Gärten in Ludwigsburg Vom Prunkgarten zur Obstbaumwiese
Wer früher herrschte, musste einen schönen Garten vorweisen. In Ludwigsburg dominierten erst barocke Anlagen, die häufig mehrfach umgestaltet wurden.
Wer früher herrschte, musste einen schönen Garten vorweisen. In Ludwigsburg dominierten erst barocke Anlagen, die häufig mehrfach umgestaltet wurden.
Ludwigsburg - Ob sich Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg einst seine Gedanken gemacht hat, was von seinem Wirken mehr als 300 Jahre überdauert? Ob Herzog Carl Eugen später, 1755, gedacht hätte, dass man noch heute über Gartenanlagen spricht, die auf seine Ideen zurückgehen? Hatte Herzog Friedrich, später immerhin König, im Sinn, dass sein botanisches Gespür mehr als 200 Jahre nach seinem Tode schon zigfach thematisiert worden ist?
Wissen kann man es nicht, hoffen ja. Warum sonst umgaben sich die Herrscher, die in Ludwigsburg ihren Sitz hatten, mit so prunkvollen Zier- und Jagdgärten? „Gärten waren vor allem im Absolutismus ein Instrument der Repräsentation und der Machtdemonstration“, sagt Simon Karzel, Stadtarchivar in Ludwigsburg. „Der Herrscher als Mittelpunkt des Staates machte sich sein Reich untertan, sein Herrschaftsanspruch war absolut – er dominierte alles in seinem Staat, auch die Natur.“
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Wenn sich einer damit auskennt, was in Ludwigsburg in der Vergangenheit nicht nur in Sachen Herrscherhäusern erblüht und auch wieder verwelkt ist, dann ist es der promovierte Historiker. Seit Herbst 2014 verwaltet Karzel die Geschichte der Barockstadt – und damit auch die Geschichte der einstigen und noch präsenten Prachtgärten: „Barocke Gartenanlagen sind häufig symmetrisch angelegt und zeigen deutlich den Gestaltungswillen der Herrscher.“
Allerdings: Als stilprägend galt, natürlich, der Barockgarten des Schlosses von Versailles in Paris. André Le Nôtre, oberster Gartenarchitekt König Ludwigs XIV., hatte dort in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Parkanlagen geschaffen. „Es gibt keine genauen Vorschriften, wie ein Garten auszusehen hatte“, sagt der Stadtarchivar Karzel, „aber natürlich haben sich die Architekten an schon vorhandenen Vorbildern orientiert.“
Und diese Vorbilder wechselten von Zeit zu Zeit. „Gärten veränderten sich häufig“, weiß Karzel. So sei der Garten des Schlosses Monrepos zuerst als Barockgarten angelegt und später zum englischen Landschaftsgarten umgestaltet worden. Dafür verantwortlich zeichnete Nikolaus Friedrich Thouret Anfang des 19. Jahrhunderts. Broderien, gerade Wege, die klaren Gestaltungselemente, all das musste weichen für viel, viel Grün, zugunsten von künstlichen Inseln im See, zugunsten der Rückkehr zu mehr Natur. „Englische Landschaftsgärten möchten einen natürlichen Eindruck hervorrufen und vermeiden symmetrische Formen“, so Simon Karzel.
Ob barock oder englisch, so ein Herrschergarten erfüllte vielerlei Funktionen. Neben Empfängen und rauschenden Festen wurden die Gärten auch als familiäre Rückzugsorte geschätzt. „Von König Friedrich I. ist durch die sogenannten Hofdiarien sehr detailliert überliefert, dass er Schloss Monrepos und die Gartenanlage sowohl privat als auch offiziell intensiv genutzt hat“, berichtet Simon Karzel. Derweil sei von Friedrichs Nachfolgern bekannt, dass sie Teile der Gärten von Monrepos und dem Residenzschloss auch landwirtschaftlich genutzt hätten.
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Auch der Südgarten des Ludwigsburger Residenzschlosses war nicht immer „blühend barock“. Herzog Carl Eugen ließ ihn um 1770 nahezu vollständig ausräumen, die entstandene Wiese wurde verpachtet. Und nach der Zeit König Friedrichs versank die einstige Herrscherstadt Ludwigsburg in der Bedeutungslosigkeit. Unter dem württembergischen König Wilhelm I. wurde der Garten des Residenzschlosses im Jahr 1828 für das Volk geöffnet. Lebensmittel waren knapp, also ließ er im südlichen Teil Obstbäume pflanzen.
Der König weilte da schon nicht mehr in Ludwigsburg. Ihn zog es ins nagelneue Schloss Rosenstein in Stuttgart.
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Was der Profi weiß
Experte
Volker Kugel ist seit 24 Jahren Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg – begonnen hat er am 1. November 1997. Der 62-Jährige ist Baumschulgärtner und hat an der Fachhochschule in Weihenstephan Gartenbau studiert.
Stilwandel
Den Wandel der Gartenstile kann man auch im Blühenden Barock Ludwigsburg nachvollziehen. Der große Südgarten mit dem runden See erstrahlt in barocker Pracht mit Heckengärten, Broderien aus Blumen und Buchs und Wasserspielen. Broderie bedeutet „Stickerei“ und sagt viel aus über die Einstellung der Mächtigen jener Zeit in Staat und Kirche.
Mensch und Natur
Mit diesen Stickereimotiven aus Blumen und Buchshecken wollte der Mensch um 1750 in Ludwigsburg zeigen, dass er sich die Natur zum Untertanen machen kann.
Ideale Natur
Dieses Bild von der Natur wandelte sich aber im Klassizismus am Ende des 18. Jahrhunderts. Ziel war nicht mehr die Unterjochung der Natur, sondern man baute Gärten im Englischen Stil, bei denen das Ziel war, die ideale Natur nachzuahmen. So entstand vom 18. Jahrhundert an in den Schlossgärten Ludwigsburgs der Obere und die unteren Ostgärten.
Tipp
Die App „BlüBa-Rundgang“ visualisiert den Zustand der Gärten bis hin zum Blühenden Barock im Wandel der Zeiten. Es gibt die App im Apple Store und auf Google Play.