Ausbrecher aus Zwiefalten in Esslingen Flucht aus Psychiatrie endet auf Kundentoilette

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Nach ihrer spektakulären Flucht aus einer Psychiatrie in Zwiefalten hat die Polizei zwei der drei Männer in Esslingen-Zell gefasst.

Die Polizei hat das Einkaufszentrum abgeriegelt. Die Ausbrecher saßen in der Falle. Foto: SDMG 9 Bilder
Die Polizei hat das Einkaufszentrum abgeriegelt. Die Ausbrecher saßen in der Falle. Foto: SDMG

Esslingen - Der Ausbruch aus der psychiatrischen Landesklinik in Zwiefalten (Kreis Reutlingen) war spektakulär, sein Ende nicht minder: In Esslingen-Zell sind zwei der drei Männer gefasst worden, nach denen in den Tagen zuvor im ganzen Land fieberhaft gesucht worden war. Die Ausbrecher sind am Dienstag in einem Einkaufszentrum in der Alleenstraße dingfest gemacht worden. Die beiden Männer, ein 30-Jähriger aus Griechenland und ein 38-Jähriger aus Italien, hatten sich in einer Kundentoilette versteckt.

Den entscheidenden Hinweis hatte die Polizei von einer Kundin des Supermarkts erhalten. Der dritte Ausbrecher, ein 32 Jahre alter türkischer Staatsangehöriger, ist weiterhin auf der Flucht. Die Polizei geht davon aus, dass er in einem dunkelblauen Mercedes der A-Klasse mit dem Kennzeichen RT-AR 163 unterwegs ist. Das Auto ist am Sonntagabend in Ödenwaldstetten (Kreis Reutlingen) gestohlen worden.

Polizei mit Hubschraubern und Hunden im Einsatz

Der Verhaftung im Zeller Einkaufszentrum war eine Verfolgungsjagd vorausgegangen, in deren Verlauf die beiden Flüchtenden unter Missachtung jeglicher Verkehrsregeln und roter Ampeln versucht hatten, die Polizei abzuhängen. Das Auto der beiden Festgenommenen, ein roter Opel Astra, war gegen 15 Uhr einer Streife der Verkehrspolizei in der Zeller Alleenstraße aufgefallen.

Danach war es um die Nachmittagsruhe in dem beschaulichen Stadtteil geschehen. Polizeihubschrauber kreisten in geringem Abstand über den Dächern, Kinder durften die Ganztagsschule nicht verlassen, Polizeistreifen patrouillierten mit Diensthunden und schließlich wurde der Marktkauf in der Alleenstraße komplett abgeriegelt. Die Gerüchteküche brodelte und schnell machte die Nachricht die Runde, dass der geballte Polizeieinsatz den Ausbrechern aus Zwiefalten gelten würde.

Jetzt geht’s ins Gefängnis

Gegen 18 Uhr kam dann die Bestätigung und gleichzeitig die Entwarnung aus dem für den Großeinsatz zuständigen Polizeipräsidium in Reutlingen. Zwei der drei Männer, die am Samstag gegen 20.20 Uhr aus der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Landesklinik in Zwiefalten ausgebrochen waren, sitzen wieder hinter Schloss und Riegel – dieses Mal sicher in Justizvollzugsanstalten.

Der Ausbruch am Samstag hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die drei Häftlinge im Alter zwischen 30 und 38 Jahren hatten mit Hilfe der Längsbretter eines Bettkastens ein Loch in die Außenwand der ehemaligen Klosteranlage gerammt und sich dann an zusammengebundenen Bettlaken aus dem Obergeschoss des Gebäudes abgeseilt. Die drei Männer waren wegen verschiedener Raubdelikte vorbestraft. Zudem war das Trio, Staatsbürger aus Griechenland, der Türkei und Italien, schwer alkohol- und drogenabhängig. Weil ihre Suchttherapie in Zwiefalten fehlgeschlagen war, standen sie offensichtlich kurz vor einer Verlegung in ein reguläre Haftanstalt.

Immer wieder Ausbruchsversuche

Ihr Gewaltpotenzial war seitens der Polizei von Beginn an als nicht sehr hoch eingeschätzt worden. „Wir hatten schon andere Kaliber, die da ausgerückt sind“, wird ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums in Reutlingen zitiert.

In der ehemaligen Benediktiner-Abtei in Zwiefalten ist eine der acht Kliniken für forensische Psychiatrie des Landes untergebracht. Dort werden, wie es das Gesetz vorschreibt, Straftäter behandelt, die psychisch krank oder drogenabhängig sind. Immer wieder kommt es zu Ausbruchsversuchen. Zuletzt war im Mai dieses Jahres ein 54 Jahre alter Insasse aus dem Zentrum für Psychiatrie geflüchtet.




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