Geheimnisvolles Stuttgart Wohnen, wo einst Schwerverbrecher einsaßen

Das Alte Zuchthaus hat seine ganz eigene Architektur. Foto: Torsten Schöll

Früher saßen hier Mörder und Räuber ein. Heute beherbergt das Alte Zuchthaus Eigentumswohnungen. Wer es entdecken will, muss in einen der für den Stuttgarter Westen typischen Hinterhöfe blicken.

Wer will schon freiwillig im Knast wohnen? Die Antwort: Gar nicht so wenige. Zumindest, wenn man sich in der Senefelderstraße im Stuttgarter Westen umhört. Dort findet sich ein Wohnhaus, das, aus der Vogelperspektive betrachtet, an eine zu groß geratene Windmühle erinnert. Oder doch eher an eine Art Dosenöffner?

 

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Das Alte Zuchthaus bestand in seiner Funktion bis 1901. Es saßen dort ausschließlich Kapitalverbrecher ein. Foto Torsten Schöll

Wie dem auch sei. Der kapitale Wohnblock mit den Hausnummern Senefelderstraße 45 A, B und C ist allein schon wegen seiner Architektur eines der bemerkenswertesten Bauwerke in Stuttgart und ein echter Geheimtipp für Stadtentdecker. Dass das Gebäude nur wenigen bekannt ist, liegt an seiner verborgenen Lage.

Heute sind im Alten Zuchthaus Eigentumswohnungen. Foto Torsten Schöll

Abgeschirmt durch Blockrandbebauung

Das ehemalige Stuttgarter Zuchthaus steht heute in einem der für den Stuttgarter Westen typischen Hinterhöfe, gut abgeschirmt von der hohen Blockrandbebauung an der Ecke Ludwig- und Senefelderstraße. Als der Architekt Theodor Wilhelm Landauer zwischen 1846 und 1850 das „Pönitentiarhaus“ (lat. peona = Strafe) für Schwerverbrecher hier errichtet hat, lag es noch weit außerhalb der Stadt.

Früher Lag das Alte Zuchthaus vor den Toren der Stadt. Heute liegt es im Hinterhof inmitten des Stuttgarter Westens. Foto Torsten Schöll

An eine Windmühle erinnert der im Grundriss achteckige frühere Mittelbau dieses ursprünglich als vierflügelige Kreuzanlage geplanten Gefängnisbaus. Wie der ebenfalls erhaltene ehemalige Verwaltungstrakt mit seiner turmhohen Eingangsfront wird er schon seit 1927 als Wohnhaus genutzt. Früher von Beamten. „Heute befinden sich 20 Eigentumswohnungen, die in den 1980er-Jahren verkauft wurden, in dem Gebäude“, erzählt Bewohner Christopher Wulfgram.

Erbaut wurde das Alte Zuchthaus von Architekt Theodor Wilhelm Landauer zwischen 1846 und 1850. Foto Torsten Schöll

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Er und seine Frau leben gerne im Mittelbau des einstigen Zuchthauses. Der Gefängnisarchitektur, die einst der besseren Überwachung der Insassen diente, ist zu verdanken, dass man heute in ihrer Wohnung rechteckige Innenräume vergeblich sucht. „Jedes Zimmer hat einen besonderen Zuschnitt“, sagt er. Sehr chic, aber nicht unbedingt praktisch, wenn man darin Schränke aufstellen will.

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In dem chronisch überbelegten Zuchthaus, das nie fertig gebaut wurde und in dieser Funktion bis 1901 bestand, waren ausschließlich Kapitalverbrecher untergebracht. In vielen Fensternischen sind noch immer die Spuren der Vergitterungen zu erkennen, auch wenn der ehemalige Zellenflügel heute nicht mehr existiert.

In einigen Fensternischen sind noch Spuren der Vergitterung erkennbar. Foto Torsten Schöll

Mindestens einem Insassen gelang im Laufe der Geschichte die Flucht. Drei Mal wurden hier nachweislich sogar Todesurteile vollstreckt.

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