Nun erlebt das Blüba einen solchen Ansturm nicht jedes Wochenende. Auffällig ist jedoch, dass es, wenn auch nicht ganz unbeschadet, relativ gut durch das Corona-verseuchte Jahr gekommen ist. Zwar war die Saison 49 Tage kürzer als geplant – ob im Dezember noch mal geöffnet wird, ist bislang nicht absehbar –, in den Monaten, in denen das Blühende Barock geöffnet hatte, kamen aber etwa genauso viele Besucher wie im Vorjahr. Obwohl durchgehend eine Besucherobergrenze galt. Lässt sich das allein mit der Lust vieler, etwas draußen in der Natur zu erleben, erklären?
Die Kürbisausstellung als echter Glücksfall
Das sei auch ein Grund, sagt Volker Kugel, aber nicht der einzige. Wenn er von der Erfolgsgeschichte erzählt, dann schwingt auch ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit. Und das kann man nachvollziehen. Die wirtschaftlichen Zahlen stimmten, die Besucherzahlen stimmten, im Team stimme es auch – sagt zumindest Kugel.
Ersteres kann er auch beweisen. In den vergangenen drei Jahren haben die Gärten keine Zuschüsse gebraucht – das war lange Zeit anders. Der Umsatz liegt inzwischen stabil bei mehr als fünf Millionen Euro. Vergleichbare Anlagen wie die Schlossgärten in Schwetzingen oder Weikersheim können da nicht ganz mithalten. Ganz fair ist der Vergleich aber nicht. Denn das Blüba firmiert als gemeinnützige GmbH, „das ist bundesweit einmalig, dass Land und Stadt sich einen solchen Garten leisten“, sagt auch Kugel.
Von Vorteil ist es aus finanzieller Sicht aber schon. Die 100 000 Euro, die das Blühende Barock zusätzlich wegen der zweiten Schließung in diesem Jahr braucht, gibt die Stadt jedenfalls gerne. Zumal das Blüba in den vergangenen Jahren Gewinne, die es erwirtschaftet hat, stets schnell wieder investiert hat.
Der Blüba-Chef Volker Kugel im Porträt (Plus): Sein Ziel heißt: nie mehr gießen!
Den Aufschwung schreibt Kugel vor allem einer Veranstaltung zu, die bei ihrer Einführung durchaus umstritten war. „Als wir das erste Mal Kürbisse ausstellen wollten, haben einige uns einen Dachschaden attestiert“, sagt Kugel. Es trotzdem zu machen hat sich inzwischen als kluger Schachzug herausgestellt. Immer im Herbst, wenn die Skulpturen aus den orangenen Früchten aufgebaut werden, schießen auch die Besucherzahlen in die Höhe. Die Kürbisse seien auch verantwortlich dafür, dass viele das Blüba überhaupt erst kennengelernt hätten, so Kugel.
Der Faktor Märchengarten
Dass das Publikum aus der näheren Umgebung ganz natürlich nachwächst, liegt am Märchengarten. Immerhin ein Drittel der Besucher, so hat es eine Befragung im vergangenen Jahr ergeben, kommen nur wegen der Fabelwelt. „Der Einfluss ist nicht zu unterschätzen“, so Kugel.
Daneben wirbt das Blühende Barock auch mit dem, was es im Namen trägt: mit Blütenduft. „Und auch dieses Versprechen halten wir“, sagt der gelernte Gärtner Kugel. „Die Besucher kommen ja nicht, um Disteln und Unkraut zu sehen.“ Inzwischen könne das Blüba auch mit Gärten im Ausland konkurrieren. Kugel wähnt es im oberen Drittel – weltweit.
Trotz all der schönen Pracht sind die Veranstaltungen das, was den Erfolg vor allem ausmache, glaubt Kugel. Zwar sind die Sandkunstausstellung, das Straßenmusikfestival, die Gartentage, das Feuerwerk und der Lichterzauber nicht ganz so große Publikumsmagnete wie die Kürbisausstellung – aber sie passen zum Blüba. „Es ist wichtig, dass man die Veranstaltungen nicht aufstülpt oder billig kopiert“, sagt Kugel. Über die Jahre sind schon etliche Vorschläge über seinen Schreibtisch gegangen. „Teilweise war da auch kompletter Schwachsinn dabei.“ Kontrollieren kann der 62-Jährige aber nicht alles. „Wenn wir fünf verregnete Wochenenden während der Kürbisausstellung haben, dann fehlen uns 300 000 Euro“, rechnet Kugel vor. Da brauche man Glück.
Im Schloss sind die Besucherzahlen eingebrochen
Zu guter Letzt profitiert das Blüba auch vom Residenzschloss. Das hat im Corona-Jahr aber ungleich mehr gelitten als die Anlagen drumherum. Die Besucherzahlen sind um 80 Prozent eingebrochen. Laut Michael Hörrmann, dem Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, der in seinen 60 Schlössern, Burgen, Monumenten und Gärten landesweit zuletzt mehr als vier Millionen Besucher empfing, liegt das vor allem an den ausbleibenden Touristen aus dem Ausland. Die fehlen aber auch dem Blüba. Ein weiterer Beleg dafür, wie gut es bei den Ludwigsburgern läuft – auch im Corona-Jahr.
Rekorde vor Corona
Besucher
Etwa 500 000 Tagesgäste haben in diesem Jahr das Blühende Barock besucht, das sind circa 130 000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Dauerkarten ist mit mehr als 40 000 seit Jahren stabil.
Wintersaison
Den Vorschlag, das Blüba künftig auch den über Winter zu öffnen, hält Volker Kugel für unrealistisch. „Kürbisse interessieren über Weihnachten niemanden mehr“, außerdem müssten seine Mitarbeiter auch irgendwann Urlaub machen. Für November war die neue Ausstellung „Leuchtende Traumpfade“ geplant, sie wurde aber abgesagt. Wenn es die Infektionslage zulässt, könnte sie im Dezember für kurze Zeit zu sehen sein.
Staatliche Schlösser und Gärten
Auch die Entwicklung der zum Finanzministerium gehörenden Einrichtung war in den vergangenen zehn Jahren eine Erfolgsgeschichte. Laut dem Chef Michael Hörrmann stiegen die Besucherzahlen in diesem Zeitraum um fast ein Drittel von 2,9 auf vier Millionen. Laut Hörrmann hatten die 60 Monumente, Burgen, Klöster und Schlösser doppelt so viele Besucher wie alle elf Landesmuseen zusammen. Corona bedeutete für sie allerdings einen harten Einschnitt. Es fehlen acht Millionen Euro. Hörrmann rechnet damit, dass die deutschen Besucher bis Ende des kommenden Jahres wieder zurückkehren. Bis sich die Situation der ausländischen Besucher normalisiert hat, dürfte es ein Jahr länger dauern.