Fußball-Verbandsliga: TV Echterdingen Dreifaches Echterdinger Freistoß-Hurra – und eine mutige Pizza-Entscheidung

Frühe Weichenstellung: Der Kapitän Marvin Kuhn (links) traf erst selbst und legte dann zur 2:0-Führung vor. Foto: Günter Bergmann

Der Aufsteiger setzt seinen Lauf auch gegen das bisher beste Rückrundenteam fort. Nach dem 3:2 gegen die TSG Hofherrnweiler lässt eines selbst den Trainer staunen.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Wie demonstriert man als Trainer Mut und Selbstvertrauen? Klar, eine entsprechende Aufstellung und taktische Ausrichtung oder auch mal markige Sprüche gehören in dieser Hinsicht zum gängigen Repertoire. Und es soll ja auch schon Coaches gegeben haben, die mit ihren Spielern über glühende Kohlen gelaufen sind. Neu hingegen dürfte die beim Fußball-Verbandsligisten TV Echterdingen praktizierte Variante dieses Wochenendes sein – nämlich mit einer Tischreservierung zum Pizzaessen beim Italiener.

 

Gewagt war es von Antonino Rizzo und Valentin Haug allemal, ihre verspätete Einstandsfeier just auf den Abend des Spieltags gegen die bis dahin beste Rückrunden-Mannschaft der Staffel zu legen. Das hätte stimmungstechnisch durchaus in die Hosen gehen können. Doch passt eine solche Handlungsweise gut zu diesem aktuellen TV Echterdingen – ebenso wie dann das tatsächliche Ergebnis. Mit einem 3:2 haben die Gelb-Schwarzen ihren Vormarsch aus dem Tabellenkeller auch gegen die TSG Hofherrnweiler fortgesetzt. Schien es bis vor wenigen Wochen noch, als könnte im Kampf um den Klassenverbleib nur ein Wunder helfen, so präsentiert sich der Aufsteiger nun weiterhin als Mannschaft der Stunde. Von 15 möglichen Punkten seit der Winterpause hat Rizzos Aufgebot 13 geholt – und damit in fünf Spielen exakt gleich viele wie während der gesamten Hinrunde. Eine Bilanz, die selbst den Trainer staunen lässt.

Staunen selbst beim Trainer

„Da braucht man nicht drumherum reden: Hätte das jemand gesagt, hätte ich es zumindest in dieser Form auch nicht geglaubt“, sagt Rizzo. Und in überhaupt skeptische Gesichter hatte er nach eigenem Bekunden geschaut, als er den Seinen im Januar seinen rechnerischen Rettungsplan präsentierte. Acht, neun Siege aus der zweiten Halbserie – das klang seinerzeit weniger mutig als traumtänzerisch.

Inzwischen aber? Die Echterdinger werden mehr und mehr zum Beweis, was man mit dem Drehen an den richtigen Stellschrauben sowie einem wieder gefundenen Selbstvertrauen bewirken kann. Mit der Verpflichtung des Ex-Profis Stefan Todorovic ist in der zuvor häufig wackligen Abwehr Stabilität eingekehrt. Und auf dem Rasen überzeugt das Team insgesamt als schuftendes Kollektiv, das sich für keinen gelaufenen Meter zu schade ist. Diese kämpferische Intensität in Kombination mit der Fähigkeit, zugleich offensiv stets für Akzente gut zu sein, wurde auch am Karsamstag zum Erfolgsrezept.

Dreimal Torjubel nach Freistößen

Im Angriff feierte der Filderclub dabei das große Freistoß-Hurra. Erst ein Deniz-Bulut-Freistoß von links, den der Kapitän Marvin Kuhn verwertete. Dann ein Leon-Gerxhaliu-Freistoß von rechts, bei dem Kuhn diesmal zu Caglar Celiktas weiterleitete – jener schob den Ball zur frühen 2:0-Führung über die Linie (16.). Und schließlich legte Celiktas auch noch seinen 13. Saisontreffer nach, indem er nach der Pause, was auch sonst an diesem Nachmittag, einen weiteren Freistoß zum 3:1 ins Netz zirkelte. Die Gästemauer fälschte hilfreich ab.

„Vorne waren wir in diesen Szenen eiskalt, und hinten haben wir ganz wenig zugelassen. Wie die Mannschaft gegen den Ball arbeitet, das ist brutal“, konstatiert Rizzo, der somit die zwei kleinen Abers achselzuckend hinnehmen konnte. Dass darüber hinaus Anes Handanagic und der eingewechselte Elion Mahmuti Großchancen zu einer früheren Entscheidung vergaben? Geschenkt. Und dass der Gegner mehr oder weniger aus dem Nichts dennoch zu zwei eigenen Treffern kam? Am Ende egal. Nicola Zahner und Dino Nuhanovic verkürzten für den Aalener Tabellenfünften jeweils – Ersterer mit der kuriosesten Nummer des Nachmittags. Per Rückzieher bugsierte er den Ball in Richtung Tor, wo sich die Kugel als Bogenlampe in die Maschen senkte. Der Echterdinger Torhüter Yule Tröger machte dabei eine eher unglückliche Figur.

Zuletzt konnte gleichwohl keiner zweifeln: Der nächste „Dreier“ und damit die Festigung des vor Wochenfrist eroberten Nichtabstiegsplatzes waren hoch verdient. Und: Die Pizza konnte also kommen. Nicht nur sie. Zudem „vielleicht auch das eine oder andere Getränk in der einen oder anderen weiteren Lokalität“, wie Rizzo augenzwinkernd verriet. Dafür bedurfte es dann keines Mutes mehr, sondern nur noch guter Laune.

Echterdinger „Spieler des Spiels“

Marvin Kuhn. Ein Abwehrmann mit Angriffslust. Der Routinier erzielte den wichtigen Auftakttreffer selbst und legte danach zum 2:0 vor. In der Defensive zwar auch mit wenigen Wacklern, alles in allem war Kuhn aber einmal mehr tatendurstige Führungsfigur. (Nominierungen: 1)

TV Echterdingen: Tröger – Heinrich (80. Mahmuti), Todorovic, Kuhn, Gerxhaliu – Miller (66. Deutsche), Vran, Bey, Handanagic (77. Pirracchio) – Bulut (77. Dölker), Celiktas (85. Müller).

TSG Hofherrnweiler: Barth – Weisensee, Rief, Janik, Schwarzer – Rieger (74. Rembold), Zahner, Fichtner (46. Köhnlein), Nuhanovic – Schiele (74. Eckl), Baran (23. Milojkovic).

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