Gartenhallenbad Maichingen Bohrungen im Beton sollen Schäden zeigen

Sehr beliebt, aber etwas in die Jahre gekommen: Das Gartenhallenbad Maichingen, das von einem Verein getragen wird, muss saniert werden. Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Das Gartenhallenbad in Maichingen geht stramm auf die 50 Jahre zu. Jetzt will der Förderverein, der das Bad betreibt, Bohrungen vornehmen lassen, um den Zustand der Bausubstanz rund ums Becken einzuschätzen.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Wer schwimmen geht, der will sich nicht darüber Gedanken machen, ob das Becken oder die Fliesen des Bades noch stabil sind. Aus diesem Grund hat der Förderverein Gartenhallenbad Maichingen an diesem Dienstag Bohrungen begonnen, um den Zustand des Betons im sogenannten Beckenkopf im Schwimmbad des Sindelfinger Teilorts Maichingen zu untersuchen. Damit der Schwimmbetrieb davon nicht gestört wird, findet die Maßnahme in den Pfingstferien statt, wo es vormittags kein Schulschwimmen gibt. In Kürze soll auch im Keller die Statik überprüft werden.

 

Eine Sanierung des Beckenkopfes sei unausweichlich, wenn das Bad weiter genutzt werden soll, sagt Klaus Sporer. Er ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden im Förderverein – das Bad wird seit dem Jahr 1995 von einem Verein getragen – und aufgrund seines Berufs als Architekt für alle baulichen Themen im Gartenhallenbad zuständig. Der Beckenkopf findet sich dort, wo das Wasser aus dem Schwimmbecken überläuft. Er besteht aus den Überlaufrinnen und den Betonbauten, auf denen der Beckenumlauf aufliegt. Unter den Fliesen liegt nämlich ein großer Hohlraum.

Im Gartenhallenbad steht das Schwimmbecken auf Pfeilern, sodass im Untergeschoss die Technik zugänglich ist. All das erfordert eine hohe Stabilität. Weil die aber schon nicht mehr ausreichend gegeben ist, hat die Stadt Sindelfingen, der das Bad gehört, schon vor geraumer Zeit Stützen im Untergeschoss aufgestellt.

Chlorwasser zerfrisst Beton

Dass das Schwimmbad marode ist, ist kein Problem, das nur Maichingen betrifft. Das Chlorwasser frisst sich nach und nach durch den Beton und verrostet die Stahlanteile darin. Wie genau es aber um den Beton steht, lässt sich nicht nur beurteilen, indem man hineinbohrt. „Man sieht Stellen, da ist der Beckenkopf sehr stark beschädigt, an anderen dagegen – zum Beispiel in der Nähe des Sprungturms – gar nicht so schlecht“, sagt Sporer. Ein kleiner Teil des Beckenkopfes, an der Stirnseite gegenüber vom Kinderbecken, sei bereits saniert worden. „Das war vor schätzungsweise 25 Jahren, aber inzwischen ist es an dieser Stelle auch schon wieder nötig“, sagt Sporer.

Blick von unten Foto: privat

Konkret sollen Fliesenleger an verschiedenen Stellen die Fliesen entfernen und den chemischen Zustand und die sogenannten Karbonatisierung beurteilen. Wie sauer der Beton ist, gibt Aufschluss darüber, wie zerfressen er vom Chlor ist. Es wird auch geguckt, wie feucht der Beton ist. Auch vom Technikbereich im Untergeschoss aus wird eine Beurteilung stattfinden. Es werden Proben vom Beton genommen und in einem Labor analysiert. Das werde voraussichtlich vier Wochen dauern, sagt Sporer.

Sanierung schon länger nötig

Ein Statiker und ein auf Bädersanierung spezialisierter Architekt sollen dann aufgrund der Ergebnisse einen Maßnahmenkatalog erstellen und eine Kostenschätzung abgeben. „Dann gucken wir, wo wir das Geld herkriegen – wir gehen davon aus, dass wir es von der Stadt bekommen“, sagt er. Wie lange das alles dauert, ist noch nicht klar. „Die Hoffnung ist, dass wir mit der Schließzeit im Herbst mit der Sanierung beginnen können“, sagt Sporer. Denn zumindest ein Teil der Arbeiten kann nicht bei laufendem Betrieb passieren. Jeden Herbst aber wird im Gartenhallenbad das Wasser abgelassen, sodass das Becken 14 Tage lang gewartet werden kann.

