Gastspiel in Ludwigsburg Edward Clug bringt „Faust“ das Tanzen bei

Bildgewaltig wie auf der Kinoleinwand: Szene aus Edward Clugs „Faust“-Ballett Foto: Ida Zenna/IZ

Goethes Dramenstoff als unterhaltsames und stellenweise heiteres Tanzstück? Der Choreograf Edward Clug, dessen „Faust“ im Forum gastiert, verrät, wie das geht.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Farbig, prägnant, lustig; ein unterschwellig gruseliges Bildertheater voller schlagender, betörender, dunkler Momente… Ist da wirklich von einer „Faust“-Inszenierung die Rede? Von Goethes Dramenstoff, dem die Pflichtlektüre in der Schule seinen Reiz nahm? Ja, tatsächlich – allerdings in einer getanzten Version. Den viel gelobten „Faust“ hatte der Choreograf Edward Clug 2018 mit dem Ballett Zürich erarbeitet.

 

Überprüfen lässt sich die damalige Begeisterung der Feuilletons beim Gastspiel des Slowenischen Nationalballetts im Ludwigsburger Forum am 16. und 17. März. Er habe dieses Stück unbedingt mit der eigenen Kompanie übernehmen wollen, sagt Edward Clug am Telefon. Wer die Anfänge der Karriere des Choreografen kennt, versteht warum.

Edward Clug arbeitet seit 1991 in Maribor

Seit 2003 leitet der gebürtige Rumäne die Ballettkompanie am Slowenischen Nationaltheater, wo er selbst von 1991 an als Solist engagiert war. Noch als Tänzer hatte Clug in den legendären wie bildgewaltigen Produktionen des slowenischen Theaterregisseurs Tomaz Pandur mitgewirkt. Nun freut sich Clug darüber, mit seinem Ballett in Maribor für eine neue „Faust-Mania“, wie er sagt, gesorgt zu haben. „Das ist eine komplett slowenische Produktion. Die Musik von Milko Lazar, das Bühnenbild von Marko Japelj, die Kostüme von Leo Kulas: alles ist made in Slovenia“, sagt der Choreograf.

Der Choreograf Edward Clug Foto: Andrej Petelins/AP

Als Edward Clug Mitte Februar für dieses Gespräch ans Telefon geht, befindet er sich in Athen. Dort studiert er nicht nur seine „Coppelia“ ein, sondern erkundet auf der Akropolis auch die griechische Antike für ein neues Handlungsballett. Seit Reid Anderson den Rumänen erstmals beauftragte und er 2009 mit „Pocket Concerto“ nicht nur das Stuttgarter Ballettpublikum überzeugte, läuft es bestens für Clug. Dass sein Stuttgarter „Nussknacker“ nicht ganz auf der Höhe der in ihn gesetzten Erwartungen war, tut dem keinen Abbruch. Kompanien wie das Nederlands Dans Theater und das Berliner Staatsballett setzen auf Clugs bei allem Minimalismus doch raffinierte Tanzsprache.

Das Leipziger Ballett übernahm 2022 Clugs „Faust“, im Gewandhaus tanzte das Drama nur wenige Meter von Auerbachs Keller entfernt. Der Faust-Mythos beschäftigt den Choreografen schon lange. 2015 näherte er sich ihm über „Peer Gynt“, den „Faust des Nordens“. „Ich teile mit dem Protagonisten, dass wir neugierige Charaktere sind“, sagt Clug. „Sein Ehrgeiz treibt ihn an weiterzukommen, bis er Opfer seiner Wissbegierde wird. Faust war nie so präsent wie in unserer Zeit.“

Vertiefung der Charaktere

In seinem Bulgakow-Ballett „Meister und Margerita“ konnte Clug das für die Ballettbühne ungewöhnliche Thema am Bolschoi-Theater nochmals variieren und zu einer Art Faust-Trilogie ausbauen. Schon in Zürich, berichtet Clug, durfte er mit tollen Tänzern wie William Moore, der den Mephisto spielte, die Charaktere des Dramas ausgestalten. „Mit der eigenen Kompanie war es möglich, sie noch einmal zu vertiefen“, wirbt Clug für das Gastspiel in Ludwigsburg, das ungewöhnliche Faust-Szenen wie Kriegsgetümmel im Kornfeld und Selbstmorde im Wassereimer bietet sowie einen Mephisto, der mit Luftballon-Pudel, Popcorn und viel Humor weniger teuflisch wirkt.

Clugs Faust-Mission ist einfach: „Ich erzähle Goethes Geschichte mit den Mitteln des Tanzes. Sie soll berührend und auch für den einfach zu verstehen sein, der das Buch nicht gelesen hat. Dabei habe ich nach Lösungen gesucht, die auf allen Feldern, also auch im Theater oder im Film, funktionieren könnten.“ Das klingt nach einem überraschend unterhaltsamen „Faust“-Abend.

Info

Termin
Termin „Faust“ mit dem slowenischen Nationalballett am Samstag, 16. März, um 19 Uhr, am Sonntag, 17. März, um 18 Uhr im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg.

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