So auch in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates. Tobias Kaatze (Grüne) hatte darauf hingewiesen, dass die Brücke am Marktplatz „so langsam in sich zusammen“ brechen würde. „Wenn da irgendeiner mit dem TÜV vorbeikommt, machen sie uns die auch wieder zu“, sagte er an den neuen Tiefbauamtsleiter Pablo Burkhardt gerichtet. Es gebe dort eine Metallkante, die abgefallen sei. Auf der Brücke selbst gebe es im Belag eine Verstärkungsplatte, direkt dahinter sei aber ein „ganz ausgetretenes“ Stück. „Das ist inzwischen so, dass man echt Angst haben muss, dass jemand durchbricht und sich den Haxen bricht“, so Kaatze. Er mahnte, dass bei einer Schließung der Brücke der Weg der Kinder zur Schule erschwert wäre.
Brücken sind in die Jahre gekommen
Dieses fiktive Szenario wäre nicht das erste Mal, dass eine der Schwippebrücken aus dem Verkehr gezogen wird. Anfang Mai vergangenen Jahres hatte die Stadt Böblingen bei routinemäßigen Untersuchungen Mängel an der Brücke zwischen der Mühlgasse und der Wiesentalstraße (auf Höhe des Friedhofs) festgestellt. Das Bauwerk wurde gesperrt, eine Umleitung über die Brücke am Bezirksamt eingerichtet. „Die städtische Abteilung Tiefbau plant derzeit den Ersatz-Neubau für die gesperrte Brücke“, hieß es damals. Vorerst aber wurde der Schaden nur geflickt. „Wir haben am Belag und am Geländer neue Holzplatten angebracht und die Brücke so übergangsweise stabilisiert“, äußert sich Stadtsprecher Gianluca Biela jetzt zum Zustand dieser Brücke. Die drei weiteren Brücken sollen im Lichte der Äußerungen im Ortschaftsrat noch einmal einer Bauwerksprüfung unterzogen werden.
Wie alt genau die Schwippebrücken sind, dazu kann die Stadt keine konkreten Angaben machen. Erfahrungsgemäß hätten ungeschützte Holzbrücken wie eben die über den Dagersheimer Fluss eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren. Ortskundige schätzen, dass die Brücken sogar schon an der 50-Jahr-Marke kratzen könnten. Dass die in die Jahre gekommenen Brücken ersetzt werden sollen, steht für die Verwaltung wohl außer Frage. „Uns ist es wichtig, dass diese Infrastruktur im Sinne einer nachhaltigen und klimaschonenden Mobilität weiterhin zur Verfügung steht“, sagt Ortsvorsteher Queck.
Noch kein Zeitplan
Daher liefen aktuell die Neubauplanungen für die ersten Brücken an. Auch in Zukunft sollen sie noch aus Holz und Stahl bestehen. Als Belag habe sich Kunststoff bewährt. Konkreter wird Queck noch nicht, allerdings stehe jetzt schon fest, dass die Brücke am Friedhof in ihrer neuen Version barrierefrei werden soll. „Dies ist nicht zuletzt in Folge des demografischen Wandels ein immer wichtiger werdendes Thema, wie es auch unser integriertes Ortsentwicklungskonzept vorsieht“, sagt er.
Auch für die Brücke zur Ostelsheimer Straße gibt es schon Ideen. Sie soll nämlich verbreitert werden, um die Fahrradverbindungen in Dagersheim attraktiver zu machen. Für die anderen beiden Brücken werde auch nach „nachhaltigen Lösungen“ gesucht, so Queck. Untersuchungen und Planungen würden folgen.
Was die Neubauten kosten könnten, dazu gibt es noch keine Aussagen. Nur so viel: sie werden jeweils pro Brücke ermittelt und sind auch abhängig davon, ob die Bauwerke in Förderprogramme aufgenommen werden können.
Die Schwippebrücken
Der Bestand
Bei den Schwippebrücken handelt es sich um vier Bauwerke aus Holz, die zu Fuß oder mit dem Rad genutzt werden können. Die Betonbrücken zum Beispiel direkt am Bezirksamt, am Regenrückhaltebecken oder weiter draußen am westlichen Ende der Mühlgasse fallen nicht darunter.
Brücke am Friedhof
Die westlichste der vier Schwippebrücken ist gleichzeitig die längste. Sie ist 13,56 Meter lang und 1,80 Meter breit. Sie ist nicht barrierefrei. An beiden Seiten gibt es mehrere Stufen.
Brücke am Bezirksamt
Die Brücke, die neben dem Bezirksamt von der Mühlgasse zur Wiesentalstraße führt, ist 9,53 Meter lang. Auch sie ist 1,80 Meter breit.
Brücke am Marktplatz
Mit 8,8 Metern ist die Brücke an der Kirchgasse die kürzeste. In der Breite ist sie mit den beiden vorher genannten Brücken identisch. An einer der Brückenseiten muss eine Stufe überwunden werden.
Brücke an der Ostelsheimer Straße
Die Brücke, die von der Berggasse zur Ostelsheimer Straße führt, ist die breiteste der vier. Sie ist zudem auch die zweitlängste. 11,02 Meter ist sie lang und drei Meter breit. Sie ist ebenerdig, es gibt allerdings eine Gatterschranke, damit keine Autos darüber fahren.