SSG Ulm – TSV Weilimdorf (Sonntag, 15 Uhr)
Die Weilimdorfer Nummer eins, Dominik Ferdek, ist Lehrer und weilt in der zweiten Woche der Pfingstferien im Urlaub. Sein Ersatzmann, Friedrich Köhler, wird allerdings nicht für ihn einspringen, da er aufgrund einer Exkursion seiner Universität unter der Woche an keiner Trainingseinheit teilnahm. So wird der Coach Manuel Fischer die Edel-Alternative aus dem Hut zaubern: Der eigentliche Torwarttrainer Philipp Pless wird in Ulm zwischen den Pfosten stehen. Schon in der vergangenen Saison half der 33-Jährige aus. Spielpraxis bringt Pless mit, ist er beim TSV doch Torhüter der Futsal-Mannschaft. Kurios: Mit dieser steht er am Samstag im finalen Spiel um die deutsche Meisterschaft gegen den VfL 05 Hohenstein-Ernstthal (Hot 05).
Eine gute Alternative ist gefunden, dennoch ist Fischer genervt von Absagen wegen privater Terminkollisionen. Ja, es ist Amateurfußball, aber muss das in solch einer entscheidenden Phase sein? „Ich würde mir das anders wünschen, aber ich kann es auch nachvollziehen, manchmal ist es nicht anders möglich“, sagt der Übungsleiter. Bereits in der Vorwoche machte er keinen Hehl aus seinem Unverständnis, als Maximilian Wojcik, Anthony Jeremy Raheem und Patrick Härle privat verhindert waren. Das Trio kehrt kurz vor dem Spieltag zurück, wird laut Fischer aber keinen Platz in der Startformation erhalten. Auch sich selbst möchte er nur als Option auf der Bank haben, nicht etwa von Anfang an. Zuletzt hatte er mit einem Dreierpack die Wende zum 4:2 gegen den SV Neresheim eingeleitet.
Fischer fordert Effektivität und defensive Stabilität
Dieser Sieg wahrte nicht nur die Aufstiegschance, die Weilimdorfer sind damit weiter in der Pole Position für Tabellenplatz zwei, der zur Relegationsrunde qualifiziert. „Ich möchte aus dieser Saison das Maximum rausholen“, sagt Fischer. Der FC Esslingen ist als Meister früh enteilt, also ist das angesprochene Maximum eben jener aktuelle Rang. Punktgleich hängt ihnen aber Türkspor Neu-Ulm im Nacken. Die Nord-Stuttgarter haben allerdings das um 16 Treffer bessere Torverhältnis. „Wir haben zwei, hoffentlich fünf Endspiele“, sagt der Coach mit Hinblick auf eine mögliche Aufstiegsrunde. Aber auch der SV Waldhausen hat mit drei Punkten weniger noch Außenseiterchancen. Hatten die Weilimdorfer noch einen Horror-Saisonstart, ist der aktuelle Kampf um die Verbandsliga alles andere als selbstverständlich. „Wir haben eine super Entwicklung hingelegt, aber es war ein weiter Weg“, sagt Fischer. „Jetzt geht es darum, uns zu belohnen.“
Belohnen sollten sich seiner Meinung nach auch seine Mannen vor dem gegnerischen Tor. Die erste Halbzeit gegen Neresheim war ein gutes Beispiel dafür, dass die Truppe von der Giebelstraße sich als beste Offensive der Staffel einige Torchancen erarbeitet, sie aber immer noch häufig auslässt. „Wir müssen im Abschluss besser werden“, fordert der Ex-Profi-Knipser des VfB Stuttgart einmal mehr. Außerdem: „Wir streuen immer wieder individuelle Fehler ein, sollten in der Arbeit gegen den Ball seriöser sein.“ Fischers Spielstil sieht eine offensiv-aggressive Verteidigung vor, die es nicht alternativlos zu bemühen gilt.
Die Weilimdorfer Hintermannschaft kann indes ein wenig aufatmen. Ulms bester Torschütze Ruben Beneke (zwölf Saisontreffer) erzielte vor Wochenfrist noch das entscheidende 1:0 in Waldstetten, flog im weiteren Spielverlauf aber mit Rot vom Feld, nachdem er einen Gegenspieler beleidigte. Doch auch ohne Beneke ist die SSG ein unangenehmer Gegner, der sich einmal mehr mit einer soliden Rückrunde den Klassenverbleib sicherte. In den vergangenen vier Partien ging das zweikampfstarke Team des scheidenden Trainers Nick Hausner dreimal als Sieger vom Platz. Die SSG Ulm kann für den TSV Weilimdorf im Aufstiegsrennen also durchaus zum Stolperstein werden.
