Dem Nachwuchsstar in der Riege der Remstal-Spitzenköche hat der begehrte Stern erst mal ein Problem beschert. Denn mit der unverhofften Auszeichnung vom renommierten Restaurantführer Guide Michelin ging im kleinen Restaurant von Cédric Staudenmayer im Weinstädter Teilort Beutelsbach das Buchungssystem in die Knie. Dem Ansturm neugieriger Feinschmecker war das bisher geübte Verfahren nach Bekanntgabe der aktuellen Gourmettempel-Liste nicht mehr gewachsen.
Urplötzlich wollten Gott und die Welt einen Tisch im aus dem Jahr 1800 stammenden Kleinod reservieren – die einen über die Homepage, die anderen per E-Mail und noch mal andere über einen schlichten Anruf per Telefon. Das nicht nur unter einen Hut, sondern auch sauber ins Reservierungsbuch zu bekommen, war mit Blick auf die Fülle der Anfragen ein Ding der Unmöglichkeit – weshalb Pannen nicht ausblieben. „Wir waren an einigen Tagen schlicht überbucht“, schildert der erst 25-jährige Spitzenkoch zerknirscht, dass er etliche Genießer auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten müssen hat.
Schon im Dezember 2022 attestierte unsere Redaktion eine Küche auf Top-Niveau
Die Stammgäste im kleinen Restaurant des Küchen-Einzelkämpfers werden es mit Humor tragen. Dass Cédric Staudenmayer eines schönen Tages reif für einen Michelin-Stern sein könnte, galt unter Kennern schließlich als ausgemachte Sache. Schon vor mehr als einem Jahr, das Restaurant in der Marktstraße 39 war da gerade mal ein paar Monate eröffnet, wurde der küchentechnischen One-Man-Show in Beutelsbach schon ein Top-Niveau attestiert. „Früher oder später sollte dieser Hochstart ein Fall für die Michelin-Inspektoren sein“, stand im Dezember 2022 bereits in einer Restaurant-Kritik unserer Redaktion zu lesen.
Dass es so viel früher als später etwas wird mit dem begehrten Stern, hat nicht nur viele Kollegen überrascht. Spitzenköche wie etwa Michael Oettinger aus Schmiden haben jahrelang vergeblich gewartet, dass sich ein Michelin-Tester an ihren Tisch setzt. Und auch Philipp Kovacs, bis zur Schließung des Restaurants Goldberg in der Fellbacher Schwabenlandhalle der einzige mit gleich zwei Sternen dekorierte Rems-Murr-Koch, sprach von einer langwierigen und durchaus mühevollen Arbeit an den kulinarischen Details.
Andere Kollegen warten jahrelang vergeblich auf einen Michelin-Tester
Cédric Staudenmayer hat im zarten Alter von 25 Jahren nun erreicht, was für andere Kollegen einen Lebenstraum darstellt – und neben Talent und Disziplin auch jahrelange Berufserfahrung erfordert. Das bringt einem der jüngsten Sterneköche der Republik neben der Auszeichnung auch den „Young Chef Award“ ein. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so schnell passiert“, sagt er selbst über den unerwarteten Erfolg. Über dem Remstal strahlen jetzt fünf Michelin-Sterne. Denn Bernd Bachofer aus Waiblingen konnte seinen Platz im Gastro-Himmel ebenso verteidigen wie Michael Oettinger aus Schmiden. Komplettiert wird die Riege der Remstal-Spitzenköche von Nico Burkhardt aus Schorndorf, Joannis Malathounis aus Kernen und eben Cédric Staudenmayer aus Weinstadt, Neuling in der Herrenrunde.
Dass ihm der Sprung in den kulinarischen Gastro-Himmel zugeflogen wäre, lässt sich aber keineswegs behaupten. Der Jungkoch ist im Stuttgarter Cube ausgebildet und hat bei Torsten Michel in der Schwarzwaldstube geschnuppert. Prägend für seine ebenso hochklassige wie moderne Küche dürften die anderthalb Jahre beim mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Dirk Hoberg im Konstanzer Ophelia gewesen sein.
Die „Krone“ in Beutelsbach hatte weiland sein Großvater Otto Koch geführt
Erst Anfang 2022 kehrte der Beutelsbacher in die alte Heimat zurück, um die einst von seinem Großvater Otto Koch geführte „Krone“ zu übernehmen – als Alleinunterhalter in der Küche und mit nur einer Kraft im Service. Seine Mutter Stéphanie leitet das benachbarte Weinstadt-Hotel. Eine Besonderheit im Restaurant Cédric ist zweifellos das auf den Küchenchef zugeschnittene Konzept. Geöffnet ist die im Herbst auch vom Gourmetführer Gusto gewürdigte Gastro-Adresse von Montag bis Freitag ab 18 Uhr, die Wochenenden sind der Freizeit gewidmet.
Und: Eine Speisekarte zur Auswahl hat die Beutelsbacher Top-Adresse nicht. Es gibt ein Menü, das alle zwei Monate wechselt, Punkt. Aktuell werden nach einem Amuse Bouche und Brot mit Butter eine Garnele mit Rettich, Radieschen und Frühlingslauch und Spätzle mit Bärlauch, Gorgonzola und Ricotta gereicht, gefolgt von Forelle mit Spinat Gurke und Senfsaat und Lamm mit Couscous, Spargel und Morchel. Den Abschluss bildet ein Dessert aus Erdbeere, Rhabarber und Eierlikör. Auf Vorbestellung gibt es auch eine vegetarische Variante – mehr ist für einen Einzelkämpfer nicht leistbar. Den Preis fürs Menü hat der 25-Jährige schon im Januar von 99 auf 119 Euro angehoben – nicht wegen des Michelin-Sterns, sondern wegen der Mehrwertsteuererhöhung.
Bis Ende Mai gibt es kaum Chancen auf einen freien Tisch
„An meiner Art zu kochen wird sich durch den Michelin-Stern sicher nichts ändern“, verspricht Cédric Staudenmayer jedenfalls. Die Feinschmecker werden das beobachten – falls sie mit Reservierungen überhaupt zum Zug kommen. Im April ist das Restaurant bereits komplett ausgebucht, ab Ende Mai gibt es vielleicht eine Chance, beim Jungtalent in der Sterneküche einen Tisch zu ergattern.