Ganztagsbetreuung an Schulen Stuttgart ergreift die Initiative in der Qualitätsdebatte

Viele Grundschüler werden künftig den Tag an der Schule verbringen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Wenn der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Schulkinder kommt, muss sie qualitätsvoll sein. Die Landeshauptstadt und mehrere Träger haben sich positioniert und wenden sich nun mit Forderungen nach einem Rahmenplan an die Landespolitik.

Von 2026 an haben Kinder in den Grundschulen des Landes Baden-Württemberg einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Ob dieser umzusetzen ist, hängt vom Fachkräfteangebot ab. Aber wenn Ganztagsbetreuung stattfindet, dann muss es dafür eine verbindliche Qualität geben. Das fordern die Stuttgarter Träger der Ganztagsbetreuung sowie die Stadt Stuttgart. Sie fordern das Land Baden-Württemberg auf, den Qualitätsrahmen gesetzlich zu verankern und zu finanzieren.

 

Stuttgart hatte bereits 2013 den Ausbau verbindlicher Ganztagsschulen mit rhythmisiertem Unterricht beschlossen; nun könnte das Modell Schule machen. Dem Modell nach werden nur anerkannte Träger der Jugendhilfe mit der pädagogischen Schulkindbetreuung beauftragt. In ihrem Positionspapier führen die Stadt, die Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband Stuttgart, die Evangelische Gesellschaft, die Jugendhausgesellschaft und die St. Josef gGmbH aus, dass sie dies landesweit verankert wissen wollen. Auch die gleichberechtigte Partnerschaft an den Schulen soll auf Landesebene angestrebt werden.

Offen für externe Experten

Das Personaltableau könnte gemischt ausfallen. Den Stuttgarter Akteuren nach umfasst es neben den Fachkräften auch auszubildende Erzieherinnen und Beschäftigte im Freiwilligendienst. Die Schulen sollen mit externen Partnern, zum Beispiel Vereinen und Institutionen aus Sport und Kultur, kooperieren und dies aus einem zusätzlichen Budget bezahlen können. Ferner fordern die Verfasser den Zugang zu Endgeräten und Software zum digitalen Lernen auch außerhalb des Unterrichts und den Einsatz von Natur-, Sport-, Musik- und Theaterpädagogen als Fachkräfte. Eine Forderung ist essenziell: „Die öffentliche Finanzierung der freien Träger muss alle entstehenden Kosten der Leistungserbringung umfassen.“

Das Positionspapier ist mittlerweile Landtagsabgeordneten von CDU, SPD und Grünen zugegangen. Diese seien „sehr interessiert“ gewesen, berichtet Armin Biermann, Abteilungsleiter für Kinder, Jugend, Familie beim Caritasverband Stuttgart. „Ganztagsschulbetreuung braucht einen verbindlichen Qualitätsrahmen im Land“, sagt er.

Keine gemischten Klassen

Die SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Steinhülb-Joos versichert: „Wir werden das Thema auf jeden Fall in der Fraktion aufgreifen. Wir stehen ganz klar auf der Seite eines qualitativ hochwertigen Ganztagesangebot in der Grundschule“, sagt die ehemalige Schulleiterin, die neun Jahre Rektorin einer Gemeinschaftsschule in Bad Cannstatt war und dort das Ganztagsangebot auf- und ausgebaut hat. Sie warnt vor einer Verwässerung: „Eine offene Ganztagsschule, in welcher jeder kommen und gehen kann, wie er will, hat nichts mit Qualität zu tun. Kinder brauchen verlässliche Strukturen, eine Rhythmisierung, formelles und informelles Lernen, multiprofessionelle Teams, Angebote im musischen, künstlerischen, sportlichen und kulturellen Bereich, die Möglichkeit, sich zu vertiefen oder Lücken aufzuarbeiten und soziales Lernen. Dafür gibt es Zeitfenster im Ganztag. Ich werde einen Antrag stellen, damit das Thema im Bildungsausschuss diskutiert wird“, sagt die SPD-Politikerin, und fordert: „Die Landesregierung muss jetzt Gas geben und sich kümmern.“

Anhörung und Kongress denkbar

In der Regierungskoalition will man den rhythmisierten Ganztagsschulbetrieb „Schritt für Schritt“ umsetzen, vor allem auch „vom Bund finanziell hinterlegt“ wissen, sagt die Landtagsabgeordnete der Grünen, Nadyne Saint-Cast. Die Stärkung der Grundschulen sei einer der Schwerpunkte der nächsten Legislaturperiode, am 20. Juni finde dazu ein Fachgespräch innerhalb der Grünen-Fraktion statt. Eine große Anhörung im Landtag zum Thema Ganztag und einen Qualitätskongress hält sie darüber hinaus für angebracht.

In Stuttgart hat als erste Schule die Carl-Benz-Schule in Bad Cannstatt mit dem gebundenen Ganztagsschulbetrieb begonnen, und zwar im Schuljahr 2005/2006. Aktuell bieten 45 von 69 öffentlichen Grundschulen diese Form der Bildung und Betreuung an.

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