„Gefahr für die Sittlichkeit“ Schwules Stuttgarter Szenelokal „Eagle“ steht vor dem Aus

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Neue Betreiber, neue Auflagen: Das Stuttgarter Szenelokal „Eagle“ muss nach über 30 Jahre schließen. Die Besucher der Institution im Lehenviertel seien laut Stadt „eine potentielle Gefahr für die Sittlichkeit“.

Einmal im Jahr zeigt sich die Stadt von ihrer bunten Seite. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Einmal im Jahr zeigt sich die Stadt von ihrer bunten Seite. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - „Kennen Sie das Eagle? Wenn Sie ein homosexueller Mann sind und schon mal in Stuttgart waren, sagen Sie sicherlich ja klar, das ist das Lokal in der Mozartstraße. Für alle anderen müssen wir etwas weiter ausholen.“ So beginnt ein emotionaler Hilferuf in den sozialen Medien an die Community und die Stuttgarter Stadtgesellschaft. Denn die Betreiber des bekannten Szenelokals „Eagle“ im Lehenviertel, das weit über Fetischgrenzen hinaus bekannt ist, stehen vor dem Aus.

Nach über 30 Jahren stand zunächst am 1. Januar 2020 ein Betreiberwechsel an – den die Stadt Stuttgart nach monatelanger Prüfung zwar bewilligte, jedoch mit einer langen Liste von Auflagen versah. Laut den Betreibern machen es diese Auflagen unmöglich, den Betrieb des schwulen Szenelokals weiterhin zu garantieren. Die Betreiber teilten auf Facebook mit, dass vonseiten der Stadt unter anderem untersagt wurde, Musik abzuspielen und den Darkroom zu betreiben. Auch ein Aufenthaltsverbot von teilweise entkleideten Personen in den Räumlichkeiten wurde ausgesprochen.

„Gefahr für die Sittlichkeit“

Laut den Betreibern wurde für den kleinen Darkroom seit vielen Jahren Vergnügungssteuern an die Stadt bezahlt – bis zum Betreiberwechsel stellte dieser Umstand für die Stadt seit der Eröffnung des „Eagle“ im Mai 1989 kein Problem dar.

Besonders ein Punkt sorgt in der Community für Augenrollen. Wie die Betreiber auf Facebook mitteilen, wird in dem Schreiben der Stadt Stuttgart angeführt, dass die Gäste des Egale „eine potentielle Gefahr für die Sittlichkeit und eine mögliche Belästigung der Nachbarschaft“ seien. „Der Betrieb eines Szenelokals widerspräche daher dem öffentlichen Interesse“, heißt es weiter auf Facebook.

Die Institution in der Mozartstraße sieht sich als Schutzraum, leistet seit Jahrzehnten Aufklärungs- und Präventionsarbeit und unterstützt die Aidshilfe Stuttgart.

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