Die Beckenkopfsanierung steht schon lange auf der Wunschliste des Fördervereins. Inzwischen ist sie dringend notwendig. „Wir sind sehr froh, dass wir es jetzt gemeinsam mit der Stadt machen können“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. Es sei ein großer Vertrauensbeweis, dass die Stadt Sindelfingen dem Verein freie Hand bei der Wahl der Experten lasse. „Sie drängen uns sogar schon, Fachleute für die energetische Sanierung des Dachs und der Fassade zu finden.“ Die müssen nämlich auch in absehbarer Zeit erneuert werden. „Man vergisst oft, dass die Fenster und das Dach ja auch schon 50 Jahre alt sind“, so Sporer.

Städtische Schwimmfläche schwindet

Der Förderverein hat in den vergangenen Jahren viel in das Bad investiert. Im vergangenen Jahr habe man unter anderem sämtliche Fugen im Umkleidebereich erneuert. Auch die Beleuchtung habe man im gleichen Jahr ersetzt. Bis dahin hatten Hängeleuchten mit Gitter das Schwimmbecken erhellt. Nun habe man energiesparende LED-Lichter verwendet. „Jetzt sieht man nicht mehr, wo das Licht herkommt, es ist einfach hell. Das ist schön“, so Sporer.

Auch ein Lichtkunstwerk hat der Förderverein an der Decke angebracht. Die bildet mit ihren vielen sich kreuzenden Stangen ein sogenanntes Raumfachwerk. Die Stangen wurden mit LED-Strängen besetzt und leuchten nun in verschiedenen Farben. So hätten die Facebook- und Instagram-Nutzer einen coolen Hintergrund für ihre Selfies.

Wie viel die Beckenkopfsanierung kosten wird, ist noch unklar. Sicher ist aus Vereinssicht, dass sie gemacht werden muss. Denn in Sindelfingen schwinde die verfügbare Schwimmfläche zusehends, sagt Sporer. In Maichingen habe mal selten auch nur eine freie Bahn.

Verschiedenste Vereine und Schulen schwimmen dort von 5 Uhr bis spätabends. „Die Amerikaner aus den Kasernen in der Gegend bringen ihre Kinder sogar schon vor der Schule im Schlafanzug her und nach dem Schwimmen wird auf dem Weg zur Schule im Auto gefrühstückt“, beschreibt Sporer. „Wir werden sehen, was jetzt mit dem Rappenbaumbad und den Schwimmern aus Dagersheim und Darmsheim passiert“, sagt er. Zudem stehe ja auch die Generalsanierung des Badezentrums an, wodurch die verbleibenden Schwimmflächen noch mehr ausgelastet würden.

Das Hallenbad wird seit fast 30 Jahren von einem Verein getragen

Gartenhallenbad
Das Gartenhallenbad im Sindelfinger Teilort Maichingen wurde 1976 eröffnet. Der Bau war 1971 eine Bedingung dafür, dass sich die damals selbstständige Gemeinde in die Stadt Sindelfingen eingliedern ließ. Bis 1994 wurde das Bad von der Stadt betrieben. Seitdem hält der Förderverein das Bad am Laufen.

Förderverein
Der Förderverein Gartenhallenbad Maichingen fungiert seit Anfang 1995 als Träger des Schwimmbads. Er bekommt einen jährlichen Zuschuss von der Stadt, muss aber nach eigenen Angaben Strom, Gas, Reinigungspersonal, Müllabfuhr und Ähnliches selbst erwirtschaften. Dazu kommen die Kosten für Badeaufsicht außerhalb der Besuchszeiten des Bades, sowie am Wochenende.

Organisation
Früh am Morgen öffnen Ehrenamtliche das Bad und kontrollieren die Technik, bevor die Frühschwimmer kommen. Auch das Kassenpersonal ist ehrenamtlich. Größere Reparaturen sind Sache der Stadt Sindelfingen, Kleinreparaturen übernimmt der Förderverein.

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