Geheimnisvolles Stuttgart Einer der schauerlichsten Orte der Stadt
Diese Gruft ist Stuttgarts unbekannteste Sehenswürdigkeit. Lediglich an wenigen Tagen kann man einen Blick hinein werfen.
Diese Gruft ist Stuttgarts unbekannteste Sehenswürdigkeit. Lediglich an wenigen Tagen kann man einen Blick hinein werfen.
Selbst Matthias Vosseler, nennt es einen geheimnisvollen Ort. Dabei befindet sich der Arbeitsplatz des Pfarrers genau darüber. Was in Städten wie München eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist, ist in Stuttgart sogar den meisten Einheimischen unbekannt.
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Der Grund: Für die Öffentlichkeit ist die Grablege unter der Stiftskirche nicht zugänglich. Lediglich an wenigen Tagen kann man durch eine Glastüre einen Blick in die erste der beiden Kammern werfen. Die Gruft, die aus zwei Gewölbekammern besteht, ist kein repräsentativer Ort, eher ein düster-schauerlicher Lagerraum für die sterblichen Überreste der Herzöge von Württemberg und deren Angehörige.
Die beiden Räume sind über und über mit Särgen belegt. Herzog Friedrich I. war 1608 der Erste, der hier unten beigesetzt wurde. Die Gruft war zuvor binnen 17 Tagen gegraben und ausgemauert worden. Davor, seit die Stiftskirche ab 1321 zur Hauptgrablege des württembergischen Grafenhauses geworden war, hatte man die Württemberger unter dem Fußboden des Stiftskirchenchors bestattet. Im 16. Jahrhundert waren die Herzöge zeitweise sogar nach Tübingen ausgewichen.
Auch in Adelsfamilien war zu jener Zeit die Sterblichkeitsrate unter den Kinder enorm hoch. „Die Folge war, dass bereits nach zwei Generationen die neue Gruft mit 35 Personen, darunter 20 Kinder, voll belegt war.“, erklärt der Historiker Harald Schukraft, mit Abstand der beste Kenner der Grablege in der Stiftskirche. Weil auch im 17. und 18. Jahrhundert nichts in der Kirche auf den Ort im Untergrund hinwies und der alte Zugang aus dem Chor nicht erkennbar war, blieb er bis heute unversehrt und wurde auch von feindlichen Armeen nie geplündert, erzählt Schukraft.
1683 entstand aus Platzmangel die zweite, sehr schlichte Gewölbekammer, in der heute viele der Kindersärge aufgebahrt sind. Bis die Grabkapelle auf dem Württemberg fertiggestellt war, war auch der Sarg Königin Katharinas nach ihrem Tod 1819 zeitweise in der Gruft untergebracht. Der letzte, der hier bestattet wurde, war 1860 der Forschungsreisende Herzog Paul Wilhelm.
Insgesamt liegen 67 Angehörige des Hauses Württemberg in den beiden Kammern. Hinzu kommen die mittelalterlichen Gebeine aus den ursprünglichen Grablegen im Chor, die man 1608 in einem Sammelgrab in der Gruft untergebracht hatte. Insgesamt fanden mehr als 100 Menschen hier ihre letzte Ruhestätte.
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Interessierte können einmal im Monat sonntags beim Kirchencafé nach dem Gottesdienst durch die geschlossene Glastüre einen Blick in die vordere Kammer werfen oder auf Anfrage bei Kirchenführungen.