Geheimnisvolles Stuttgart Die Veitskapelle – Eintauchen ins Mittelalter

Zahlreiche Malereien zieren die Veitskapelle in Stuttgart. Foto: Torsten Schöll

Die Veitskapelle ist nicht Stuttgarts älteste Kirche, aber vielleicht Stuttgarts schönste Kirche. Wer eintritt fühlt sich ins Mittelalter versetzt.

Wer aus dem gleißenden Frühlingslicht in den dunklen Raum tritt, erkennt die Gestalten an den Wänden zuerst nur schemenhaft. Angenehm kühl ist es zwischen den alten Mauern. Dann, wenn die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, geht der Blick unweigerlich nach oben, wo sich Bild an Bild aneinanderreiht. „Ich mache erst einmal Licht“, sagt der Kirchenwächter und drückt einen Schalter neben der Eingangstür.

 

Ursprünglicher Zustand gut erhalten

Und mit dem Licht beginnen die Wände plötzlich in vielen Farben zu leuchten. Wer in Stuttgart ins tiefste Mittelalter eintauchen will, macht das am besten hier: in der kleinen, von außen ganz unscheinbaren Veitskapelle in Mühlhausen. Die Kirche, errichtet ab 1380, ist nicht die älteste in der Stadt, aber keine andere ist in ihrem ursprünglichen Zustand so gut erhalten wie die evangelische Pfarrkirche im alten Ortskern des kleinen Weindorfs.

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Jetzt, während der Fastenzeit vor Ostern, sind die Flügel der Altäre geschlossen. Erst an Karfreitag werden sie wieder geöffnet und zeigen dann ihre ganze Pracht. Der sogenannte Prager Altar von 1385, der hier ursprünglich stand, ist so bedeutend, dass er heute in der Staatsgalerie ausgestellt wird.

Malereien wohin das Auge blickt

Die Malereien, die über und über die Wände von Chor und Schiff zieren und unter anderem Motive aus dem Alten und Neuen Testament zeigen, wurden nach dem Bau der Kirche zwischen 1400 und 1440 angebracht. Im Chor, wo die Wandbilder besser erhalten sind als im Kirchenschiff, erzählen sie auch vom Martyrium des heiligen Veits. Seine Häscher wollten ihn sogar in einem Kessel kochen, was, einem Engel sei Dank, natürlich nicht gelang.

Nur wenige kommen her

Ein Reinhart von Mühlhausen, Bürger von Prag und dort am Hof des Kaisers gemeinsam mit seinem Bruder Eberhart zu Reichtum gekommen, hatte seiner Heimatgemeinde im 14. Jahrhundert die Kapelle am Neckar gestiftet. Es war kein uneigennütziges Geschenk: „Jeden Tag musste hier ein Führbittgebet für die beiden Brüder abgehalten werden“, sagt Friedrich-Andreas Hühn, der einer von sieben Kirchenwächter der Veitskapelle ist und bestens mit der Geschichte des Bauwerks vertraut ist.

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Veit, der Heilige der Bierbrauer und der Winzer, soll viele Wunder bewirkt haben. Ein Wunder ist auch, wie wenig besucht Stuttgarts vielleicht schönste Kirche bis heute ist. Gerade jetzt, zu Ostern, lohnt ein Besuch aber unbedingt. Sonntags von 14 bis 16.30 Uhr stehen die Türen zu diesem ganz besonderen Ort jedem offen.

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