Geheimnisse des Waldes Im Wald, da spielten sie „Die Räuber“

Von Tom Hörner 

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen jeden Montag Besonderheiten aus den Wäldern rund um Stuttgart vor. Heute: die ehemalige Freilichtbühne im Bopserwald.

Schiller-Stein mit Gedenktafel im Bopserwald. Foto: Decksmann
Schiller-Stein mit Gedenktafel im Bopserwald. Foto: Decksmann

Stuttgart - Dass dieses Geheimnis des Waldes nicht zur Gänze verschüttgegangen ist, haben wir dem Verschönerungsverein Stuttgart zu verdanken. Er ließ 2007 eine überdachte Tafel aufstellen, die daran erinnert, dass hier im Bopserwald einst „eine der schönsten Freilichtbühnen Deutschlands“ stand.

In groben Zügen wird die Geschichte dieser verloren gegangenen Sehenswürdigkeit erzählt: Auf Anregung des Hofschauspielers Bruno Peschel wurde im Romantischen Täle ein Freilichttheater mit 2300 Sitzplätzen ­gebaut und am 15. Juni 1913 eingeweiht. Peschel wollte damit daran erinnern, dass unweit von hier, wohl im Gebiet Schillereiche an der Wernhaldenstraße, Friedrich Schiller an einem Maisonntag im Jahr 1778 seinen Kameraden von der Hohen Karlsschule den ersten Entwurf seiner „Räuber“ vorlas.

Die kurze, bewegte Geschichte der Bühne

Die Freilichtbühne hat eine kurze, bewegte Geschichte: 1921 brannte das Bühnenhaus ab, es wurde wieder aufgebaut und vergrößert. Die Wirtschaftskrise und schlechte Sommer hatten zur Folge, dass das Publikum ausblieb. 1934 wurde das Theater geschlossen, zwei Jahre später abgebrochen.

Es bedarf schon der Fantasie eines Dichters, um sich vorstellen zu können, dass hier einst eine Theaterbühne stand. Am besten erreicht man die Stelle vom Ende der Bopserwaldstraße aus. Geradewegs in den Wald laufen, links halten – schon nach wenigen Metern weisen Holztafeln den Weg.

Man sollte sein Gläschen auf Schiller erheben

Momentan ist es zu kalt, aber an einem lauen Sommertag könnte man sich vorstellen, sich auf eine von privater Seite gestiftete Bank am Wegesrand zu setzen und „ Die Räuber“ zu lesen. Oder in Gedenken an den großen Dichter das Gläschen zu erheben. Dem Schiller wär’ wohl beides recht.

Welche Waldgeheimnisse kennen Sie? Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns per Mail (lokales@stzn.de) oder per Post: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Wald.




Unsere Empfehlung für Sie