Gastronomie im Kreis Esslingen Große Firmen knausern beim Weihnachtsessen
Während die großen Firmen ihren Mitarbeitern häufig kein Weihnachtsessen mehr spendieren, lässt sich der Mittelstand nicht lumpen – sagen Gastronomen.
Während die großen Firmen ihren Mitarbeitern häufig kein Weihnachtsessen mehr spendieren, lässt sich der Mittelstand nicht lumpen – sagen Gastronomen.
Traditionell wird an Weihnachten auf das Essen und Trinken großen Wert gelegt. Bereits vor den eigentlichen Feiertagen treffen sich Familien, Freunde und ganze Belegschaften häufig zu Weihnachtsfeiern, für die gerne in einem Restaurant vorbestellt wird. Aber gilt das auch in diesem Jahr, das von politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt war?
„Die Nachfrage ist nach wie vor gut. Die Menschen leisten sich was“, beschreibt Uli Wägerle vom Plochinger Restaurant Stumpenhof die Lage. Und er ergänzt: „Wir haben zum Glück sehr viel Stammkundschaft aus den Kreisen Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, aus Stuttgart und von den Fildern.“ Darunter seien viele ältere Menschen, bei denen Häusle und Mercedes schon bezahlt sind, erklärt der Gastronom, dessen ambitionierte Küche es in die Guide Michelin Auswahl 2023 geschafft hat.
Gut angenommen wird auch das Business-Menü, das der Stumpenhof immer donnerstags bis samstags auf der Karte hat. Uli Wägerle steht jeden Tag selbst am Herd, seitdem er vor 25 Jahren den Betrieb zusammen mit seiner Frau Beate vom Vater Dieter Wägerle übernommen hat.
Passend zur Jahreszeit gibt es als Vorspeise beispielsweise Rehschinken mit Birne, Kürbis und Ackersalat und als Hauptgänge frische Landente, Hirschrückenmedaillons und feines Wildragout mit dem passenden Wintergemüse von Rosenkohl bis Wirsing. Die Zahl der Weihnachtsfeiern von Betrieben hat nach Wägerles Beobachtung abgenommen, vor allem große Feiern mit bis zu 60 Leuten seien inzwischen Geschichte, dafür werde sein Lokal häufiger für kleinere und private Feierlichkeiten gebucht.
Auch im Esslinger Posthörnle wird eher im kleinen Rahmen gefeiert. „Die großen Firmen sparen“, sagt Betreiber Heiko Wineberger, stattdessen zahle jeder privat, wenn sich ganze Abteilungen beispielsweise von großen Automobilherstellern zum Weihnachtsessen träfen. Dagegen ließen sich mittelständische Betriebe, die ihre Belegschaften bei der Weihnachtsfeier zu einem guten Essen ausführten, nicht lumpen. Das erlebe er auch als Zeichen der Wertschätzung für deren Fachkräfte.
„Weihnachten ist für uns eine besondere Zeit, das ist unsere Hauptsaison“, erklärt der Gastronom, der aktuell mit frischem Wild vom Jäger, Entenbrust und Reh aufwartet. Zwei vegetarische und zwei Fischgerichte seien außerdem obligatorisch auf seiner Karte. Die Sechs-Tage-Woche beginne bei ihm bereits im November. Das hänge auch mit der Esslinger Lesart zusammen, während der er auch viele auswärtige Gäste bewirte. Beliebt seien zudem private Feste, bei denen die Gesellschaften zunächst eine Stadtführung oder eine Führung bei der Sektkellerei Kessler buchten, um im Anschluss im Posthörnle zu speisen.
Sehr zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft ist auch Serviceleiterin Yvonne Feuchter vom Esslinger Restaurant Einhorn. Der Andrang sei wieder groß, zumal auch viele auswärtige Gäste dank des Weihnachtsmarkts in die Stadt kommen und man habe wie in der Vergangenheit nicht alle Weihnachtsfeiern annehmen können. Aktuell stehen Gänsekeule und Wildgerichte auf der Karte, aber genauso gefragt seien die schwäbischen Klassiker von der Maultasche bis zum Zwiebelrostbraten.
Mit Kalbsbäckle, Gänsebrust und Königsberger Klopse lockt die Alte Dorfschule in Ostfildern-Ruit ihre Gäste. Romy und Nils Steinbach, die 25 Jahre lang das Brauhaus Zum Schwanen in Esslingen geleitet haben, versorgen in Ruit seit 2017 ihre Gäste in dem besonderen Lokal mit sieben Tischen und einem gemütlichen Gewölbekeller. Nach dem Corona-Schock seien sie gut in Ruit angekommen, sagt die Gastronomin, die sich über viele treue Gäste und Stammtischrunden freut. Das Verhalten der Gäste habe sich insoweit geändert, dass man heute gezielt zum Essen gehe, aber weniger Wein und Spirituosen getrunken werden und häufiger sei das Restaurant gegen 21.30 Uhr bereits leer.
„Die Leute gehen vor allem in der Weihnachtszeit gern schwäbisch essen, das ist unser Glück“, erklärt Rolf Sigel, der in Reichenbach das Restaurant „Zum Bock“ führt. Er habe auch den Eindruck, dass die Gäste das gastronomische Handwerk wieder mehr schätzten und sich auch auf Innereien freuten. Wenn er es bei seinem Metzger bekomme, tische er gerne Kutteln, Herz, Leber und Niere auf und die Hirnsuppe sei ebenfalls ein beliebter Klassiker wie Linsen mit Spätzle und Wurstknöpfle.
Mittwoch bis Freitag kocht Sigel für seine Gäste auch ein Tagesessen. Die Öffnungszeiten am Mittag habe er zwar vor der Coronapandemie bereits abgeschafft, da immer mehr Metzger und Bäcker einen Mittagssnack anbieten. Aber wegen der wirtschaftlichen Verluste in der Pandemie habe er das Angebot wieder aufgenommen.
Outdoor
An den Samstagen vor Weihnachten und am heiligen Vormittag verwandelt sich der Biergarten vom Reichenbacher Restaurant „Zum Bock“ in einen Glühgarten. Aufgetischt werden unter den alten Kastanien bei Feuerschein heißer Aperol, Glühwein und Kinderpunsch, Waffeln vom Verkaufsstand der Reichenbacher Realschüler und Gegrilltes. Ein paar Straßen weiter gibt es im urigen Biergarten der Pizzeria Alte Post ebenfalls Glühwein und Gegrilltes unter freiem Himmel. Für die nötige Wärme sorgen Grillkamine und Feuerschalen.
Weihnachtsmarkt
Während die Gerichte in der Weihnachtszeit traditionell fleischlastig sind, bietet beispielsweise der Esslinger Weihnachtsmarkt zahlreiche vegetarische und vegane Alternativen von Rosmarinkartoffeln über Falafel bis zu Churros an.