute Athletik mit, und er ist beidfüßig“, zählt Riffert die Vorzüge seines Neuzugangs auf.
Ein Mann mit Spielübersicht
Der 24-Jährige selbst, der sich mit einer Größe von 1,81 Meter und einem Gewicht von 81 Kilogramm „eine stabile körperliche Präsenz“ bescheinigt, nennt noch einen anderen Vorzug, den ihm frühere Trainer bescheinigt haben: „Ich habe eine sehr gute Risikoabschätzung, sodass ich kaum Ballverluste produziere“, erzählt er. Auch Zweikampfverhalten und Spielübersicht stuft er als seine Stärken ein. Trotz dreier Bänderrisse im Sprunggelenk mit anschließenden mehrwöchigen Pausen ist er bisher von ganz großen Verletzungen verschont geblieben.
Die Regionalliga war kein Thema
Den Weg in Richtung Regionalliga oder dritte Liga hatte Max Buschermöhle nie im Visier. „Fußball sollte immer ein Hobby neben Studium und Beruf bleiben“ erklärt er, um schmunzelnd hinterherzuschieben: „Für die dritte Liga hätte es fußballerisch bei mir auch nicht gereicht.“ Nach fast drei Monaten Fußball-Pause sieht er sich derzeit noch nicht einmal als Kandidat für einen Startelf-Platz. „In diesem Team gibt es so viele Super-Jungs, da muss ich mich erst mal wieder heranarbeiten“, meint er bescheiden. Womöglich rutsch der Last-Minute-Mann kurz vor knapp doch noch in die Startelf, wenn der TSV zur Pflichtspiel-Premiere 2024 an diesem Samstag (15 Uhr) die SpVgg Satteldorf empfängt.