Fußball-Verbandsliga: Calcio Leinfelden-Echterdingen Das Echterdinger „Shalala“ endet mit einer kalten Dusche

Und wieder ist der Ball drin. Luan Kukic (vorne) traf zum zwischenzeitlichen 2:0 – sein 26. Saisontreffer. Foto: Günter Bergmann

Nach einem tollen 5:0-Sieg gegen Türkspor Neckarsulm wähnen sich die Fußballer von Calcio bereits als neuer Tabellenführer, ehe es anders kommt. Derweil macht der Trainer Di Frisco seinen Verbleib von einer Bedingung abhängig.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

So schnell kann eine Stimmung kippen. Gerade noch hatte Ioannis Tsapakidis mit seinen Spielern auf dem Rasen die vermeintliche Tabellenführung gefeiert, nun starrte der Sportdirektor so grimmig auf sein Smartphone, als wollte er dieses gleich in die ewigen Jagdgründe befördern. Und dem Trainer Francesco Di Frisco konnte es gar nicht mehr schnell genug in Richtung Kabine gehen.

 

Für eineinhalb Stunden waren die Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen am Samstag virtuell neuer Spitzenreiter der Verbandsliga. Eigentlich war alles angerichtet. Tatsächlich erfüllt schienen die Hoffnungen auf eine erneute Wende im Titelkrimi, diesmal zu eigenen Gunsten. „Shalala – oh, Calcio“, hallte es freudetrunken durchs Stadion. Dann, als die eigene Begegnung bereits seit mehreren Minuten beendet war, ergoss sich die Nachricht aus dem oberschwäbischen Berg als eiskalte Dusche über alle Beteiligten des Filderclubs. Der große Rivale SV Fellbach hatte seinerseits spät in der Nachspielzeit doch noch den 2:1-Siegtreffer erzielt. Damit einen Spieltag vor Schluss an der Spitze des Klassements alles beim Alten: Fellbach Erster, Calcio nur Zweiter. So meisterlich und rauschend das 5:0 gegen den Verfolger Türkspor Neckarsulm war, so sehr hält in puncto Meisterschaftsgewinn also weiterhin der Kontrahent vom Kappelberg die Trümpfe auf der Hand.

„Ein grandioses Spiel gemacht“

Bitter? Enttäuschend? „Nein“, behauptete Tsapakidis, als er sich wieder gefasst hatte. „Wir haben ein grandioses Spiel gemacht und damit das getan, was in unseren eigenen Händen liegt.“ Einen „super Job“ attestierte auch Di Frisco seiner Mannschaft, ehe er trotzig anfügte: „An meinem Glauben daran, dass wir am Ende vorne stehen werden, hat sich nichts geändert.“ Dafür allerdings müssten die Fellbacher nun zum Abschluss am kommenden Wochenende zuhause gegen Ehingen Punkte liegen lassen, während die Echterdinger dann beim inzwischen als Absteiger feststehenden GSV Maichingen gefordert sind.

Freilich, die wichtigere Frage, jene nach dem Aufstieg, ist eh noch einmal eine andere. Auch, weil Tsapakidis’ finanziell angeschlagener Vorgänger-Verein wenige Tage vor Ablauf der Meldefrist am 31. Mai nach wie vor offen hält, ob er überhaupt eine Oberliga-Lizenz beantragen wird. An der Gerüchteküche kursieren die unterschiedlichsten Versionen. Falls nein, ginge für Calcio der Fahrstuhl so oder so nach oben. Falls ja, müssten die Echterdinger ihre Chance Stand jetzt über den Umweg „Aufstiegsspiele“ suchen, inzwischen auf einem verlegten Termin am 12. sowie danach 15. Juni.

Da immerhin bräuchte den Italo-Schwaben, gemessen an ihrer aktuellen Vorstellung, wohl vor keinem Gegner bange zu sein. Eindrucksvoll haben sie ihre Bilanz als beste Heimmannschaft der Staffel ausgebaut (zwölf Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage). Über weite Strecken war es ein Auftritt wie aus einem Guss. Hinten ließen die Gastgeber als konzentriert arbeitendes Kollektiv wenig bis gar nichts zu. Herausragend die Innenverteidigung, in der sich der Winterpausen-Königstransfer Denis Zagaria mehr und mehr als Stabilisator erweist. So erlebte der Calcio-Ex im Neckarsulmer Angriff, Shkemb Miftari, einen tristen Nachmittag. Im Hinspiel beim turbulenten 4:4 mit zwei Treffern noch Echterdinger Spielverderber, belief sich sein persönliches Ergebnis diesmal auf null Torschüsse.

Vorne derweil war es zunächst auch von Calcio-Seite eher Rasenschach als das vom Stadionsprecher Giovanni Di Gregorio angekündigte „Offensivfeuerwerk“ der beiden bis dato torhungrigsten Mannschaften der Staffel. Zwei Schwergewichte, die sich mehr belauerten, als ins womöglich zu große Risiko zu gehen. Dann aber schlugen die Echterdinger umso heftiger zu. Bereits bis zur Pause stellten Luan Kukic und Joao Victor Schick im Duett die Weichen. Erst Kukic auf Schick, darauf umgekehrt.

In Durchgang zwei schließlich konnten sich die Gäste bei ihrem Torhüter Kevin Rombach (früher Regionalliga beim FSV Frankfurt) bedanken, dass die Begegnung für sie nicht zum noch heftigeren Debakel geriet. Weitere Einschläge durch erneut Schick sowie zweimal den eingewechselten Semih Emirzeoglu konnte aber auch er nicht verhindern. „Die Jungs haben das dann sehr abgezockt gemacht“, lobte Di Frisco. Nebensache somit, dass in Philipp Seemann (Bänderdehnung) und Viktor Ribeiro zwei eigentliche Stammkräfte fehlten. Letzterer weilte in Amsterdam, wo er seinen 30. Geburtstag nachfeierte.

Di Friscos Bedingung für ein Weiter

Bleibt wie gesagt zu klären, ob, wann und bei welcher Gelegenheit Calcio nun das nächste Mal feiert? Dann, so die Hoffnungen, diesmal nicht nur für wenige Minuten. Einstweilen steht von Di Frisco eine persönliche Ankündigung: Weiter machen wird er auf seinem Posten nur bei einem Happy End. „Bei einem Aufstieg verlängere ich meinen Vertrag, sonst muss sich der Verein einen neuen Trainer suchen“, sagt er.

Und ebenso einstweilen starrte Tsapakidis gleich noch einmal fassungslos auf sein Handy. Hatten ihm die alten Fellbacher Weggefährten doch auch noch ein brandaktuelles eigenes Jubel-Video geschickt, frisch aufgenommen nach ihrem späten zweiten Tor. Na, wenn das mal nicht der Gipfel war.

Calcio-„Spieler des Spiels“

Denis Zagaria. Ruhender Pol in der Abwehr. Starke Zweikampf-Bilanz, gute Antizipation, gutes Aufbauspiel – der Winterpausen-Neuzugang erweist sich zunehmend als die erhoffte Verstärkung. (Nominierungen: 2)

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Peric, Zagaria, Parharidis, Zweigle (83. Körtge Corral) – Kajan (73. Lander), Swieter – Visoka (67. Arslan), Pepic (79. Rangelov), Schick (71. Emirzeoglu) – Kukic.

Türkspor Neckarsulm: Rombach – Di Biccari, Hofrath, Cristescu (79. Kastrati), Engler – Krasniqi, Türköz, Erdem (79. Keseroglu), Toptik (81. Ulusoy) – Miftari (63. Guerra Matias), Kutlu.

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