Anja Plesch-Krubner und Corinna Fellner haben an diesem Donnerstag im Medienzentrum des Landtags keinen kleinen, sondern einen großen Triumph gefeiert. Vor mehr als sechs Jahren haben die beiden Mütter angefangen, sich für die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren einzusetzen. Zwei folgenlose Petitionen und eine anstrengende Unterschriftensammlung später ist klar: Mit fast 78 000 Unterschriften, die den Volksantrag für ein neunjähriges Gymnasium in Baden-Württemberg unterstützen, sind sie ihrem Ziel einen großen Schritt näher.
Hürde mit Bravour übersprungen
Rund vierzig Pakete von der Schuhschachtel bis zum Druckerpapierkarton haben die beiden Frauen und ihre Unterstützer ins Medienzentrum des Landtags getragen. In Kurz-und-schmerzlos-Manier hat Landtagspräsidentin Muhterem Aras sich einen symbolischen Umschlag mit unterschriebenen Formblättern überreichen lassen. Den „viel größeren Rest der Unterschriften“ lieferte die Initiative „G9 jetzt!“ bei der Landtagsdruckerei ab.
Mit 78 000 Unterschriften ist den Vorkämpfern für das neunjährige Gymnasium eine politische Sensation gelungen. Vor drei Wochen fehlten der Initiative noch 2000 Unterschriften um das Quorum zu erreichen. Zwischendurch hatten die beiden G9-Vorkämpferinnen echte Sorge, ihr Ziel zu verfehlen. Dass sie jetzt das doppelte Quorum erreichen und die Hürde gleich mit Bravour überspringen würden, ist zuletzt in der Landespolitik nicht erwartet worden.
Entsprechend selbstbewusst präsentierten die beiden Frauen sich bei ihrer Pressekonferenz. „Der Tanker fährt und ist nicht mehr zu stoppen“, betonte Anja Plesch-Krubner. Beide zeigten sich offen für politische Gespräche.
Die Politik ist in Zugzwang
Was jetzt passiert? Besinnt sich Grün-Schwarz auf das Vorgehen beim Volksbegehren zur Rettung der Bienen, wird es Gespräche geben. Sicher ist das zwar nicht – wahrscheinlich ist es aber schon. Spätestens seit Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Bürgerforum zur Zukunft des Gymnasiums initiiert hat, sind viele Türen offen, die im Blick auf eine Gymnasialreform davor geradezu verrammelt schienen. Kompromissbereitschaft signalisierten die beiden G9-Initiatorinnen im Grundsatz. Aber allzuweit, so das klare Signal, wollen sie sich dabei nicht von ihrem eigenen Gesetzentwurf entfernen. Der sieht das neunjährige Gymnasium als Regel und G8-Züge als bedarfsgerechtes Ergänzungsangebot vor. Die Schüler sollen in der Übergangsphase bis zur 10. Klasse ein Recht zum Spurwechsel erhalten. „Der Ball liegt jetzt bei Ihnen“, hat Anja Plesch-Krubner der Landtagspräsidentin bei der Übergabe der Unterschriften zugerufen.