Fußball – Stuttgart, Kreisliga B Schiedsrichter erstattet Strafanzeige

Der rote Karton kam in der Partie gleich mehrmals zum Vorschein. Foto: IMAGO/Rolf Poss

Nach dem Fußballspiel zwischen der SG Weilimdorf und dem 1. SV Fasanenhof erhebt der Unparteiische schwere Vorwürfe gegen die Gäste.

Die Partie der Fußball-Kreisliga B, Staffel 2, vom 14. Mai zwischen der SG Weilimdorf und dem 1. SV Fasanenhof könnte noch ein Nachspiel vor Gericht haben. Laut Aussagen des Schiedsrichters hat er sich von Gästeseite diskriminierende und beleidigende Sprüche anhören müssen, wurde zudem nach der Begegnung tätlich angegangen. Der Unparteiische, namentlich Kenth Joite, hat nun Strafanzeige gegen einen Spieler wegen Körperverletzung gestellt, gegen einen Zuschauer zusätzlich wegen Beleidigung und Bedrohung.

 

Der 32-jährige Joite kam mit einem schweren Herzfehler auf die Welt, lebt nur mit einem halben Herzen. Er hat eine krumme Haltung und schielt etwas. „Man sieht mir die Behinderung an“, sagt er selbst. Ein Problem sei dies bislang auf den Sportplätzen nicht gewesen, so Joite. Doch das, was ihm nun widerfahren sei, habe er in seiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Schiedsrichter noch nicht erlebt und nehme ihm den Spaß an der Sache.

Was ist passiert? Im Lauf der Partie sah Joite sich starker Kritik an seiner Spielleitung und daraus resultierend verbalen Attacken ausgesetzt, die auf seine körperliche Behinderung anspielten. „Der schielt ja“ oder „der ist ja eh behindert“ habe er zu hören bekommen– Absender: entweder die Gästebank oder der Gästeanhang. „Genau konnte ich es nicht lokalisieren“, sagt Joite. Gegen Ende zückte er gegen einen Fasanenhofer die Ampelkarte, was nach dem Abpfiff zu einer Rudelbildung führte. Die Situation schien überstanden, bis ein Gästespieler auf ihn zulief, es nach einem handelsüblichen Abklatschen aussah. Weit gefehlt. „Er hat so feste zugedrückt, dass ich vor Schmerzen schrie“, erinnert sich Joite, der bereits an einem Finger einen Bluterguss hatte. Besagtem „Händedrücker“ gab er Rot, kurz zuvor hatte er einem weiteren Gästespieler wegen Gegenspieler-Beleidigung ebenfalls Rot und einem anderen Gelb-Rot gezeigt, weil dieser sich in „unsportlicher Weise über meine Spielleitung“ beklagt habe. All das hat wohl einem Zuschauer nicht gefallen und dieser stieß im Anschluss Joite von hinten um, habe ihn beleidigt und auch noch bedroht, als er zu seinem Schutz von Ordnern in die Kabine gebracht wurde.

Einer dieser Ordner war Dirk Hoppmann, Weilimdorfs Abteilungsleiter, zugleich auch Jugendleiter im Bezirk Stuttgart. Dieser hat zwar den Händedruck nicht gesehen, aber die anderen Vorfälle mitbekommen. „Solche Sprüche gehen genauso wenig wie der tätliche Angriff, egal wie stark er auch war. So ein Verhalten gehört bestraft“, sagt Hoppmann, der Joite grünes Licht zum Verlassen der Kabine gab, als die Luft wieder rein war.

Von Fasanenhofer Seite wehrt man sich vehement gegen die Vorwürfe. „Von den diskriminierenden Sprüchen habe ich nichts mitbekommen, und generell verurteilen wir Derartiges auch aufs Schärfste“, sagt Tufan Demircan, der stellvertretende Vorsitzende des 1. SV Fasanenhof. Die vermeintlichen tätlichen Angriffe habe er gesehen, aber anders, weniger dramatisch, wahrgenommen. Es sei ein normaler Händedruck und besagte Aktion des Zuschauers nur eine Berührung gewesen – er habe wissen wollen, warum der Akteur die Rote Karte sah. „Der Spieler hat gesagt ‚gut gepfiffen Schiri’, meinte es zwar ironisch, aber das ist kein Grund für einen Platzverweis“, sagt Demircan, der sich ebenfalls rechtliche Schritte wegen Rufmords vorbehält. Grund: Der Fall wurde in einem Online-Portal eines Sport-TV-Senders aufgegriffen und „seitdem erleben wir einen Shitstorm, der absolut ungerechtfertigt ist“.

Derweil hat sich Joite seine Blessuren, einen Bluterguss am Finger und eine sogenannte Prellmarkung und Rötung am Rücken, ärztlich attestieren lassen und – wie eingangs erwähnt – Strafanzeige gegen den Spieler und den Zuschauer gestellt. Schlimmer als die Blessuren sei jedoch die psychische Belastung, weshalb er demnächst auch schon den ersten Termin in einer Traumaambulanz habe. Gleichwohl sagt er: Den ganzen Verein an den Pranger zu stellen, sei nicht gerechtfertigt. Es handele sich nur um Einzelne. Als Nachspiel der Partie will er aber „vorerst keine Männerspiele mehr pfeifen“.

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