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Ausbildung & Karriere

Gehaltscheck Stuttgart Was verdient ein Notfallsanitäter?

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In Wiebke Turners Beruf können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Die 24-jährige Stuttgarterin erzählt uns, warum sie gerne Notfallsanitäterin ist, womit sie zu kämpfen hat – und was sie verdient.

Die 24 Jahre alte Wiebke Turner arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart. Foto: Jonas Schöll 5 Bilder
Die 24 Jahre alte Wiebke Turner arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart. Foto: Jonas Schöll

Stuttgart - Wenn Wiebke Turner Blaulicht und Martinshorn am Rettungswagen einschaltet, muss es meist schnell gehen. Dann sind etwa Autos zusammengekracht und Menschen verletzt worden. Die 24-Jährige ist Notfallsanitäterin beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart. In ihrem Beruf hat sie es jeden Tag mit brenzligen Situationen zu tun. Denn bei einem Unfall können wenige Augenblicke über Leben und Tod entscheiden. Ist jemand schwer verletzt im Auto eingeklemmt und muss sofort versorgt werden? Oder hält das Opfer noch durch? Im Gespräch verrät uns Wiebke Turner, warum der Rettungsdienst ihr Traumjob ist, womit sie bei ihrer Arbeit zu kämpfen hat – und was am Ende des Monats auf ihrem Gehaltszettel steht.

Welche Kommentare kommen als erstes, wenn Sie auf einer Party von Ihrem Beruf erzählen?

Natürlich ist unser Beruf im Vergleich zu den vielen Bürojobs schon etwas exotischer. Daher kommen oft Kommentare wie: „Oh wow, krass! Da siehst Du bestimmt schlimme Sachen“ oder „Respekt, das könnte ich nicht“. Als nächstes kommen dann direkte Fragen nach tragischen, einzigartigen oder auch skurrilen Einsätzen. Da hat man mittlerweile tatsächlich für jede Laune etwas auf Lager.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse als Notfallsanitäterin?

Ich durfte bisher zwei Geburten begleiten – eine mitten in der Nacht bei uns im Rettungswagen und eine andere am frühen Morgen im Aufzug des Stuttgarter Olgahospitals. Sie verliefen glücklicherweise beide komplikationslos, wodurch wir die putzmunteren Kleinen und deren dankbare Mütter mit vielen wunderbaren, positiven Emotionen verabschieden konnten.

Haben Sie auch negative Erfahrungen gemacht?

Ja, unschön sind dahingegen verständlicherweise Todesfälle. Vor allem, wenn sich Angehörige an der Einsatzstelle befinden, kann es schon einmal dramatisch werden. Außerdem werden wir natürlich auch mit vielen Straftaten konfrontiert und bekommen hautnah mit, unter welchen schlechten Umständen manche Patienten leben und deren Kinder aufwachsen müssen.

Notfallsanitäter werden immer häufiger Opfer von Gewaltattacken. Macht Ihnen das Angst?

Angst ist ein großes Wort, aber gewissen Einsatzsituationen trete ich auf jeden Fall mit Respekt entgegen. Sobald offensichtliche Gefahren im Raum stehen, werden wir hier in Stuttgart jedoch großzügig von der Polizei unterstützt. Vielen Dank an dieser Stelle an die Kollegen der Polizei! Allerdings kann mittlerweile tatsächlich nahezu jeder aus unseren Reihen von solchen negativen, persönlichen Erlebnissen berichten – das ist schon sehr bedauerlich und schade.

Warum haben Sie sich für den Beruf entschieden?

Zur Berufsorientierung beschnupperte ich damals durch diverse Praktika die unterschiedlichsten Berufsgruppen. Darunter war auch ein Praktikum beim Rettungsdienst hier in Stuttgart. Der Beruf fesselte mich schnell und ich beschloss daher, zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst zu machen. Die Faszination wuchs weiter und ich entschied mich im Anschluss geradlinig für die Ausbildung.

Wie viel verdienen Sie als Notfallsanitäterin?

Wir werden beim Deutschen Roten Kreuz nach dem DRK-Reformtarifvertrag bezahlt. Das Einstiegsgehalt liegt bei 2.938 Euro brutto. In Abhängigkeit von der Betriebszugehörigkeit werden wir dann nach und nach in dieser Entgeltgruppe abgestuft. Zusätzlich gibt es Nacht-, Sonntags-, Feiertags-, und Wechselschichtzulagen. Unter Umständen gibt es auch noch eine Jahressonderzahlung. In meinem Fall findet sich noch eine Ausbildungszulage für meine Tätigkeit als Praxisanleiterin auf dem Gehaltszettel wieder. Das Gehalt kann ohne Zuschläge bis auf 3.619,73 Euro steigen.

Und wie viel Gehalt bekommen Auszubildende?

Unsere Auszubildenden erhalten aktuell im ersten Lehrjahr 923 Euro, im zweiten 1013 Euro und im dritten 1125 Euro. Erwähnenswert finde ich, dass der Lohn in der Ausbildung ab dem 1. September 2019 auf 1.095 Euro im ersten Lehrjahr, auf 1.163 Euro im zweiten und 1.274 Euro im dritten steigt.

Welche Eigenschaften braucht ein Notfallsanitäter?

Am Einsatzort bedarf es unter anderem einer schnellen Auffassungsgabe, weitgefächertem Fachwissen, Menschenkenntnis, Empathie, Entscheidungsfreudigkeit, aber oftmals auch Geduld, um das vorliegende Puzzle aus Symptomen, Umständen, Vorerkrankungen, und, und, und zusammenzusetzen und lösen zu können.  

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit?

Kein Tag ist wie der andere. Man weiß zu Dienstbeginn nicht, was man zu Dienstende alles erlebt haben wird. Man erhält Einblick in alle Gesellschaftsschichten, Kulturen und oftmals auch hinter die Kulissen vieler Einrichtungen und Berufsbranchen. Außerdem schweißt das Arbeiten im Team und in manch einer Extremsituation zusammen. Aus beruflichen Beziehungen können sich so zum Teil auch wirklich schnell enge Freundschaften entwickeln.

Und was nervt Sie?

Zum einen die Erwartungshaltung vieler Bürger, die uns teilweise mit Blaulicht wie selbstverständlich zum Kater, Männerschnupfen, blauen Flecken, gestoßenen Zehen oder seit Wochen bestehenden Gelenkschmerzen rufen. Viele geben offen zu, uns nur als Taxi zu nutzen, da wir von den Krankenkassen bezahlt werden. Oder weil sie irrtümlicherweise denken, in der Notfallaufnahme so schneller an die Reihe zu kommen. Auch dadurch ist das Einsatzaufkommen oft so hoch, dass wir nicht selten vom vorherigen Patienten in der Notaufnahme weg alarmiert werden und zahlreiche ungeplante Überstunden leisten müssen. Da lässt sich der private Alltag nach dem Dienst natürlich leider noch schwerer planen. Und zu guter Letzt der wundervolle Stuttgarter Stadtverkehr – vor allem zu den Hauptverkehrszeiten ist selbst mit dem Rettungswagen manchmal kaum ein Durchkommen.