Fußball-Verbandsliga: Calcio Leinfelden-Echterdingen Calcios Joker wird zum Trumpf

Der Matchwinner kam von der Bank. Mikail Arslan traf nach seiner Einwechslung zum späten Calcio-Sieg. Foto: Günter Bergmann

Der Tabellenzweite aus Leinfelden-Echterdingen bezwingt in der TSG Tübingen einen seiner Angstgegner. Aber zum erhofften Wachwechsel an der Spitze des Klassements reicht es nicht – die Schützenhilfe bleibt aus.

Eine halbe Stunde, bevor die Fußball-Verbandsligapartie zwischen Calcio Leinfelden-Echterdingen und der TSG Tübingen angepfiffen wurde, zog ein heftiger Wolkenbruch über das Stadion und verwandelte den Sportpark Goldäcker binnen Minuten in einen Graupelacker. Wer das als ein Omen werten wollte, hätte sich fragen müssen, wem es an diesem Sonntag wohl die Laune verhageln würde: dem Team von Calcio, weil es einmal mehr seinem Angstgegner unterliegt? Den Tübingern, weil sie sich wohl endgültig aus dem Rennen um Platz zwei und den Aufstieg verabschieden? Oder vielleicht doch dem SV Fellbach, weil er im Fernduell mit Calcio die Tabellenführung verliert? Letztlich waren es nur die Tübinger Kicker, die die Köpfe hängen ließen. Und Calcio hatte nach dem ein Stück weit glücklichen 2:1-Erfolg über den Viertplatzierten genügend Grund zum Jubeln – auch wenn der erhoffte Wachwechsel an der Spitze des Klassements ausgeblieben war.

 

Türkspor ist keine Hilfe

Denn die Schützenhilfe von Türkspor Neckarsulm blieb aus. Der Tabellenführer SV Fellbach behielt zeitgleich in Neckarsulm mit 3:0 die Oberhand und wahrte damit den Zwei-Punkte-Abstand zu seinem Titelrivalen von den Fildern. „Schade dass das mit der Tabellenführung nicht geklappt hat“, sagte der Calcio-Coach Francesco Di Frisco. „Aber wir haben ja immer noch alles selbst in der Hand.“ Denn sowohl Türkspor als auch die Fellbacher stehen für die verbliebenden sieben Saisonspiele noch im Pflichtenheft von Di Friscos Truppe.

Die durfte sich jedenfalls erst einmal rechtschaffen freuen, dass sie einen ihrer wenigen Angstgegner bezwungen hatte – obwohl die Echterdinger nach einer recht dominant geführten ersten Stunde Spielzeit komplett den Faden verloren hatten. „Das war so, wie wenn uns jemand den Stecker gezogen hätte“, urteilte Di Frisco. „Aber so was ist Kopfsache und kann passieren, wenn man gegen einen Angstgegner spielt.“

Das wirft wiederum die Frage auf, warum die Gastgeber, den Angstgegner vor sich, erst nach gut einer Stunde Angst bekommen haben. Denn bis dahin agierte Calcio ausgesprochen souverän. Die Offensivkräfte attackierten die Tübinger an deren Strafraumrand und schafften es damit effektiv, das Aufbauspiel des Gegners im Keim zu ersticken. Damit war Spielkontrolle da – aber in Sachen Torgefahr wollte bei der zweitbesten Offensive der Liga nicht viel gehen.

Und doch platzte irgendwann der Knoten – bei beiden Mannschaften: Als der bis dahin völlig unauffällige Luan Kukic in der 54. Minute mit einem präzisen Flachschuss die 1:0-Führung für die Platzherren besorgte, hatten die Tübinger bis dahin dreimal auf das Tor des Teams aus Leinfelden-Echterdingen geschossen. In der 70. Minute verbuchten sie ihren ersten Eckstoß in der Partie. Spätestens ab diesem Moment hatten die Gäste gegen eine zunehmend unorganisiert wirkende Calcio-Elf die Feldhoheit an sich gerissen. Lohn der Mühe: das Tor zum 1:1 durch Tim Steinhilber, der nach dem zweiten Eckstoß der Seinen per Kopf traf – maßgeblich dadurch begünstigt, dass die Gastgeber nicht so konsequent verteidigten, wie sie es davor getan hatten.

Ein zunächst unsichtbarer Joker

„Wir hatten unsere guten Phasen, Calcio hatte seine – nach meinem Ermessen wäre ein Unentschieden verdient gewesen“, sagte der Tübinger Trainer Michael Frick. Das kann man so sehen. Aber Calcio hatte eben auch Joker, von denen sich zumindest einer als Trumpf-Ass herausstellen sollte: Mikail Arslan, in der 76. Minute eingewechselt und bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit praktisch unsichtbar, erzielte den entscheidenden Treffer zum 2:1. Zwar scheiterte er mit seinem ersten Schussversuch an Tübingens Schlussmann Lucas Berisha, dessen Parade den Ball aber wieder zu dem Calcio-Angreifer beförderte. Arslan ließt sich im zweiten Versuch nicht zum zweiten Mal bitten – und vollendete.

Calcio-„Spieler des Spiels“

Jonathan-Martin Swieter. Der Mittelfeldmann agierte unauffällig, was in diesem Fall ein Kompliment ist. Er war da, wo er gebraucht wurde, und verrichtete seine Arbeit ohne Showeffekte. Viele Offensivaktionen lenkte er mit Auge und feinem Fuß in die richtige Richtung. Und scheute sich trotzdem nicht, bei der Defensivarbeit die erforderliche Präsenz zu zeigen. (Nominierungen: 2)

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Ribeiro, Zagaria, Pranjic, Zweigle – Swieter (88. Kajan), Parharidis – Emirzeoglu (86. Aziz), Pepic (78. Seemann), Visoka (76. Arslan) – Kukic (90.+5 Lander).

TSG Tübingen: Berisha – Brändle, Bursik, Kemmler – Steinmann (57. Pereira Almeida), Zenner, Herrmann (66. Abele), Thomas (78. Breuninger) – Dörre (78. Leitenberger ), Vetter (72. Harachasch ), Steinhilber.

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