FC Esslingen – MTV Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)
Gestolpert ist der Nachbar MTV Stuttgart bereits in der Vorwoche. Im Abstiegskracher gegen die bis dato punktgleichen Ulmer des FC Srbija verlor das Kräherwald-Team 1:3. So sind es nun drei Zähler auf das definitiv rettende Ufer. „Verdaut ist das noch nicht, wir ärgern uns darüber, dass wir es nicht in der eigenen Hand haben“, sagt der sportliche Leiter Luca Luchetta. Denn um die Ulmer noch einzuholen, reichen drei Punkte in den verbleibenden zwei Saisonspielen aufgrund der schlechteren Tordifferenz wohl nicht. Beim bereits seit Wochen feststehenden Meister FC Esslingen müsste an diesem Sonntag also mindestens ein Punkt her, während Srbija zweimal verlieren muss. Die Aussicht auf eine sportliche Rettung ist nicht gerade die Beste.
Doch Luchetta weiß: „Es gibt noch andere Möglichkeiten.“ Diverse äußere Faktoren könnten nämlich die Anzahl der Absteiger in der Landesliga-Staffel 2 verringern. Hier finden Sie eine Übersicht der Eventualitäten. Eine davon hat sich unlängst bewahrheitet. Der ATSV Mutschelbach wird seine Mannschaft aus der Oberliga zurückziehen. Die Konsequenz: Potenziell weniger Oberliga-Absteiger aus Württemberg, demnach weniger Abstiegsplätze in der Verbandsliga, in der sich die Klassenverbleibs-Chancen für den TV Echterdingen und die TSV Oberensingen verbessern. Steigen beide nicht in die Landesliga 2 ab, bleibt der MTV Stuttgart als Tabellen-13. drin. Diesen Platz kann ihnen rechnerisch keiner mehr streitig machen.
Lorer weilt im Saisonendspurt im Urlaub
Deshalb auch Mut zur Offensive? In Esslingen soll das Team von Trainer Björn Lorer einmal mehr auf Sieg spielen, ist der Coach aber diesmal gar nicht dabei. Lorer weilt im Urlaub und wird von seinem angeschlagenen, eigentlich spielenden Co-Trainer Meron Tsehaye an der Seitenlinie vertreten. Auch der Keeper Carl-Anders Zimmermann hat als Lorers Assistent das Sagen. Wie auch der Übungsleiter selbst, sind einige seiner Spieler während den Pfingstferien verreist. Allein die Doppel-Sechs aus dem vergangenen Spiel, bestehend aus Daniel Rudolph und Till Flach ist privat verhindert, wie auch Julius Jipp. Der ist gerade auf Asien-Reise und könnte auch ab der kommenden Runde ausfallen. Für ein angestrebtes Medizin-Studium sei ein Umzug unumgänglich.
Luchetta ist derweil froh, dass der restliche Kader derweil für die neue Saison komplett zugesagt hat – und das ligaunabhängig. Gehe es nach ihm und Lorer, sollte dann auch der Youngster Philipp Biermann fest zum Kader gehören. Zuletzt glänzte der 18-Jährige bei seinem Landesliga-Debüt, wird die restliche Spielzeit aber weiter für die A-Jugend auflaufen. Und dann? Es könnte ebenfalls ein studienbedingter Umzug anstehen. Aber: „Wenn er in Stuttgart studiert, will er bei uns spielen“, sagt der sportliche Leiter. „Philipp hat eine unglaubliche Qualität.“
Diese zeigte Biermann im Kollektiv mit seinen Teamkollegen besonders in der ersten Halbzeit gegen den FC Srbija Ulm, doch die Treffer blieben aus. „Wir müssen vorne zielstrebiger sein und die Chancen besser nutzen“, sagt Luchetta. „Die Angst, das Tor nicht zu machen, hat unsere Jungs gelähmt.“ Ein Mutmacher gegen die scheinbar übermächtigen Esslinger, die als Aufsteiger durch die Liga marschierten: Seitdem die Meisterschaft feststand, haben sie in drei Spielen zweimal verloren, was die Saisonniederlagen zwei und drei bedeutete. Luchetta entgegnet: „Bei der Wimpelübergabe an diesem Sonntag werden sie sich aber wohl mit einem Sieg von den Heimfans verabschieden wollen.“