Geheimnisvolles Stuttgart Der verbotene Wald am Rand der Stadt

Am Rand von Stuttgart, liegen für Besucher unerreichbar die geheimnisvollen Pirschgänge. Foto: Torsten Schöll

Das Betreten dieser Anlage ist streng verboten und auch gefährlich. Nur mit Genehmigung durften wir sie besuchen und fotografieren.

Es sind Gänge, im Boden verborgen wie Schützengräben. Tief im Wald, am Rand einer großen Lichtung. Im Hintergrund ertönen gewaltige Detonationen, die durch Mark und Bein gehen und so laut sind, dass sie den Brustkorb erschüttern.

 

Von Geheimtipps und Ausflugszielen bis hin zum Lost Place: Wir zeigen das geheimnisvolle Stuttgart

Foto: Torsten Schöll

Wir haben die „hunting tunnels“, wie die Amerikaner die Anlage nennen, mit Genehmigung des US-Militärs besucht und fotografiert. Die US-Army trainiert hier, am Rand von Stuttgart, im Wald zwischen Musberg und Böblingen, mit schwerstem Gerät. Man zieht unweigerlich den Kopf ein, wenn es wieder knallt.

Foto: Torsten Schöll

Auch wenn die teils überdachten, im Waldboden verborgen liegenden Gänge mitten in einem militärisch genutzten Areal liegen, Schützengräben sind es dennoch nicht. Geschweige, dass von hier jemals jemand auf feindliche Angreifer angelegt hat.

Foto: Torsten Schöll

Die einst weit verzweigten Pirschgänge im Böblinger Stadtwald, von denen nur noch knapp 130 Meter erhalten sind, wurden vor etwa 300 Jahren angelegt, um dem württembergischen Herzog Carl Alexander und seiner höfischen Entourage die Jagd aufs Rot- und Schwarzwild zu erleichtern. Mithilfe der Gänge konnten sich die adligen Waidmänner ihren von Jagdhelfern herbeigetriebenen Trophäen unbemerkt nähern.

Lesen Sie auch: Morbide Ruine im dunklen Bannwald
 

1737 ließ der Herzog die eindrucksvolle Anlage aus Quadersteinen errichten. Die mannshohen Gänge sind heute noch teils mit Gewölbedecken überdacht, die oben mit Gras bewachsen sind. In regelmäßigen Abständen fällt Tageslicht durch seitlich in der Decke angebrachte Löcher.

Foto: Torsten Schöll

Ursprünglich hatten die Gänge eine Gesamtlänge von 635 Metern. War die Jagd erfolgreich, wurde im nahen Böblinger Schloss zum Halali geblasen und ordentlich gefeiert.

Vergleichbar mit der Anlage im Böblinger Stadtwald, die vor drei Jahren aufwändig restauriert wurde, ist deutschlandweit nur noch die Jagdanlage auf dem Rieseneck bei Jena.

Foto: Torsten Schöll

Umso bedauerlicher, dass sie auch in Zukunft nur an wenigen Tagen im Rahmen von Führung zu sehen sein wird. Das Betreten der US-Militäranlage ist streng verboten und natürlich auch gefährlich. Noch in diesem Jahr wird das Trainingsareal mit einem weiteren Zaun gesichert.

Weitere Themen