Gastronomie Wie Wiernsheim zur Weltrekordgemeinde des Gins wurde

Patrick Seifert vor einem Teil seiner Gin-Sammlung Foto: Simon Granville/Simon Granville

Gin ist in. Und vielfältig. Ein Gastronom im Enzkreis hat sich das zunutze gemacht und einen Rekord geknackt.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Das Guinnessbuch der Rekorde hat einen deutschen Bruder. Der sitzt in Hamburg, heißt Rekord-Institut für Deutschland und macht das, was auch der bekanntere Mitbewerber auf dem Markt der Bestleistungen in London macht. Er sammelt, bewertet und zertifiziert Höchstleistungen. Manche, die sich im Verborgenen abspielen, wie das Sammeln von Zollstöcken. Andere sind augenfälliger, so wie die längste Polonaise im Kostüm. Wieder andere sind lecker und gut fürs Geschäft. Der Weg führt in diesem Fall nach Wiernsheim.

 

Mehr als 1000 Flaschen im Regal

Wiernsheim ist eine Gemeinde im Enzkreis. Dort, wo der badische Teil des Bundeslandes in den württembergischen übergeht oder eben andersherum, je nach Sichtweise. Zu der Gemeinde gehören die Teilorte Iptingen, Pinache und Serres. Die Namen deuten darauf hin, dass hier vor mehr als 300 Jahren die Waldenser ein neues Zuhause gefunden haben, nachdem sie aus dem Piemont vertrieben worden waren. Nicht ganz so lange, aber immerhin doch auch schon rund vier Jahrzehnte ist Patrick Seifert in der Region zu Hause. Und seit wenigen Tagen mit ihm ein Weltrekord.

Patrick Seifert verkauft Gin. Nicht irgendeinen Gin – sondern so ziemlich alles, was auf dem deutschen Markt zu haben ist. Er habe das „größte, ständige Gin-Sortiment im Ausschank“, heißt es vonseiten des Rekord-Instituts, und das sind insgesamt 1118 verschiedene Flaschen. Der Black Forest Summer Gin aus dem Lebensmitteldiscounter ebenso wie die Sonderedition von Knut Hansen. 48,20 Euro kostet das 2-cl-Glas aus dem hohen Norden, und damit 47 Euro mehr als die gleiche Menge aus dem Supermarkt. Bisheriger Rekordhalter soll eine Bar im britischen York gewesen sein.

Weltrekord soll für Bekanntheit sorgen

Paselino heißt die Lokalität, die Patrick Seifert mit seinem Team betreibt, und wer dahinter eine klassische Bar vermutet, der liegt ziemlich daneben. „Im Ort wissen die meisten Leute wahrscheinlich gar nicht, dass wir hier auch so etwas anbieten“, sagt Seifert. Und weil der Gastronom ein cleverer Geschäftsmann ist, soll der Weltrekord genau dies bekannter machen. Denn bisher ist das Paselino vor allem als Event-Location und Kinderland bekannt.

Im hinteren Teil, wo einstmals Hallentennis gespielt wurde, gibt es heute einen Kletterpark, Wasserspiele und Indoor-Rutschen für die Kleinen. Vorne, einstmals der Squash-Bereich, wird gespeist und gefeiert. Bei Fußballspielen, Geburtstagen, Konfirmationen. „Wir wollen was Einzigartiges schaffen“, sagt Patrick Seifert, die Leute sollen nicht nach Stuttgart, Pforzheim oder Karlsruhe fahren, sondern nach Wiernsheim kommen, in die Gemeinde mit rund 6500 Einwohnern. Ein Blick auf die Autokennzeichen vor der Halle verrät, dass das zu klappen scheint.

Zustimmung vom Bürgermeister

Das sei schon schön, so einen umtriebigen Gastronomen zu haben, sagt Matthias Enz, der Bürgermeister von Wiernsheim. Das Waldhorn, die Gaststätte gegenüber dem Rathaus, hat den Betrieb eingestellt, im Industriegebiet scheint es besser zu laufen. Er selbst gehe dort auch gelegentlich hin, um Fußball zu schauen, sagt der Bürgermeister. Lediglich „das ein oder andere Event mehr“ würde er sich wünschen. Doch da scheint die deutsche Bürokratie ein Hindernis zu sein. Comedyshows, Livemusik, Tanzabende – all das bietet Patrick Seifert und würde das Programm gerne ausbauen. Dazu braucht es aber andere Konzessionen, gibt es andere Auflagen.

So also die Idee mit dem Gin. Whisky sei zu speziell, sagt Seifert, Gin gerade en vogue. Zu Recht. Es gibt optische Spielereien mit dem Produkt wie Flaschen in Form von Feuerlöschern, es gibt Farbwechsler-Gins, die bei Zugabe von Tonic lila werden, es gibt Gins mit Goldpuder, ohne Alkohol – oder mit sehr viel. Eine Flasche aus Großbritannien bringt es auf 89,9 %. Das ist mehr als Strohrum.

Eine Frage des Geschmacks

Die Flaschen stehen in Wiernsheim in speziellen Schaukästen, geordnet nach Preis. Aus dem Regal O kostet das Glas 9,50, aus dem Regal M ist es schon für 3,40 Euro zu haben. „Der teuerste Gin ist nicht immer der beste“, sagt Seifert – und dass es natürlich auf den persönlichen Geschmack ankomme. Gerade ist Seifert dabei, eine App zu entwickeln, die zu jeder der 1118 Sorten etwas Passendes sagen kann – es gibt Gins, die nach Kaffee schmecken, andere nach Whisky. Und natürlich soll auch das passende Tonic empfohlen werden.

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