Dieser Tunnel erinnert an den Korridor in einem futuristischen Sternenkreuzer. Foto: Torsten Schöll
Was ist das? Eine unterirdische Halfpipe? Eine Bobbahn ohne Eis? Oder doch das Innere eines Teilchenbeschleunigers? Die Neonlampen an der Decke werfen ein Zebramuster auf den Betongrund, das scheinbar immer weiter in die Tiefe führt. Keine Frage: Das hier ist einer der seltsamsten verborgenen Orte in der Stadt.
Torsten Schöll
11.03.2023 - 08:30 Uhr
Leise ist es hier nicht: Direkt über der Decke des Halbrunds donnern Autos und Lastwagen über eine Fahrbahn. Es rauscht, rattert und brummt, was das Zeug hält.
Rund 824 Meter lang ist dieses Bauwerk und es befindet sich direkt unter dem ganz genauso langen Wagenburgtunnel.
Foto: Torsten Schöll
Es ist ein Frischluftkanal, durch den meistens gar keine Frischluft fließt, wie Matthias Braitinger vom Tiefbauamt erklärt. Braitinger ist bei der Stadt Stuttgart der Mann für die Straßentunnel und ermöglicht den Gang durch das eindrucksvolle Bauwerk im Untergrund.
Große Axiallüfter pumpen mit ihren Propellern bei Bedarf Luft durch den Kanal, die dann durch Ausblasöffnungen im Abstand von zwei Metern in den Straßentunnel darüber strömt. „Eigentlich springt die Anlage nur an, wenn es brennt“, sagt Braitinger.
Foto: Torsten Schöll
Ansonsten ist die Luftqualität, die ständig gemessen wird, im Tunnel fast immer ausreichend gut. Auch ohne künstliche Belüftung ist im Wagenburgtunnel im Normalfall niemand in seinem Fahrzeug in Gefahr. Jedenfalls nicht auf Grund der Luftverhältnisse.
Foto: Torsten Schöll
Abschüssig ist der Kanal, weil das Ostportal des Wagenburgtunnels 44 Meter Höher liegt als der Tunnelmund auf der Innenstadtseite. Gemeinsam mit der sanften Biegung des Kanalbauwerks erzeugt genau das den Eindruck, sich in einer überdimensionalen Bobbahn zu befinden. Tief unter diesem Kanal kreuzen irgendwo die Tunnelröhren des künftigen Fildertunnels.
Foto: Torsten Schöll
Fast noch schöner als das Zebramuster, das das fahle Neonlicht im Frischluftkanal auf den konkav gekrümmten Untergrund wirft, ist übrigens die Beleuchtung im schräg darüber liegenden Fluchttunnel des Wagenburgtunnels. Ein Blick hier hinein erinnert zwangsläufig an den Korridor in einem futuristischen Sternenkreuzer. Willkommen im Raumschiff Enterprise!