Geheimnisvolles Stuttgart Mitten in der Stadt - und doch im Untergrund verborgen
Dieser Stollen ist ein Stück von Stuttgarts geheimnisvoller Untergrundgeschichte. Mitten in der Stadt, ist dieser Ort doch vor den meisten Menschen verborgen.
Dieser Stollen ist ein Stück von Stuttgarts geheimnisvoller Untergrundgeschichte. Mitten in der Stadt, ist dieser Ort doch vor den meisten Menschen verborgen.
Hier um die Ecke, dort zwischen zwei Gebäuden hindurch, ein paar Treppenstufen hinauf – und plötzlich liegt eine eiserne Klapptüre flach auf der Erde.
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In der Nähe des Schwabtunnels geht es hinunter in die Tiefe. Wo genau, das soll geheim bleiben, um keine Untergrundtouristen anzulocken.
Gelb behelmt geht Mehmet Bozdemir voran. Drei, vier Meter steigt er auf einer Leiter hinunter ins dunkle Loch. Dann leuchtet sein Scheinwerfer an den Wänden des unterirdischen Gangs entlang.
Der Reinsburgstollen, zwischen 1828 und 1896 aus massiven Steinquadern gemauert, versorgt seit 1966 den Feuersee in Stuttgart-West mit Wasser aus dem Kaltentaler Quellsystem. Zwischen 5000 und 10 000 Kubikmeter Wasser rinnt monatlich durch die alte Kandelage dem See entgegen.
Heute nicht. Das Wasser, das im Quellwasserspeicher Wannen zwischengelagert wird, ist zwecks Wartung abgestellt. „Früher wurde mit dem Reinsburgstollen der Stadtteil West mit Trinkwasser versorgt“, erzählt der Wassermeister von Netze-BW. Das Unternehmen ist für die Instandhaltung der historischen Anlage zuständig.
Auf 300 Metern Länge ist der rund ein Meter breite Stollen begehbar, danach könnte man noch weiter 100 Meter robben. Doch, nein danke, das lassen wir heute lieber. „Das alles steht unter Denkmalschutz“, sagt Bozdemir, dessen Stimme im Stollengang widerhallt. Mit der Lampe leuchtet er ein Stück weit tiefer ins Dunkel. Dahinter bleibt es nachtschwarz.
Von der Stadt ist hier unten nichts mehr zu hören. Nur das Gasmessgerät, das der Wassermeister bei sich trägt, surrt vor sich hin. Sauerstoffgehalt in Ordnung, CO2 unauffällig. Kühl ist es und überraschend trocken.
Nur stellenweise dringt Feuchtigkeit von oben durchs Gestein. Dann bilden sich an der gewölbten Decke kleine Stalaktiten. „Das behalten wir im Auge“, sagt der Wassermeister. In der Regel findet einmal im Jahr durch die Netze BW eine Inspektion der Anlage statt.
Auf dem Rückweg zeigt Bozdemir auf ein schwarzes Hakenkreuz an der Wand, das wirkt, als sei es mit Pech gepinselt worden. Woher es stammt? Eher nicht von unerwünschten Untergrundtouristen, wenn es denn hier je welche gab. Vermutlich ist es tatsächlich eine Hinterlassenschaft der Vergangenheit.
Wahrscheinlich, sagt Bozdemir, sei der Stollen im Zweiten Weltkrieg auch als Luftschutzbunker genutzt worden. Sicher sei das aber nicht. Der Reinsburgstollen, er ist eben auch ein Stück von Stuttgarts geheimnisvoller Untergrundgeschichte.